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Recycler Reclay fordert Einwegpfand für Kunststoff-Verpackungen

03.06.2020

Anlässlich des Runden Tisches zu Kunststoff-Getränkeverpackungen mit der Bundesministerin für Klimaschutz, Leonore Gewessler, und Staatssekretär Magnus Brunner fordert Christian Abl, Geschäftsführer der Reclay UFH GmbH und Teilnehmer des Runden Tisches, eine Neustrukturierung der bestehenden Sammel- und Recyclingsysteme in Österreich.

Für Reclay ist die vom Bundesministerium für Klimaschutz beauftragte Studie zu den Möglichkeiten zur Umsetzung der EU-Vorgaben betreffend Getränkegebinde, Pfandsysteme und Mehrweg aus dem Jänner dieses Jahres eine wichtige Basis, um eine sachliche Diskussion über die Sammel- und Recyclingsysteme für Kunststoffverpackungen zu führen. „Ein bedeutender Teil dieser Systeme muss ein zentral koordiniertes Einweg-Pfand auf PET-Getränkeflaschen in Verbindung mit zusätzlichen Mehrweg-Lösungen sein. Alleine dadurch werden in den Sammel- und Recyclingsystemen jährlich rund 30.000 Tonnen zusätzliche Kapazitäten für andere Kunststoffverpackungen geschaffen. Diese freien Kapazitäten sind dringend notwendig, da Österreich 2019 mit rund 161.000 Tonnen gesammelten Leichtverpackungen bereits an die Kapazitätsgrenzen der heimischen Sortieranlagen stieß. Daher müssen wir das Einweg- und Mehrwegpfand als integralen Teil einer gut funktionierenden und effizienten Kreislaufwirtschaft in Österreich betrachten“, sagt Christian Abl, Geschäftsführer von Reclay in Österreich.

Auch die Studie im Auftrag des Klimaschutzministeriums befürwortet ein Pfand auf alle Kunststoffgetränkeflaschen als den effektivsten Weg, die EU-Vorgaben in puncto Sammelquoten zu erreichen. Im Unterschied zur bestehenden getrennten Sammlung und Sortierung wäre die Sammlung mittels Pfandsystem die einzige Lösungsvariante, welche neben der Freimachung von Kapazitäten die EU-Vorgabe sogar übererfüllen könnte. Dadurch könnte man laut Studie eine PET-Sammelquote von bis zu 95 Prozent erreichen. Diese sollte laut Vorgaben der EU-Kommission bis 2029 auf zumindest 90 Prozent steigen. Reclay UFH unterstützt aus diesem Grund den für den 23. Juni 2020 anberaumten Online-Kongress der Österreichischen Pfandsystemgesellschaft zum Thema Erfolgsfaktor Pfandsystem.

Österreich muss Vorreiterrolle einnehmen

Der zweite wichtige Aspekt einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ist die Frage der Recyclingfähigkeit: „Wir müssen bei allen Verpackungen – unabhängig vom Material – eine praktische Recyclingfähigkeit fördern. Das bedeutet eine verpflichtende Einführung von Mindesteinsatzquoten von Rezyklaten für alle Verpackungen. Auf diese Weise fördern wir die Recyclingwirtschaft und schaffen eine Perspektive für die Verpackungshersteller, die durch die derzeitigen Anti-Plastik-Initiativen des Handels zunehmend unter Druck gesetzt werden. Darüber hinaus wird die Qualität von Verpackungen durch Vermischung von weniger PET-Fraktionen verbessert“, erklärt Abl. Zu diesem Zweck hat die Reclay Group circulate, ein digitales Tool zur Bewertung von Recyclingfähigkeit, vorgestellt.

In diesem Zusammenhang fordert Reclay die Vereinheitlichung der derzeit getrennten Sammlung, um den Konsumenten die Entsorgung aller Verpackungen zu erleichtern. Die Neustrukturierung der Kreislaufwirtschaft müsse dabei laut Christian Abl den neuesten Trends folgen: „Ein modernes Pfandsystem, das den digitalen Logistikanforderungen der Zukunft entspricht, ist eine Chance für alle Akteure der Kreislaufwirtschaft: von den Verpackungsherstellern, über den Handel bis hin zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Moderne Pfandsysteme – wie sie derzeit etwa in den baltischen Staaten existieren – können uns ein gutes Vorbild sein. Dank neuester Technologien könnte Österreich bei den Sammel- und Recyclingquoten von Kunststoffverpackungen ein Vorreiter werden“, ist Abl überzeugt.

Kenner der Abfallbranche

Christian Abl ist seit Sommer 2019 Geschäftsführer von Reclay Österreich und Reclay UFH. Er blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Entsorgungswirtschaft und der Zementindustrie zurück und hat dabei zahlreiche Projekte begleitet. Zuletzt hat er für skandinavische Venture Capital Funds ein Waste to Fuel-Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten realisiert.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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