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Von Elektronik bis zu voluminösen Spielgeräten für den Garten bieten zahlreiche Ketten derzeit massenhaft Ware an. Die Konsumenten, die sonst nur online einkaufen könnten, greifen zu.

Nonfood im LEH: Der Ton wird schärfer

03.04.2020

Angesichts von geschlossenen Fachgeschäften, Baumärkten etc. fordern immer mehr Fachhändler eine gesetzliche Beschränkung des Sortiments für den Lebensmitteleinzelhandel auf Lebensmittel, Haushaltsartikel und Produkte für den täglichen Bedarf.

Die einen müssen geschlossen halten, die anderen verkaufen fröhlich Produkte aus dem Kernsortiment der stillgelegten Branchen - das sorgte schon kurz nach Beginn der großflächigen Branchenstilllegungen für Unmut auf Seite des Fachhandels. Anfänglich appelierte man noch an die Fairness der Supermarktketten, nun wird der Ruf nach einer gesetzlichen Sortimentsbeschränkung laut.

Die Argumente der Handelsketten

Die Supermarkt-Ketten hingegen sehen sich als Nahversorger, der erstens schon immer ein stattliches Nonfood-Sortiment angeboten hatte und zweitens derzeit als einzige Quelle die Nachfrage der Konsumenten befriedigen kann - und das halt auch tut. Dürfte der Lebensmittelhandel nun auch das bei ihm übliche Nonfood-Sortiment nicht mehr verkaufen, hätte das massive negative Folgen. So würden beispielsweise noch viele weitere heimische Arbeitsplätze verloren gehen, vor allem auch bei den österreichischen Vorlieferanten.

Kein Schulheft? Kein Spielzeug für Kinder, die zuhause betreut werden? Kein Fön, weil der alte kaputt ging? Kein kleiner Bund Tulpen, um die Wohnung, die nicht verlassen werden darf, freundlich zu gestalten? „Diese Diskussionen mit aufgebrachten Kunden würden die Mitarbeiter nun endgültig an den Rand der Kapazitäten bringen,“ fürchtet Egon Karabacek, Zentralbetriebsratsobmann der Spar.

Kommentar von Lidl

Wir verstehen die Sorgen und auch Existenzängste von Unternehmen, die jetzt geschlossen haben müssen. Wir verstehen auch, dass es so aussieht, dass der Lebensmittelhandel nun die großen Umsätze macht. Tatsächlich stellt sich die Situation nach den Hamsterkäufen, über das Gesamtsortiment gesehen, derzeit anders dar. Gerade der Non-Food-Umsatz ist schon seit Wochen eingebrochen. Trotzdem haben wir nicht erst heute aus Solidarität reagiert: Die Non-Food Sortimente wurden gekennzeichnet. Die Bewerbungen – auch im Flugblatt – und die Mengen, die in den Verkauf gelangen, werden schon seit Wochen um bis zu 70% reduziert. Seit KW 13 wurde die Bewerbung über TV, Radio und Online für Angebote in den Filialen komplett eingestellt. Auch die Sortimentsbreite wurde eingeschränkt! Mit diesen solidarischen Maßnahmen verzichten wir seit Wochen bewusst auf Umsatz und Deckungsbeiträge.

Gleichzeitig haben wir bereits jetzt hohe Mehrkosten im zweistelligen Millionenbereich, was den Schutz von Mitarbeitern und Kunden betrifft, um die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen.

Dazu kommt: Die kritisierten Sortimentsteile wurden bereits vor 9 bis 12 Monaten bestellt. Diese Abnahme-Verträge müssen wir natürlich einhalten, die Waren werden also laufend angeliefert. Alle Produkte, die wir nicht in den Verkauf bringen können, benötigen nun zusätzliche Lagerflächen, was den Betrieb durch fehlende Manipulationsflächen beeinträchtigt oder erhebliche Mehrkosten für die Anmietung externer Flächen bedeutet. Wirtschaftliche Vorteile verschafft uns die derzeitige Situation bisher jedenfalls keine.

Wir erfüllen unsere Verantwortung als Lebensmittelhändler gerne. Nicht nur jetzt, sondern immer. 50% unserer verkauften Lebensmittel kommen aus Österreich. Wir sind verlässlicher Partner der heimischen Landwirtschaft. Derzeit bringen wir zusätzliche österreichische Produkte in das Sortiment, die aufgrund des Wegfalles von Gastro-Vertriebskanälen von den regionalen Produzenten nicht verkauft werden könnten. Wir sorgen seit Wochen – trotz der unsicheren Umsatzsituation – für vollwertige Arbeitsplätze und ausreichend Öffnungszeit.

Unsere Kunden werden wenig Verständnis haben, dass sie nicht die gewohnten Artikel erhalten. Das führt zu einer weiteren Belastung der Mitarbeiter, die in dieser Situation schon jetzt unter hohem Druck stehen und auch seitens der Kunden immer öfter unfreundlich behandelt werden. Diese Situation wird sich nicht entspannen.

Internationaler Onlinehandel als die wahre Gefahr

Was machen Kunden heutzutage, wenn sie ein Produkt für den täglichen Bedarf nicht sofort bekommen? Sie bestellen es bei Amazon. Sind die Kunden erst einmal dort, kommen sie nicht wieder. Die Konkurrenten und die allergrößte Gefahr sind hier also nicht österreichische Handelsunternehmen, sondern die internationalen perfekt organisierten Online-Händler. „Wir können diesen Trend seit längerem in unseren Shopping-Centern beobachten,“ so Mag. Marcus Wild, Geschäftsführer der SES Spar European Shopping Centers, „Wenn wir keine Nonfood-Produkte mehr verkaufen dürfen, dann treiben wir die Konsumenten endgültig in die Arme der internationalen Online-Riesen, die bekanntlich in Österreich keine Steuern bezahlen.“

WKO fordert Selbstbeschränkung

Die Wirtschaftskammer befindet sich in einer klassischen Zwickmühle - sie vertritt bekanntlich beide Seiten. Dennoch unterstützt auch die WKO nun hörbar den Fachhandel. „Es kann nicht sein, dass einige Lebensmittelhandelsketten jetzt zusätzlich auch noch den Non-Food-Bereich forcieren und Prospekte verteilen, in denen alles angeboten wird, nur fast keine Lebensmittel mehr, während alle anderen Handelsbereiche ihre Geschäfte geschlossen halten müssen“, mahnt WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Das verstoße gegen die Grundsätze eines fairen Wettbewerbs, so der Präsident weiter. „Ich appelliere darum auf eine freiwillige Einschränkung auf den Verkauf von Lebensmittel, wie einige Supermärkte es auch schon praktizieren. Sollte diese Freiwilligkeit oder eine schrittweise Öffnung für den Verkauf solcher Produktgruppen auch in derzeit geschlossenen Handelsbetrieben nicht möglich sein, werden wir uns für temporäre gesetzliche Beschränkung im Sinne eines fairen Wettbewerbs einsetzen“, erklärt Herk.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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