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ÖGV: Lehrlinge ausweisen ein Schuss ins Knie

20.08.2018

Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) spricht sich  gegen Abschiebungen von Asylwerbern in Lehrausbildungen aus, denn dieses Vorgehen schadet Österreichs Betrieben enorm. Gerade Gastronomie und Handel profitieren durch die neuen Arbeitskräfte.

„Wir verhindern durch die Abschiebung neue Meister, neue Betriebe, neuen Wohlstand – egal wo dies dann realisiert wird“,  hält ÖGV Generalsekretär Stephan Blahut zu der aktuell heißen Debatte um Flüchtlinge fest. Zusätzlich stellt die Unternehmervereinigung fest, dass es nicht nur beschämend ist, engagierte Lehrlinge auszuweisen, sondern es versetzt vor allem den Betrieben einen Schuss ins Knie. Immerhin ist der Fachkräfte-, sowie der Lehrlingsmangel ein Thema mit dem die österreichische Wirtschaft schon lange zu kämpfen hat. In einer Befragung vom Juli 2018 gaben 9 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie im Mangel an Mitarbeitern das größte Standortproblem sehen, 56 Prozent haben aus diesem Grund bereits sinkende Umsätze. 15.833 Lehrstellen waren zu dem Zeitpunkt offen und konnten nicht besetzt werden (Quelle apa OTS/ Ernest & Young).

Forderungen an die Regierungen

Der ÖGV fordert wegen diesem schädlichen Vorgehen das Vorhaben des Regierungsabkommens, einen geeigneten Niederlassungstitel zu schaffen, mehr Aufmerksamkeit zu widmen und kurzfristig umzusetzen. Österreich könnte sich beispielweise an der deutschen Lösung orientieren, die den Lehrabschluss explizit zulässt und zudem drei Jahre Berufserfahrung ermöglicht. Dieser Forderung schließt sich auch die Tiroler Grünen-Soziallandesrätin Gabriele Fischer an, sie schlägt sogar für ein fünf jähriges Bleiberecht nach dem Lehrabschluss vor. Dann hätten die jungen Menschen ausreichend Zeit Berufspraxis zu sammeln oder auch eine Meisterprüfung zu absolvieren. Zudem will Fischer so eine Regelung nicht nur für Lehrlinge in Mangelberufen, sondern für alle Berufe.

Bisher fehlt aber ein klar definierter Zuwanderungsplan, der die wirtschaftlichen Anforderungen Österreichs erfüllt. Denn der Erhalt unseres Sozialsystems, sowie die zunehmend alternde Gesellschaft führen zu großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Zudem spricht sich der ÖGV dagegen aus, soziale Gruppen gegeneinander auszuspielen. „Die Empfehlung, vakante Lehr- und Facharbeiterstellen mit den aktuell Arbeitslosen zu besetzen, zeigt eine gewisse Ahnungslosigkeit auf“, so Blahut.

Wo asylwerbende Lehrlinge arbeiten

Vergangene Woche gab Johannes Kopf Chef des AMS Österreich via Twitter die aktuellen Zahlen der asylwerbenden Jugendlichen in Lehrausbildungen bekannt. Daraus ergeht, dass momentan besonders die Gastronomie von den Arbeitskräften aus dem Ausland profitieren kann (327 in der Sparte Koch, 122 Restaurantfachmann, 76 Gastronomiefachmann). Zusätzlich sind viele der zugewanderten Lehrlinge auch in der Elektrobranche (56), sowie im Lebensmittel Einzelhandel  (41) tätig. Was all diese Branchen ohne die Auszubildenden machen werden, bleibt noch eine unbeantwortete Frage. Die Abschiebewelle gefährdet einerseits die Existenz von Betrieben, die keinen anderen Nachwuchs finden können, anderseits ist sie auch auf moralischer Ebene sehr fragwürdig. Immerhin werden die abgelehnten Flüchtlinge um jede Chance gebracht, eine tragfähige Berufserfahrung zu erwerben und so eine bessere Zukunft zu haben. Damit kann auch das Herkunftsland nicht profitieren, da kein substanzieller Knowhowtransfer stattfindet.

 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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