Direkt zum Inhalt

Regiodata: Konzentration im EH steigt

19.09.2018

In fast allen Branchen haben Filialisten während der letzten Jahre ihre Marktanteile ausgebaut und schwächere Unternehmen verdrängt. Gerade Lebensmittelhandel und Drogerien/Parfümerien liegen in Sachen Konzentration weit vorne.  

Österreich ist seit vielen Jahren ein Land mit sehr hoher Marktkonzentration im Einzelhandel. Selbst im internationalen Vergleich gibt es hierzulande Konzentrationsgrade von einer Höhe erreicht, die sonst nur in Skandinavien erreicht werden. Die Konzentration der fünf größten Marktteilnehmer liegt in den meisten Branchen bereits bei über 70 Prozent, damit ist der der Markt bereits zu einem hohen Teil ausgeschöpft. Ausnahmen sind lediglich Bekleidungs- und Schuhhandel. Auch wenn Wachstum in Form von Übernahmen oder Expansionen in dieser Situation kaum noch für möglich gehalten wird, wachsen einzelne Unternehmen organisch weiter und gewinnen so noch mehr an Dominanz. Tatsächlich gibt es aber noch Branchenspezifische Unterschiede: Zwei Branchen, in der sich der Konzentrationsgrad vermutlich zukünftig weiter erhöhen wird, sind Baumärkte und der Elektro-/Elektronikhandel. In diesem Bereich gab es in den letzten Jahren die rasanteste Steigung. Demgegenüber stagniert –der Konzentrationsgrad im Lebensmittel- sowie Drogerie- und Parfümeriehandel, da er schon auf einem so hohen Niveau ist. Im Möbel- und Bekleidungshandel sinkt er sogar leicht.

LEH an Spitze der Konzentration

Auf Grund von Übernahmen und Expansion weist besonders der stationäre Lebensmittelhandel eine beispiellos hohe Konzentration auf.  Erreichten 2005 die Top 5 noch einen Marktanteil von 88 Prozent, haben sie heute bereits knapp 95 Prozent, das heißt, alle anderen müssen sich mit den verbleibenden 5 Prozent teilen. REWE, Spar und Hofer bedienen mit knapp 84 Prozent Marktanteil eine ausgesprochen große Konsumentenmenge, weshalb sie für ihre Lieferanten unverzichtbar geworden und aus dem heutigen Markt nicht mehr wegzudenken sind. REWE hat österreichweit die meisten Standorte. Die davon umsatz- und flächenstärksten Filialen befinden sich in Wien. Die größten und umsatzkräftigsten Spar-Standorte sind hingegen in Oberösterreich und Westösterreich beheimatet. Bei Betrachtung der Produktivität im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel brilliert Hofer mit über 9.500 Euro Umsatz pro m² Verkaufsfläche, das ist um mehr als 50 Prozent mehr als der Branchendurchschnitt.

Angespannte Lage im Bekleidungshand

Im Vergleich zum LEH sieht es im Bekleidungshandel ganz anders aus. Die Top 3 Marken H&M (inkl. COS), C&A und Peek&Cloppenburg können nicht einmal ein Drittel des Umsatzes auf sich vereinen. Selbst wenn man die Viert- und Fünftplatzierten KiK und Kastner&Öhler hinzuzählt, sind es nur 34,2 Prozent Marktanteil, die die Händler für sich verbuchen können. Laut RegioData werden sich die Zahlen in den nächsten Kaum verändern. Zum einen müssen sich die Big Player im Kleidungsgeschäft den Markt mit viel mehr Mitstreitern teilen als in anderen Branchen. Zusätzlich kommen neue Vertriebslinien auf den Markt, die neue und häufige Umsatzverteilungen in Gang setzen. Zwar ist noch Wachstum einzelner Marktteilnehmer vorhanden, doch in den meisten Fällen handelt es sich nur um Verschiebungen. Außerdem sind zusammengehörende Gruppen wie etwa Rewe im LEH im Bekleidungshandel kaum vertreten, wodurch es mehr „Einzelkämpfer“ am Markt gibt, die alleine natürlich auch weniger Anteile haben. Nicht zu vergessen ist die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet wie Amazon oder Zalando, die den Konzentrationsgrad zusätzlich senken. Aktuell werden bereits über 20 % der Bekleidungs-Einkäufe online getätigt. Während sich der Handel via Internet gut entwickelt, befinden sich die Verkaufsflächen im stationären Bekleidungseinzelhandel aber auf einem deutlichen und kontinuierlichen Sinkflug.

Spannung am Markt

Die aktuelle Konzentration im Handel führt dazu, dass ein immer größer werdender Einzelhandelsumsatz von einer immer geringer werdenden Anzahl von Handelsunternehmen erwirtschaftet wird. Möglich ist diese Entwicklung vor allem, weil Österreich ein kleines Land ist und es hier schnell möglich ist, ein landesweites Filialnetz zu errichten und andererseits, weil sich deutsche Großkonzerne aufgrund der räumlichen und kulturellen Nähe hierzulande gerne niederlassen. Trotzdem haben diese Veränderungen natürlich auch Konsequenzen. Wenn etwa ein neues Produkt eines Markenherstellers bei REWE und/oder Spar nicht gelistet wird, hat es wohl kaum Chancen hierzulande erfolgreich zu sein. Andererseits entstehen durch Oligopole auch immer wieder Chancen für Nischenanbieter, wie für Ethnogeschäfte oder Biosupermärkte.

 
Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Handel
29.10.2018

Hofer hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Mittlerweile gibt es ganze 500 Filialen des Diskonters in Österreich. Außerdem wurde die Handelskette mit gleich drei „Poldis“ für die Gestaltung ...

Die oesterreichischen Landwirte freuen sich über die Unterstuetzung von Spar
Handel
29.10.2018

Mehr Geld für mehr Leistung ist die aktuelle Forderung der Landwirtschaft. Bei Spar wird das schon seit mehreren Jahren umgesetzt: Für das freiwillige Mitmachen in verschiedenen Qualitätsprojekten ...

Thema
22.10.2018

Wo kauft der Kunde der Zukunft seine Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs ein? Die aktuelle Studie der der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners versucht ...

Beim ersten Stakeholder Dialog suchte Lidl Österreich gemeinsam mit den Teilnehmern nach neuen Wegen und Möglichkeiten, ein noch nachhaltigeres Sortiment der Zukunft zu entwickeln.
Handel
08.10.2018

Über 40 Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen sind der Einladung zum ersten Stakeholder Dialog von Lidl Österreich am 27. September gefolgt. Themenschwerpunkte waren die Zukunft des Essens und ...

Thema
08.10.2018

Marketagent.com veröffentlichte das große Markenranking „Close To Me“. Eines steht fest der Lebensmittelhandel schwirrt in den Köpfen der Österreicher.

Werbung