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Neuartige Lebensmittel – Noni & Co.

06.07.2005

Neuartige Lebensmittel („Novel Foods“) sind Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die vor dem Inkrafttreten der „Verordnung (EG) Nr. 258/97 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten“ (Novel Foods-Verordnung) am 15. Mai 1997 in der Europäischen Gemeinschaft noch nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden und einer der folgenden Kategorien zuzuordnen sind:

Lebensmittel und Lebensmittelzutaten,
- mit neuer oder gezielt modifizierter primärer Molekularstrulctur (z. B. Fettersatzstoffe, Isomaltulose);
- die aus Mikroorganismen, Pilzen oder Algen bestehen oder aus diesen isoliert werden (z.B. DHA reiches Öl aus Mikroalgen);
- die aus Pflanzen bestehen (z.B. Nonisaft) oder isoliert worden sind (z.B. Phytosterole), und aus Tieren isolierte Lebensmittelzutaten. Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die mit herkömmlichen Vermehrungs- oder Zuchtmethoden gewonnen wurden und erfahrungsgemäß als unbedenklich gelten, gehören nicht zum Geltungsbereich der Verordnung.
- bei deren Herstellung ein nicht übliches Verfahren angewandt worden ist, wenn das Verfahren eine bedeutende Veränderung der Zusammensetzung oder Struktur bewirkt hat, die sich auf den Nährwert, den Stoffwechsel oder auf die Menge unerwünschter Stoffe im Lebensmittel auswirkt (z. B. Hochdruckpasteurisierung).

Warum eine EU-weit einheitliche Verordnung?
Die Unterschiede zwischen den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften über neuartige Lebensmittel oder neuartige Lebensmittelzutaten können den freien Verkehr mit Lebensmitteln behindern. Sie können zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen fuhren und dadurch das Funktionieren des Gemeinsamen Marktes unmittelbar beeinträchtigen.
Neuartige Lebensmittel müssen einer einheitlichen Sicherheitsbewertung in einem Gemeinschaftsverfahren unterzogen werden, bevor sie in der Gemeinschaft in Verkehr gebracht werden, damit das höchste Schutzniveau für die menschliche Gesundheit gewährleistet ist. Nur die als für den menschlichen Verzehr sicher bewerteten Erzeugnisse werden für den Handel zugelassen.

Paradigmenwechsel durch die Novel Foods-Verordnung
- bis 15. Mai 1997: Missbrauchsprinzip: Lebensmittel sind erlaubt wenn sie nicht ausdrücklich verboten sind.
- ab 15. Mai 1997: Verbotsprinzip – neuartige Lebensmittel sind nur dann erlaubt wenn sie zugelassen wurden.
Von der Novel Foods-Verordnung ausgenommen sind
- folgende „Lebensmittel“ für die andere Rechtsvorschriften der EU bestehen, soweit sie das in der Novel Foods-Verordnung festgelegte Sicherheitsniveau gewährleisten:
- Gentechnisch veränderte Lebensmittel – Lebensmittel und Lebensmittelzutaten, die genetisch veränderte Organismen (GVO) enthalten (z. B. Joghurt mit genetisch veränderten Lebendkulturen), die aus UVO bestehen (genetisch veränderte Tomaten) oder aus GVO hergestellt wurden, diese aber nicht mehr enthalten (z.B. aus genetisch verändertem Raps gewonnenes Öl), gehören mit Wirkung vom 7. November 2004 nicht mehr zum Geltungsbereich der Novel Foods-Verordnung, sondern werden durch die seit 18. April 2004 anwendbare „Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel“ erfasst.

Voraussetzungen für die Zulassung
Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten, die unter diese Verordnung fallen, dürfen keine Gefahr für den Verbraucher darstellen; keine Irreführung des Verbrauchers bewirken; sich von Lebensmitteln oder Lebensmittelzutaten, die sie ersetzen sollen, nicht so unterscheiden, dass ihr normaler Verzehr Ernährungsmängel für den Verbraucher mit sich brächte.
Unbeschadet der übrigen Anforderungen in gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften an die Etikettierung von Lebensmitteln sind zusätzliche spezifische Etikettierungsanforderungen festzulegen. Diese Anforderungen müssen in präzis formulierten Vorschriften geregelt werden, damit sichergestellt ist, dass dem Verbraucher die notwendigen Informationen zur Verfügung stehen.

Zulassungen erfolgen sehr häufig durch eine Entscheidung der Kommission nach dem Komitologie-Verfahren – was auch einer Endbewertung durch die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) entspricht.
Dieser Bericht ist eine Zusammenfassung des Vortrags von DI Klaus Riediger, AGES, Institut für Lebensmitteluntersuchung Wien, gehalten bei der Veranstaltung „Spannungsfeld Arzneimittel – Lebensmittel“ am 7. Juni 2005 in der Wirtschaftskammer Österreich.

Kontakt: DI Klaus Riediger, AGES, Institut für Lebensmitteluntersuchung Wien,
Spargelfeldstraße 191, A-1226 WIEN, E-Mail: klaus.riediger@ages.at.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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