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Neues Gehaltsschema im Handel steht fest

24.07.2017

Der neue Handels-KV bringt künftig mehr Geld für Berufseinsteiger, älteren Beschäftigten werden weniger Vordienstjahre angerechnet. Handelsverband und WKO fordern aber noch die dringend notwendige Regelung des Zuschlagsystems.

Bereits seit dreieinhalb Jahren ist die Aushandlung eines neuen KVs im Handel Thema. Seit letzter Woche ist bekannt, dass sich die Sozialpartner schließlich einigen konnten, Details liegen seit heute auf dem Tisch.

Fest steht, dass ab 1. Dezember 2017 die 400.000 Angestellten im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel ein neues Gehaltsschema bekommen. Der neue KV soll den Handel vor allem für Berufseinsteiger attraktiver machen.

Völlig neue Berufsgruppen

Das ausgehandelte Grundgehalt liegt nun bei 1600 Euro brutto im Monat (davor 1546 Euro). Älteren Beschäftigten werden hingegen, um sie wieder attraktiver und leistbarer für den Arbeitsmarkt zu machen, weniger Dienstvorzeiten angerechnet. „Mit einem höheren Einstiegsgehalt von 1600 Euro lässt der Handel das Image der Niedriglohnbranche endgültig hinter sich und gewinnt durch Anerkennung der Karenzzeiten an Attraktivität. Durch die Deckelung der Vordienstzeiten auf sieben Jahre werden erfahrene Mitarbeiter wieder leistbarer“, so Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich.

Die größte Veränderung gab es bei den Berufsgruppen bzw. Gehaltstafeln. Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich auf acht unterschiedliche Gruppen - von einfachen Hilfstätigkeiten in Gruppe A und B über klassische Verkaufstätigkeiten mit oder ohne leitender Funktion (Gruppe C bis F) bis zur Geschäftsführungsebene (Gruppe G und H). Zurzeit gilt für jeden einzelnen Sektor im Handel eine eigene Tafel, mit jeweils sechs Beschäftigungsgruppen. Dabei wird unter anderen zwischen Groß- und Kleinhandel, Fotohandel, der Handel mit Büchern sowie Zeitungen und Kunstblättern sowie dem Großhandel mit Eisen unterschieden – was de facto über 50 Beschäftigungsgruppen ergibt.

„Außerdem hat der neue Handels-KV eine große sozialpolitische Vorbildwirkung. Mit der vollen Anrechnung von zwei Jahren Karenzzeit pro Kind ist man dem Schließen der Einkommensschere wieder einen Schritt nähergekommen“ so Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA und der Obmann der Bundessparte Handel.

„Ein Meilenstein“

Für die Erarbeitung des neuen Schemas benötigten die Sozialpartner dreieinhalb Jahre. Der Grund für dieses langen Zeitraum sollen ins besonders die zahlreichen unüberschaubaren Beschäftigungsgruppen gewesen sein. Genau deswegen sind   sie auch der Kernpunkt der getroffenen Vereinbarung.

"Nunmehr werden die Tätigkeiten in den Beschäftigungsgruppen detailliert beschrieben. Bisher war das nicht der Fall, was oft zu Rechtsstreitigkeiten vor den Gerichten führte.“, so Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel.

Als Meilenstein bezeichnen Katzian und Buchmüller die Einigung: „Aus Sicht der Sozialpartnerschaft haben wir eine weitreichende Lösung erreicht, die die heimische Handelslandschaft auf völlig neue Beine stellt.“ Außerdem betont Katzian die Rechtssicherheit, die der neue KV für jene Angestellte bringen soll, die mit All-In Vertrag arbeiten. Da in solchen Fällen eine genaue Abrechnung von Über- und Mehrstunden schwierig ist. In der neuen Regelung sind das kollektivvertragliche Mindestgehalt sowie eine Überzahlung anzuführen und bilden das Grundgehalt. Die Entlohnung der Überstunden ist extra anzuführen. „Diese Transparenz wünschen wir uns für alle Branchen.“, meint Katzian.

Auch Stepan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbands ist sehr zufrieden mit dem Reformpaket. Die Zukunftsfähigkeit des Beschäftigungsgruppenschemas und die Gestaltung entsprechend den Entwicklungen in der Branche, begrüßt er besonders.

„Ein erster Schritt“

An die zentrale Bedeutung einer Reform der österreichischen Überstundenzuschläge erinnert allerdings Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Da das heimische Zuschlagsystem im internationalen Vergleich einen Wettbewerbsnachteil darstellt, müsste es schnellstmöglich vereinfacht werden. Diese Ansicht teilt auch Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien „Damit ist der erste Schritt getan. Was jetzt noch folgen muss, ist die rasche Umsetzung eines zeitgemäßen und administrativ einfacheren Zuschlagssystems.“ Die Handelskammer hofft jedenfalls, dass hier schneller eine Einigung erreicht wird, als beim Handels-KV.

Für die Umsetzung des neuen Kollektivvertrags bleiben den Firmen nun vier Jahre Zeit, bis Dezember 2021. Dieser Überganszeitraum soll vermeiden, dass die Handelsbetriebe mit der Umsetzung überfordert werden.

 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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