Direkt zum Inhalt

Normen ändern sich schneller und werden internationaler

02.06.2010

Auch Normen können sich nicht den Trends der Zeit entziehen. Sie werden immer rascher beschlossen, ihre Gültigkeit immer internationaler. Das eine hänge mit dem rasch wechselnden Umfeld und modernen Kommunikationsmitteln, das andere mit der stärkeren Handelsverflechtung zusammen, sagte Elisabeth Stampfl-Blaha, Stellvertretende Geschäftsführerin des Austrian Standards Institute (Normungsinstitut) anlässlich des 90-jährigen Bestehens ihres Hauses.

Normen werden inzwischen von vielen Unternehmen als strategische Notwendigkeit erkannt. Denn wer eine Norm mitgestaltet, kann diese dann auch leichter erfüllen und hat damit einen Wettbewerbsvorteil. So habe eine heimische Firma den Schnuller-Markt in Großbritannien verloren, weil dort auf Basis einer britischen Norm nur Schnuller mit Ring zugelassen waren. Erst als eine europäische Norm auch Schnuller mit Knöpfen für zulässig erklärte - unter massiver Mitwirkung der Österreicher - tat sich der Markt wieder auf.

"Ein klares Beispiel, wie eine Norm als Handelshemmnis genutzt wurde", so Stampfl-Blaha. Die klassische Vorstellung, dass Normen schon bekannte Standards nachträglich festschreiben, sei völlig falsch. Derzeit werde der Rahmen für Elektro-Mobilität definiert: "Normen sind die Bedingung, damit sich der Sektor entwickelt kann", sagt Stampfl-Blaha, die Norm sei "der Schuhlöffel für Innovation". Umso bedauerlicher sei es, dass für Normungsarbeit im heimischen Budget real immer weniger Geld vorhanden ist.

Dabei seien die österreichischen Unternehmen überdurchschnittlich stark an Normen interessiert. Das liege an der langen Tradition des Normungsinstitutes und an der Geografie - nach Wien sind die Experten immer leicht gekommen. Das Normungsinstitut selber koordiniert dabei nur die Tätigkeit der Betroffenen, die eine neue Norm schaffen wollen. Selber darf es nicht einmal Vorschläge machen: "Das ist absolut tabu".

So war es beispielsweise das islamische Informations- und Dokumentationszentrum, das Normen zunächst für islamische Lebensmittel und jüngst für islamische Banken etablieren wollte. Überraschenderweise habe es dazu international noch keine Standards gegeben. Die Norm zu den islamischen Lebensmitteln ist bereits am Weg zu einer europäischen Regelung, bei Banken wird für die Zukunft daran gedacht.

"Internationale Karriere" haben unter anderem auch die in Österreich erarbeiteten Normen für Tauchlehrer, Kunsttransporte und Call Center gemacht. Mancher Politiker belächelt die Normungsarbeit, schüttelt Stampfl-Blaha den Kopf. Aber man müsse sich einmal überlegen, was ohne die gemeinsamen Regelungen wäre. Rund 40 Prozent der Warenproduktion in Europa läuft "genormt" ab, schätzt sie. In Österreich kommen jährlich rund 1.100 neue Normen dazu, gut 1.000 werden erneuert. Fast 5.900 Experten arbeiten daran. Am 1. Mai waren 22.220 Normen in Österreich gültig - 80 Prozent davon waren zugleich europäische Normen. Nun werde verstärkt der Dienstleistungsbereich erfasst.

Dabei sei eine Norm "das Gegenteil eines Patentes". Denn während die Norm den technologischen Standard für alle verfügbar mache, schließe das Patent alle anderen davon aus.

Info: www.as-institute.at 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Industrie
28.09.2020

Nach fast 20 Jahren wurde das schon etwas in die Jahre gekommene Design zeitgemäß überarbeitet und präsentiert sich mit klar strukturiertem Logo.

Markenartikel
28.09.2020

Ganz im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie von Nutricia Milupa wird ab Oktober ein Teil des Aptamil Portfolios in Bio-Qualität angeboten. Damit geht Nutricia Milupa auf den Wunsch ...

Die Wiener Tafel, mit 21 Jahren die älteste heimische Tafelorganisation, fungiert als Schnittstelle zwischen Lebensmittelspenden und bedürftigen Menschen. Darüber hinaus will man die unnötige Entsorgung genießbarer Lebensmittel in Privathaushalten durch Informationen und mehr Vertrauen in die eigenen Sinne bekämpfen.
Thema
28.09.2020

Am 29. September ist der 1. International Day of Awareness of Food Loss and Waste, den die UN ins Leben gerufen hat. Damit macht die UN verstärkt auf das Problem der Lebensmittelverschwendung ...

Das Land Oberösterreich und Spar setzen ein starkes Zeichen für ein „GewaltFREIES Leben“: Jakob Leitner, Geschäftsführer der Spar-Zentrale Marchtrenk, Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (Mitte), sowie Natascha Wimberger (l.), Marktleitung im Eurospar Passage City Center, und ihre Stellvertretung Rebecca Reischl (r.).
Thema
28.09.2020

„GewaltFREIES Leben – auch für Sie!“. So heißt die neue Informationskampagne des Landes Oberösterreich gemeinsam mit der Spar-Zentrale Marchtrenk. In über 250 Spar- und Eurospar-Märkten werden ...

Hofer-CEO Horst Leitner und Ventocom-Geschäftsführer Michael Krammer dürfen sich über die erste Million Kunden für ihre Marke HoT freuen.
Handel
25.09.2020

Seit mehr als fünf Jahren begeistert die Hofer Mobilfunk-Exklusivmarke HoT mit maßgeschneiderten Angeboten sowie dem Versprechen, niemals teurer, sondern nur günstiger oder besser zu werden und ...

Werbung