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PET-Recycling: ARA-Kür statt Pfand-Pflicht

03.06.2020

Zum Pfänderspiel luden die Grünen vergangenen Dienstag die Vertreter von Wirtschaftskammer, ARA und Handelsverband, als sie beim runden Tisch im Umweltministerium die Forderung nach einem Pflicht-Pfand für Einweg-Getränkeverpackungen aus Plastik (aber auch Metall und Glas) erhoben.

Droht den Ketten des LEH und der Getränkewirtschaft tatsächlich ein Zwangspfand auf Einweg-Gebinde, insbesondere auf die beliebten, viel gescholtenen PET-Flaschen? Noch ist nichts entschieden, aber die Chancen, dass das ernste Umweltproblem des Plastikmülls durch eine vernünftige freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, wie es das Nonprofit-System ARA vorsieht, gelöst werden kann, stehen nicht schlecht. Die erste Runde im Pfänderspiel zwischen der Öko- und der Wirtschaftspartei endete jedenfalls 0:0. Und damit vorerst mit einer Schlappe für Global 2000, jene NGO aus dem Grün-Lager, die mit der Kampagne „Pfand drauf! Stoppt den Einwegmüll!“ ein gesetzlich verankertes Einwegpfand  im Horuck-Verfahren durchsetzen wollte. 

Plastik-Dialog: Zurück an den Start

Bei Gegenüberstellung der von Global 2000 initiierten Hauer-Studie und des Positionspapiers der ARA stellte sich nämlich heraus, dass die Befürworter und die Gegner des Pflichtpfands sich zurzeit auf keine gemeinsame, sachliche Gesprächsbasis verständigen können. Ground Zero für den Plastik-Dialog zwischen Grün und Türkis. Speziell, weil die ARA-Fraktion dem Grünen-Papier die Note „Nichtgenügend wegen Themenverfehlung“ ausstellte. So endete der runde Tisch mit einem salomonischen Beschluss, der den Koalitionsfrieden fürs Erste sichert: Es soll ein Stakeholder-Dialog ins Leben gerufen werden. Nach Ansicht der Handelsrepräsentanten soll dessen Hauptaufgabe darin bestehen, eine objektive, faktenbasierte Kosten-Nutzen-Analyse der beiden Alternativen Pfand- versus ARA-System zu erstellen.

Auch wenn der Restart der Wirtschaft nach der heißen Phase der Corona-Ktrise der heimischen FMCG-Branche (von den Sparten Nonfood- und Tourismus ganz zu schweigen) und übrigens auch der ARA aktuell große finanzielle, organisatorische und umsatzankurbelnde Anstrengungen abverlangt:  Beherzte Maßnahmen zur Abwendung der Klimaerwärmungs-Apokalypse müssen für die Entscheidungsträger in der Wirtschaft heute, morgen und übermorgen höchste Priorität haben. Die Dekarbonisierung zwecks Verringerung des CO2-Ausstoßes ist da ein vorrangigiges Ziel, drastische Eindämmung der Plastikflut ein Gebot der Stunde. Das Ziel ist somit klar und wird durch die EU-Verordung, die mit 1. 1. 2030 in Kraft  treten soll, präzise festgelegt.

Somit können die „Stakeholder“ der Lebensmittel- und Getränkeverpackungen und der Abfallwirtschaft ihre Investitionen und ihre Kreativität darauf  fokussieren, wie dieses ökologische Ziel auf ökonomische Weise am besten zu erreichen ist. Geradezu ein exemplarisches Vorhaben ökosozialer Marktwirtschaft, zu der sich Türkise und Grüne gleichermaßen bekennen. 

