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Qualität von Apfel bis Zwiebel

31.07.2003

Der Unterschied zwischen dem AMA-Gütesiegel und dem Eurep Gap Gütezeichen sei schwierig zu erklären, so Herret. Grundsätzlich sind die Bestimmungen, nach denen das AMA-Gütesiegel vergeben wird strenge Auflagen was Qualität anbelangt.

Was nicht berücksichtigt wird sind soziale Komponenten wie Arbeitsschutz der Pflücker auf den Obst- und Gemüseplantagen, Unterbringung, etc. Eurep Gap soll weltweite Sicherheit und Fairness vom Anbau bis zum Ladentisch gewärleisten, so DI Herret. Zudem ist das AMA Gütesiegel ein Zeichen für Qualität, das sich an den Endverbraucher wendet. Eurep Gap endet hingegen beim Großhändler.
Die Handelsketten fahren bezüglich der Gütezeichen für Obst und Gemüse ebenfalls unterschiedliche Linien. Während die Sparianer Eurep Gap annehmen, findet man bei Billa mit dem AMA Gütesiegel das Auslangen, erzählt Herret. „Alle anderen Handelsketten halten sich zurück und finden mit den bestehenden Qualitätsrichtlinien ihr Auslangen.“ Die LGV tue jedoch bezüglichen Kontrollen mehr als gesetzlich vorgeschrieben wäre. Die „Giftpaprika“ Geschichte hat die Handelsketten dazu bewogen, die Rolle der Konsumentnschützer zu übernehmen, ist Herret überzeugt. Der ständige Preisdruck mache dieses Anliegen jedoch schwierig.

Der Apfel auf Siegeszug
Das beliebteste Obst der Österreicher ist der Apfel. Unter der Marke „Frisch, Saftig, Steirisch“ hat es die Obsterzeugerorganisation Steiermark geschafft für den steirischen Apfel eine starke Marke zu etablieren. Laut AMA Marktbericht Obst- und Gemüse Dezember 2002 lagerten mit Stichtag 1. Dezember 2002 im gesamten Bundesgebiet 127.667 t Äpfel, wobei die Steiermark mit 118.986 t den größten Anteil lagert. Im November betrug der Mengenabsatz für ganz Östereich 17.007 t, rund 15.375 t stammen aus der Steiermark. Zum Vergleich wurden im November 2001 rund 12.486 t (bei einem Anfangslagerstand von 118.583 t) und im November 2000 rund 12.420 t (bei einem Anfangslagerstand von 124.356 t) Äpfel vermarktet. Der Star unter den steirischen Äpfeln ist der Golden Delicious gefolgt von Idared, Jonagold und Gala.

Stagnation
Laut Meldung der Statistik Austria zeigte die Blattsalat-Produkion 2002 wenig Dynamik im Vergleich zu 2001. Mit einer Gesamtmenge von 60.702 t blieb die Ernte nahezu konstant, wobei Anbauflächenreduktionen im Burgenland und in Tirol durch die Expansion der steirischen und vorarlberger Salatflächen wettgemacht wurden. In Sachen Chinakohl dominiert ebenflalls die Steiermark mit einer Gasamtanbaufläche von 370 ha bzw. 25.900 t.
Auch am Erdäpfelmarkt gibt es nur geringe Bewegung. Ein positiver Trend zeichnet sich bei den vorwiegend festkochenden Sorten ab, die hier nur ein sehr beschränktes Angebot vorhanden zu sein scheint.

Gefahr Osterweiterung
Die Entwicklung von Gemüse in Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung wurden im Rahmen der Schneider Studie (Wifo) behandelt. Kernaussage von Prof. Schneider ist: Obst gut, Gemüse schlecht. DI Jochum (PK der Landwirtschaftskammern) geht mit dieser vereinfachten Sichtweise nicht konform. Gemüse schlecht bedeudet für Prof. Schneider, dass die Oststaaten das Potenzial haben riesige Mengen Gemüse anzubauen. Was in der Studie aber nicht berücksichtigt werde sei, dass die Gesamtstrukturen für den Absatz nach westlichem Standard, noch nicht geschaffen wurden. Und sie könnten auch so rasch nicht geschaffen werden. Vielmehr sollten heimische Gemüseproduzenten die Ostöffnung als Chance und nicht als Gefahr sehen, so Jochum.
Die „grünen“ Zahlen können sich sehen lassen.
Der Pro Kopf Verbrauch von Obst und Gemüse steigt weiter. Die 100 kg-Grenze bei Gemüse wurde bereits im vergangenen Jahr überschritten. Der Pro Kopf-Verbrauch von Gemüse betrug 2002 bereits 101,9 kg, von Obst 95 kg. Die gesamten Inlandsverbräuche betrugen 981.527 Tonnen Gemüse sowie 1,145.951 Tonnen Obst. Das Lieblingsobst der Österreicher ist mit einem Pro-Kopf Verbrauch von 28,7 kg eindeutig der Apfel. An 2. Stelle, jedoch mit 9,8 kg Pro-Kopf bereits weit abgeschlagen, liegt die Banane. Der Sieger beim Gemüse ist mit einem Pro-Kopf Verbrauch von 17,4 kg eindeutig der Paradeiser gefolgt von der Zwiebel mit 9,7 kg.

Nach Meinung von DI Johann Greimel, Präsidentenkoferenz der Landwirtschaftskammern Österreich geht der Trend im Gemüseanbau zu weniger und größere Produktionsbetriebe und zu einer Spezialisierung auf wenige gut marktgängige Gemüsekulturen. Bei Obstarten bzw. Obstsorten setzt man vermehrt auf Ganzjahreskulturen im geschützten Gemüsebau sowie auf eine Forcierung der inneren Qualität bei Obst und Gemüse (z. B. zerstörungsfreie Festigkeitsmessung bei Äpfeln). Das Wellness-, Fitness- und Gesundheitsstreben (5 am Tag Programm) begünstigt den Obst- und Gemüseabsatz. Besonders aufstrebend im vergangenen Jahr waren, so Greimel, Bioprodukte sowie der TK­und Saftsektor.

Ruhe nach dem Sturm
Vor fast genau einem Jahr stürzte sich die Presse auf die „spanischen Giftpaprika“. Die Preise waren durch Schnee und Unwetter und Spanien und Süditalien so hoch wie nie. Die Konsumenten waren verunsichert und verärgert. Im Laufe des Jahres ist wieder Ruhe im Gemüsehandel eingekehrt. Was den Großhandel und den Lebensmittelhandel zur Zeit gleichermaßen beschäftigt sind die Bestimmungen zur Qualitätssicherung. Qualitätsicherung bedeutet in der EU Rückverfolgbarkeit der Ware von der Erzeugung bis zum Ladentisch. Zwei Systeme stehen in Sachen Qualitätssicherung zur Diskussion: AMA-Gütesiegel und Eurep/Gap. Endziel ist es, die Eurep Gap so in das AMA Gütesiegel einzubauen, dass AMA gleich Eurep Gap ist, sind sich die Großhändler sowie die Verantwortlichen der AMA einig.“Wir als Vermarkter sehen uns demgegenüber, dass die Kunden immer mehr Sicherheit haben wollen,“ so Ing. Karl Herret, zuständig für Qualitätssicherung und Anbauplanung bei der LGV Frischgemüse.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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