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Paul Foley, CEO Foley Retail Consulting

Paul Foley: „LEH in Österreich ist hoch entwickelt“

21.03.2017

Paul Foley, ehemaliger CEO von Aldi UK & Irland und jetzt CEO des Consultingunternehmens Foley Retail Conuslting,  blickt im Gespräch mit der Handelszeitung gemeinsam mit seinem Partner Peter Harrer auf den heimischen LEH und die Sparte Tiefkühlkost.

Handelszeitung: Was unterscheidet den österreichischen Lebensmittelhandel von ausländischen Händlern? Wie gut ist Österreich im Lebensmittelhandel aufgestellt? Welche Qualitäten sind hier zu finden?

Paul Foley: Die Landschaft des österreichischen Lebensmitteleinzelhandels ist hochentwickelt, konsolidiert und sehr professionell. Drei große Player Rewe, Spar und Hofer beherrschen den Markt, und dabei sind alle drei – für europäische Standards – höchst profitabel. Diese drei Unternehmen sind auch im Ausland tätig oder gehören zum Teil deutschen Unternehmen, aber die österreichischen Kunden sehen sie als 100% österreichische Marken an.

Peter Harrer: Die durchschnittliche Produktqualität der angebotenen Marken und auch Handelsmarken ist im Vergleich zu beispielsweise dem deutschen Markt sehr hoch. Die österreichischen Kunden verfügen sowohl über das Budget als auch über die Bereitschaft, hochwertigere Produkte als der europäische Durchschnitt konsumieren zu wollen.

Wie agil und flexibel ist der LH Österreich im Vergleich zu anderen?

Paul Foley: Österreich ist aufgrund der Konsolidierung der letzten Jahre ein gesättigter Markt auf höchst professionellem Niveau. Die Marktteilnehmer müssen aufgrund der hohen Konzentration und Konkurrenzsituation permanent an den Angeboten und der Kundenzufriedenheit arbeiten. Die Zielpunkt-Pleite ist bestes Beispiel dafür, dass die Konsumenten nichts anderes als Professionalität dulden. Nichtsdestotrotz gibt es noch Platz für neue Marktteilnehmer, wie man am Beispiel von Denn’s sieht. Dieses Unternehmen wächst in urbanen Gebieten, mittlerweile gibt es 27 Denn’s Märkte in Österreich.

Peter Harrer: Markentechnisch hat Österreich viele Trends und Konsumgewohnheiten im deutschsprachigen Raum beeinflusst. So sind beispielsweise Rewes „Ja!Natürlich“ oder Hofers „Zurück zum Ursprung“ führende eigenständige Bio-Marken; Red Bull hat mit dem Energydrink eine eigene Kategorie erfunden.

Wohin geht der Trend im Handel? Wie stehen Sie zu online?

Paul Foley: Auf der Produktseite sehen wir Trends in drei Bereichen:

•  Die Gesundheit-Botschaften werden immer wichtiger, um bestehende Produkte zu beleben oder neue Produkte einzuführen.

•  Da die Haushalte aus immer weniger Personen bestehen und die Anzahl der urbanen Singles wächst, werden Con­venience-Produkte, wie z. B. bereits gewaschene und zubereitete Salate, immer wichtiger.

•  Zu guter Letzt wird Individualisierung eine große Rolle spielen – maßgeschneiderte, personalisierte Produkte, für welche ein Aufpreis verlangt werden kann, wie z. B. My Burger von McDonald’s.

Peter Harrer: Was die Einzelhandelskonzepte anbelangt:

•  die Hypermärkte und Kaufhäuser werden unter Druck geraten, wobei Nachbarschaftsmärkte wiederum im Kommen sind.

•  Diskonter werden in jenen Ländern weiterwachsen, wo der Diskont noch verhältnismäßig schwach vertreten ist (Marktanteil unter 25%, z. B. Großbritannien oder Frankreich), nicht aber in Österreich.

•  Der Online-Trend ist in weniger entwickelten Teilen der Welt schwerer zu managen, in Österreich relativ „leicht“. Der Onlinehandel entwickelt sich sowohl schnell als auch nachhaltig in Österreich. Die meisten Unternehmen, aus Branchen mit niedrigen Margen, verlangen eine Liefergebühr. Margenstarke Branchen bzw. jene mit hohen Warenkorbwerten wiederum liefern kostenlos oder bieten kostenlose Retouren an. Kreditkarten sind weit verbreitet, und die österreichische Post und andere Kurier-Dienstleister sind erschwinglich und verlässlich und ermöglichen damit einen florierenden
E-Commerce-Markt.

Als Tiefkühlexperten kennen Sie ein Segment im Handel, das immer wieder seine Schwierigkeiten hat. Wie sehen Sie die Warengruppe?

Paul Foley: Tiefkühlprodukte kommen in Österreich auf einen durchschnittlichen europäischen Marktanteil. Sie werden im Vergleich zu frischen Produkten mit niedrigerer Qualität assoziiert. Fisch und Eiscreme stellen eine Ausnahme dar, sowohl bezüglich Marktanteil als auch in Bezug auf Marktwachstum. Daher werden beträchtliche Marketingausgaben und offensive Kommunikation für Fertigprodukte und andere Convenience-Produkte aus dem Tiefkühlregal notwendig sein, um mit anderen, in diesem Segment starken europäischen Ländern wie Deutschland (Marktanteil 21%), Großbritannien (20%) oder Frankreich (13%) mithalten zu können.

 

Das vollständige Interview mit Paul Foley und Peter Harrer finden Sie in der Handelszeitung Nr.6/2017.

 

Autor/in:
Gabriele Jiresch
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