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Online-Coaching als Ausweg aus der großen Ratlosigkeit?

05.03.2019

Wie kann sich Österreichs Konsumgüter-Groß- und Einzelhandel im Verdrängungswettbewerb mit Digitalmonster Amazon und einer Armada global agierender Onlinehändler behaupten?  Durch den Aufbau eines eigenen Pure Online-Shops? Durch Fokussierung aller Kräfte auf das stationäre Geschäft unter Verzicht auf  kostspielig-riskante Ausflüge ins Web? Oder durch das vielgepriesene, aber hochkomplexe Omni-Channelling, die Verschränkung von stationärem Nah- und digitalen Fernhandel?  

von Hanspeter Madlberger

Wer befreit unsere Firmenchefs von der großen Ratlosigkeit, die viele aus ihren Reihen angesichts dieser strategischen Herausforderung befallen hat und die sich die wenigsten eingestehen wollen? Weil die meisten der Tagungen, Seminare und Messe-Begleitprogramme zum Thema Digitaliserung in Werbeveranstaltungen von Microsoft, Google und Co sowie einschlägiger Consultants ausarten, was in einem allgemeinen Meinungsmache-Tohuwabohu endet, beschreitet die Sparte Handel der Wirtschaftskammer jetzt mit #HANDELdigital einen anderen und wie es scheint, chancenträchtigeren Weg. Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte, ruft die Mitglieder auf, sich um die Teilnahme an diesem kostenlosen, einjährigen Coaching-Programm zu bewerben. Im Visier sind drei Zielgruppen: Online-Neueinsteiger, Online-Ausbauer, die noch Potenzial sehen und Internationalisierer, die, speziell über Marktplätze, neue Exportmärkte erschließen möchten.

Einreichschluss ist schon am 13. März

Eine Jury, der neben den neun Landesgeschäftsführern der Sparte Handel auch Vertreter der vom Minister-Duo Schramböck/Hofer ins Leben gerufenen Digitalisierungsagentur und der staatlichen Forschungs-Förderungs-Gesellschaft (FFG) angehören, wählt aus den Einreichungen 50 Firmen aus, die ein Gratis-Ticket zum zwölfmonatigen Aufenthalt in der Digital Coaching Zone der WKO erhalten. Wer mittun will, muss sich beeilen, Einreichschluss ist Mittwoch, der 13.März. Auftakt-Event ist der E-Day der WKO am 4. April, das eigentliche Coaching startet im Mai und besteht aus sechs Coaching-Webinaren zu den verschiedensten Themengebieten, entwickelt vom Kärntner Onlinehändler Markus Miklautsch. In einem abschließenden Wettbewerb werden die Bestperformer gekürt. Ob die Coaches auch für eine Beratung vor Ort zur Verfügung stehen, wird noch geprüft.

 „Wir wollen bei unseren Mitgliedern vor allem ein Bewusstsein für den Stellenwert schaffen, den die  Digitalisierung  im künftigen Wettbewerb des Handels einnimmt“ sagt Sabine Rada, die als Digitalisierungs-Expertin an der Seite von Thalbauer das Coaching-Projekt betreut. Sie nennt als Mindestanforderung für jeden E-Commerce-Aspiranten: Die Firma soll auf dem Informationsradar der Smart Phone Shopper aufscheinen. Das lässt sich schon dadurch bewerkstelligen, dass ein Ladengeschäft seine Öffnungszeiten bei Google hinterlegt.

Hoffentlich erfolgreich

Unseren KMU-Händlern ist zu wünschen, dass die Coaching-Initiative der Kammer, nach den vielen unergiebigen Workshops und den zahllosen Startup-Flops der vergangenen Monate und Jahre von Erfolg gekrönt ist. Grundvoraussetzung ist eine von der Unternehmensspitze festgeschriebene Marketingstrategie, die den Kaufwünschen der Digital Shopper Generation entgegenkommt. Josef Mugler, emeritierter WU Wien-Professor, empfiehlt unseren mittelständischen Händlern die Strategie des „Enrichment“, die Anreicherung der vertrieblichen Leistung mit konkurrenzlosen Zusatzdiensten, wie Exklusivität, lokales Flair  oder exzeptionelle Nachhaltigkeit. Das gilt speziell für e-Commerce-Einsteiger. Wer sich hingegen aus dem Bauchladen der IT-Konzerne beliebiges digitales Werkzeug wie Electronic Shelf Labels, Self-Checkouts, Echo-Voice-Recognition, Navigations-Roboter, Blockchain-Logistik oder virtuelle Umkleidekabinen herausklaubt, zäumt den Digitalgaul von hinten auf. 

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger war unter anderem bei Henkel Austria und der Handelskette A&O beschäftigt, arbeitete 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift Regal, war 21 Jahre Herausgeber der Handelszeitschrift Key Account und ist seit Herbst 2014 als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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