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Franz Waldenberger (Obmann Bio Austria und Bürgermeister von Pennewang), Josefine Kinglmair (Leiterin des Ernährungsrates Pennewang) und Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger

Oberösterreich startet Projekt Ernährungsräte

07.08.2017

Die Initiative „Ernährungsräte Oberösterreich - Ernährung gemeinsam gestalten“ soll die Lebensmittelversorgung und Ernährungspolitik zurück in die Gemeinden bringen. Unterstützung bekommen die Gemeinden durch das Agrarressort und Bio Austria Oberösterreich. Fünf Ernährungsräte sind für 2017 geplant, den ersten Ernährungsrat gibt es seit Juni in Pennewang.

Immer mehr Menschen definieren sich über ihre Ernährung, drücken damit ihre Individualität oder ihren Lebensstil aus. Essgewohnheiten werden als Religionsersatz oder Hobby gesehen. Es wurde zum internationalen Trend-Thema. Ernährung birgt Lebensqualität und beginnt in der Landwirtschaft. Dennoch haben regionale Kreisläufe im Laufe der letzten Jahrzehnte an Bedeutung verloren. „Die Globalisierung und Industrialisierung unseres Ernährungssystems hat dazu geführt, dass wir jederzeit ein günstiges Angebot aller erdenklichen Lebensmittel im Überfluss haben. Wir zahlen als Gesellschaft allerdings einen hohen Preis dafür. Die ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen werden immer deutlicher sichtbar“, so Franz Waldenberger, Obmann von Bio Austria Oberösterreich.

Wissen bündeln und vernetzen

Davon ist auch Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger überzeugt, der gemeinsam mit Bio Austria Oberösterreich das Projekt „Ernährungsräte Oberösterreich“ initiierte: „Gemeinsam können wir die Weichen für eine zukunftsfähige Ernährung in unserer Heimat stellen“. Für Hiegelsberger gilt es die Bewusstseinsbildung und Maximierung der Ernährungskompetenz in Oberösterreich zu steigern. „Es gilt unser Wissen zu bündeln und uns zu vernetzen, um dem Thema Ernährung einen neuen Stellenwert in Oberösterreich zu geben und es wieder zurück in unsere Regionen zu bringen. Die Entscheidung wie und was wir essen wird heute viel zu häufig von den Managern der internationalen Lebensmittelindustrie und des Lebensmittelhandels bestimmt. Rücken wir wieder ein Stück zusammen und bringen wir das Thema Ernährung zurück in unsere Gemeinden, zu unseren Bürgern“, so Hiegelsberger der diese Initiative aus vollster Überzeugung unterstützt.

Wertvolle Erfahrungen mit Ernährung

Doch was ist ein Ernährungsrat? Es ist ein Arbeitskreis, der alle Akteure des lokalen Lebensmittelsystems einbindet und die Bedürfnisse und Interessen der Gemeinde miteinbezieht. Menschen verschiedenster Hintergründe treffen dabei aufeinander. Sie alle haben ihre eigenen, wertvollen Erfahrungen mit Ernährung, Lebensmitteln und Landwirtschaft. Dabei geht es darum voneinander zu lernen und gemeinsam Perspektiven und Projekte zu entwickeln, von denen alle profitieren. Die Möglichkeiten einen Ernährungsrat aufzubauen sind vielfältig und kann je nach Mitgliedern, Strukturen und Aufgaben variieren, da heißt ein Ernährungsrat kann an die spezifischen Begebenheiten und Bedürfnisse in der jeweiligen Gemeinde angepasst werden.

Idee stammt aus den USA

Ernährungsräte stammen aus dem englischsprachigen Raum. Als erster Ernährungsrat gilt der Rat in Knoxville/USA, dessen Gründung im Jahr 1982 eine Antwort auf die Ernährungsprobleme der Stadt war. Damals war es das Ziel gesunde und leistbare Lebensmittel für Schüler zur Verfügung zu stellen, sodass auch Familien mit geringem Einkommen nicht von ernährungsbedingten Krankheiten betroffen sein müssen. Standen damals hauptsächlich soziale Themen in Zusammenhang mit der Ernährung im Fokus, so behandeln Ernährungsräte heute auch ökologische und wirtschaftliche Thematiken. In den USA, Kanada und Australien formieren sich immer mehr Ernährungsräte. In Europa, wie beispielsweise in Amsterdam, Athen und London haben Ernährungsräte vielerorts Projekte entwickelt, die die Ernährungssouveränität vor Ort stärken. Berlin und Köln haben 2015 mit der Bildung von Ernährungsräten begonnen und auch in Wien gibt es erste Überlegungen zu diesem Thema.

Neue Akzente für Pennewang

Den ersten Ernährungsrat Oberösterrreichs gibt es bereits, in Pennewang. Zur Gemeinde Pennewang im Bezirk Wels-Land zählen 27 Ortschaften und etwa 888 Einwohner auf einer Fläche von ca. 18 km². Als agrarstrukturierte Gemeinde wird Pennewang von Kleinund Mittelbetrieben bewirtschaftet. „Jede Gemeinde ist unterschiedlich aufgestellt, was Nahversorgung, Direktvermarkter, öffentliche Küchen usw. betrifft. Damit sind auch die Bedürfnisse und Möglichkeiten sehr individuell. In Pennewang gibt es z.B. ein Mittagessen im Kindergarten und in der Volksschule. Außerdem gibt es in Pennewang viele ernährungsbewusste Menschen, die Wert auf gesunde, regionale und biologische Lebensmittel legen. Mein Anliegen war es diese Menschen zusammen zu bringen, um zu schauen ob wir neue Akzente in unserer Gemeinde setzen können und die Bewusstseinsbildung zum Thema Ernährung in der Bevölkerung zu verstärken. Gemeinsam ist man immer stärker“, berichtet Waldenberger, der nicht nur Obmann von Bio Austria Oberösterreich ist, sondern auch Bürgermeister der Gemeinde Pennewang.

Ziel ist es, im Jahr 2017 fünf Ernährungsräte in Oberösterreich zu gründen und zu unterstützen. Dabei sollen gezielt Gemeinden und Städte mit unterschiedlichen Strukturen, Bedürfnissen und Ausgangssituationen angesprochen werden. Die daraus gewonnen Erfahrungen fließen in einen bundeslandweiten Rollout ein.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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