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Neuer Chef verordnet Nestlé Gesundheits-Kur

16.02.2017

Für Nestlé ist es eine Zäsur: Mit Ex-Fresenius-Lenker Ulf Mark Schneider trat zum Jahreswechsel zum ersten Mal seit knapp hundert Jahren ein Firmenchef von außen sein Amt an. Die Agentur Reuters analysiert, welche Hürden den neuen Boss erwarten.

Der neue Nestlé-Boss Ulf Mark Schneider hat jahrzehntelange Erfahrung im Gesundheitsbereich, den Nestlé ausbauen will

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern – bekannt für Marken wie Maggi, KitKat, Nescafe oder Nespresso – habe sich in eine Sackgasse manövriert, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters auf ihrer Homepage. Konsumenten in aller Welt setzen zunehmend auf frische Nahrungsmittel, während Fertigprodukte zu Ladenhütern werden. Und Nestlé – für viele der Inbegriff von Stabilität – wächst nicht mehr so stetig wie früher. Da tut frisches Blut gut: Der 51-jährige Deutsch-Amerikaner Ulf Mark Schneider hat jahrzehntelange Erfahrung im Gesundheitsbereich, und genau den will Nestlé ausbauen. Denn das Geschäft mit Spezialnahrung für alte oder kranke Menschen verspreche deutlich höhere Wachstumsraten als beispielsweise der vielerorts gesättigte Markt für Süßigkeiten, heißt es im Bericht.

Nestlé – mit einem Börsenwert von 230 Milliarden Franken (rund 216 Mrd. €) – sei schwer zu steuern. Und die See ist rau: In den vergangenen vier Jahren hat Nestlé das selbst gesteckte Wachstumsziel von fünf bis sechs Prozent verpasst. Von Januar bis September 2016 lag das Umsatzplus des 150 Jahre alten Traditionskonzerns lediglich bei 3,3 Prozent – der schwächste Zuwachs seit über zehn Jahren.

Die Lösung scheint einfach: Raus aus weniger rentablen Bereichen wie dem US-Süßwarengeschäft oder Tiefkühlkost, rein in das zukunftsträchtige Gesundheitsgeschäft. Dieser Bereich (Nestlé Health Science) machte zuletzt mit gut zwei Milliarden Franken (1,87 Mrd. €) weniger als drei Prozent des Konzernumsatzes aus. Das soll nicht so bleiben: Nestlé hat für die Sparte eine Zielmarke von bis zu zehn Milliarden Franken (9,38 Mrd. €) Umsatz aufgestellt.

Für den Ausbau verantwortlich ist der neue Chef Schneider höchst persönlich, schreibt Reuters: Er leitet das Gesundheitsgeschäft sowie die Hautpflege-Sparte Nestlé Skin Health künftig selbst. Am einfachsten zu bewerkstelligen wäre das geplante Wachstum mit Zukäufen, glauben Analysten. „Sie müssen entweder ganz groß zukaufen oder viele Akquisitionen stemmen, damit das für Nestlé einen Unterschied macht - denn das Kerngeschäft ist groß“, sagt David Moss, Leiter der europäischen Aktieninvestments der Bank of Montreal.

Bis zu 60 Mrd. US-$ für Zukäufe

An Finanzkraft mangelt es dem Schweizer Konzern nicht. Nach Einschätzung der Credit-Suisse-Analysten könnte Nestlé bis zu 60 Milliarden Dollar (56,75 Mrd. €) für Zukäufe ausgeben, wenn der Konzern seine gut 23-prozentige Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L’Oreal zu Geld macht. An der Börse ist der Anteil gut 22 Milliarden Euro wert. Investoren sehen Mega-Akquisition aber wegen des potenziell hohen Preises mit gemischten Gefühlen. „Zukäufe im Healthcare sind nicht einfach. Auch viele Pharmakonzerne wollen in dem Bereich wachsen – das ist sehr teuer“, sagt ein Finanzexperte. Schneider selbst hat sich bislang nicht zu seiner Strategie geäußert. Er hat seinen ersten öffentlichen Auftritt im Namen Nestlés bei der Bilanzpressekonferenz am 16. Februar. Völlig freie Hand dürfte er bei der Umsetzung seiner Vision ohnedies nicht haben: Denn im Frühjahr wechselt sein Vorgänger Paul Bulcke an die Spitze des Verwaltungsrats und gibt Schneider von dort aus die Marschrichtung vor.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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