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Podiumsdiskussion "Zerbricht Bio am eigenen Erfolg?"

18.05.2007

Auf hohem Niveau verlief die Podiumsdiskussion über die in den "50 größten Bio-Lügen" aufgezeigten Defizite im Biobereich. Die kontroversielle Debatte zwischen den Interessensvertretern von REWE (Ja!Natürlich), AMA und BIO Control mit den Autoren fand vor zahlreichen Medienvertretern im Weltcafé, 1090 Wien, statt.

Einig waren sich dabei alle am Podium Vertretenen in ihrer grundsätzlichen Wertschätzung von Bio. Gaststätten dürfen den Zusatz Bio ohne jegliche gesetzliche Kontrollauflagen verwenden dürfen, Tierfuttermittel den Zusatz Bio bereits ab einem Bioanteil von 4 Prozent als Bio verwenden, Kosmetika ohne jegliche Vorgaben vorgeben, Bio zu sein,oder etwa die Reglung für Tiertransporte - dass die "50 größten Bio-Lügen" bestehende Mängel im Biobereich aufzeigt, war ebenfalls breiter Konsens.

Kontroversiell aber blieben die Standpunkte, was die Wirkung des Buches für den Bio-Konsumenten bewirkt. Während die Interessenvertreter der Biobauern (Vierbauch), des Handels (Ja! Natürlich) bzw. der Vermarktung (AMA Biosiegel) negative Auswirkungen auf die Konsumenten ökologisch angebauter Lebensmittel befürchten, betonten die Autoren die Notwendigkeit, die illusionistischen Erwartungshaltungen in Zusammenhang mit Bio mit der Realität zu konfrontieren - mit Konsequenzen für die Preisgestaltung. Denn nur ein informierter Konsument bleibe der Bio-Sache treu.

Statements:

Mag. Martina Hörmer, GF "Ja! Natürlich": "Die '50 größten Bio-Lügen' verstehe ich als Anstoß, stehen darin doch Dinge, die man besser machen könnte. Es ist ein Bio-positives Buch, von dem ich mich grundsätzlich bestätigt fühle. Der Titel passt mir aber nicht: Wir lügen nicht, wir erfüllen die Wünsch unserer Konsumenten."

DI Erika Karner, AMA: Die AMA hat viel Aufwand betrieben, um den Konsumenten Informationen über Bio zur Verfügung zu stellen. Das AMA-Siegel ist ein Gütezeichen, das AMA-Biozeichen hingegen ist eine Produktkennzeichnung. Das hat nichts mit Etikettenschwindel zu tun."

Rudi Vierbauch, Biobauer und Obmann Bio Austria: "Wenn es den '50 größten Bio-Lügen' gelingt, bestehende Unschärfen für den Konsumenten auszuleuchten, begrüße ich es. Bio ist aber mehr als die Summe der Einzelteile, und die Gesamtheit dieser Idee kommt zu kurz."

Markus Groll, Autor: "Der Konsument hat Erwartungshaltungen. Die bezahlt er auch. Wenn diese Erwartungen aber nicht erfüllt werden, dann sehen wir den moralischen Tatbestand der Lüge erfüllt. Natürlich nicht den rechtlichen."

Gernot Loitzl, Ernährungswissenschafter und Autor: "Lügen bedeutet in Zusammenhang mit den '50 größten Bio-Lügen' nicht illegal, sondern das Aufzeigen von Trittbrettfahrern. Aufgrund der Checklisten im Buch kann sich der Konsument ein eindeutiges Bild machen."

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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