ARA bewährt sich seit 1994

Das Zwangspfand für Einweggebinde habe sich schon in einigen Ländern Europas bewährt, insbesondere in Deutschland, wo es seit 2002 eingeführt wurde, argumentieren die Grünen und ihre Lobby. Dem ist entgegenzuhalten, dass das von Getränkewirtschaft und Lebensmittelhandel lancierte ARA-System, das auf freiwilliger Zusammenarbeit beruht, bereits 1994 an den Start ging und sich seither nicht minder glänzend bewährt. Es war so erfolgreich, dass unsere ARA etliche Lizenzen an andere Länder verkaufte und vor allem eines bewirkte: Dass die Mülltrennung als Grundvoraussetzung des Recycling von Kunststoff-, Glas- und Metall-Verpackungen sich hierzulande in fast allen Haushalten zu einer festen Gewohnheit, ja zur Selbstverständlichkeit entwickelte. Krass in der Minderheit sind die Umweltsünder, die sich in freier Natur leerer Getränkeflaschen und  -dosen entledigen. Ob ein  Pfand die Verursacher des Littering eines Besseren belehrt, wie es die Präsidenten des Alpenvereins und der Naturfreunde erwarten, bleibt mehr als fraglich.

In Österreich wandern bereits 70% der Plastikgebinde in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne des ARA-Systems. In Tirol, Vorarlberg und im Burgenland sind es sogar 90%. Die Reststrecke zur Erreichung der EU-Ziele ist also eine relativ kurze. Der Ausbau des  bestehenden ARA-Systems ist jedenfalls ungleich kostengünstiger als der Aufbau einer Parallelsammlung über ein Zwangspfand auf Einweg. Was liegt also näher, als das bewährte ARA-Modell weiterzuentwickeln, zu perfektionieren. Gefragt ist jetzt ein Projekt ARA Reloaded, begleitet von einem Masterplan der ein regelmäßiges Monitoring der Verbesserungen vornimmt. Und auf diese Weise gewährleistet, dass die EU-Zielvorgabe step by step erreicht, bzw. übertroffen wird.

Schwachstellen im derzeitigen ARA-System sind nicht die Haushalte, nicht der Handel, sondern vor allem manche Kommunen. Wenn Großstädte mit dem Inhalt der Gelben Säcke ihre Müllverbrennungsanlagen für Fernwärmeheizung befeuern, dann ist es wirklich eine Frozzelei, wenn der Getränkewirtschaft vorgeworfen wird, die Recyclingquote von PET-Flaschen sei bei uns zu niedrig. Andererseits haben viele Gemeinden z. B. in Niederösterreich ausgeklügelte Abfallzentren eingerichtet, die eine perfekte Mülltrennung und damit maximales Recycling ermöglichen. Ein Angebot, das von der Bevölkerung begeistert angenommen wird.

„Die Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit“

Dieser Leitspruch des Migros-Gründers Gottlieb Duttweiler steht bei den zahlreichen Öko-Projekten Pate, die Österreichs Lebensmittelhandel in Partnerschaft mit seinen Lieferanten in den letzten Jahren anging. Mehrweg statt Einweg, Abschaffung der Kunststoff-Tragetaschen,  Papier- statt Plastikverpackung, Bio-Verpackung für Bio-Lebensmittel, dünnere Folien, dünneres Einwegglas, PET to PET-Recycling, Cradle to Cradle-Kreisläufe, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Praktisch alle Handelsketten haben detaillierte Plastik-Vermeidungsprogramme auf den Weg gebracht. Übrigens sehr oft in Zusammenarbeit mit NGOs, wie dem WWF, Global 2000 oder Greenpeace. Und unsere Molkereien folgen, im Schulterschluss mit den Supermarktketten, dem Beispiel der Brauereien nach dem Motto: Wo ein Wille, da auch ein Mehrweg.

Autor/in:
Dkfm. Dr. Hanspeter Madlberger

Hanspeter Madlberger startete seine Karriere als Handelsjournalist im Jahr 1970, also vor 50 Jahren. Damals war er als Mitarbeiter der A&O-Zentrale Chefredakteur der „A&O Revue“. Ab 1976 arbeitete er 17 Jahre als Redakteur bei der Fachzeitschrift „Regal“. Von 1993 war er 21 Jahre lang Herausgeber der Handelszeitschrift „Key Account“.
Seit Herbst 2014 ist er als freier Wirtschaftsjournalist tätig.

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