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Reis ernährt weltweit Milliarden Menschen. Jetzt steht er unter „Arsen-Verdacht“.

Reis und Arsen: Allzu viel ist ungesund

14.07.2015

Die Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) hat – einige Wochen nachdem die Meldung in Deutschland kursiert ist – einen Bericht veröffentlicht mit dem Inhalt: Reiswaffeln, Reisbrei und Reisgetränke sollten „nur gelegentlich“ und nicht täglich konsumiert werden. Denn Reis hat – je nach Anbauland und –methode – erhöhte Arsen-Werte.

Bei manchen Menschen stehen auch in Europa Reisprodukte wie Reiswaffeln, Reisbrei und Reisgetränke hoch im Kurs. Doch mit Rücksicht auf den Arsengehalt sollten sie laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit „nur gelegentlich und nicht täglich“ konsumiert werden. Das ist das Fazit eines neuen AGES-Berichts.

Hoher Gehalt an anorganischem Arsen
„Arsen kommt in verschiedenen Formen vor (anorganisch und organisch), die unterschiedlich giftig sind. Im Boden ist vorwiegend die giftigere Form, das anorganische Arsen zu finden, im Wasser sind überwiegend organische Arsenverbindungen. Aufgrund des Arsengehaltes im Boden, der Atmosphäre oder des Wassers, welches zur Bewässerung verwendet wird, kann Arsen in pflanzliche Lebensmittel gelangen. Anorganisches Arsen wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC - International Agency for Research on Cancer) in die Gruppe 1 ‚krebserregend für Menschen‘ eingestuft, da ein Zusammenhang zwischen einer hohen Aufnahme von anorganischem Arsen mit Haut-, Lungen- und Blasenkrebs belegt werden konnte“, heißt es vonseiten der AGES. Die Aufnahme von anorganischem Arsen über verschiedene Lebensmittel sei unter Verwendung durchschnittlicher Belastungen an anorganischem Arsen in Lebensmitteln und durchschnittlicher Konsummengen von Kindern, Frauen und Männern berechnet worden. Die Agentur: „Als bedeutendste Aufnahmequelle für anorganisches Arsen wurde für die österreichische Bevölkerung Reis identifiziert. Untersuchungen der AGES im Zeitraum von 2007 bis 2014 ergaben hohe durchschnittliche Gehalte an anorganischem Arsen bei Reis (101 Mikrogramm pro Kilogramm).“

 

EFSA: Höchstgehalt ab 2016

In internationalen Untersuchungen seien in Reisprodukten, wie zum Beispiel Reiswaffeln, Reisbrei und Reisgetränke, deutlich höhere Gehalte an anorganischem Arsen im Vergleich zu Reis nachgewiesen, wobei die Ursache erst geklärt werden müsse. Wie die EFSA (European Food Safety Agency/Parma) in einer Expositionsabschätzung aus dem Jahr 2009 festgestellt hätte, sei ein Risiko durch die Aufnahme von anorganischem Arsen über alle Lebensmittel nicht völlig auszuschließen. Die Europäische Kommission hätte daher im Juni 2015 Arsen-Höchstgehalte für Reis und Reisprodukte festgelegt. Sie treten ab Anfang 2016 in Kraft. Freilich, das Risiko lässt sich minimieren: Der Arsengehalt im Reis kann durch Waschen mit Wasser vor dem Kochen oder Dämpfen reduziert werden. Überschüssiges Wasser sollte nach dem Kochvorgang abgegossen werden.

Reisprodukte wie Reiswaffeln, Reisbrei und Reisgetränke sollten aber „im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes nur gelegentlich und nicht täglich“ konsumiert werden. Zur Abwechslung sollten auch andere Getreidesorten wie Weizen (Bulgur, CousCous), Roggen, Hafer, Dinkel, Grünkern, Rollgerste, oder auch glutenfreie Alternativen wie Hirse, Mais und die Pseudogetreidearten Buchweizen, Quinoa, Amaranth oder Kartoffeln gegessen werden.

Eltern wird empfohlen, ihren Kindern nicht ausschließlich reisbasierte Gerichte, wie Reisbrei und Reisgetränke zu geben. Als Zwischenmahlzeiten sollten dem Kind nur gelegentlich und nicht täglich Reiswaffeln angeboten werden, und die Ernährung soll mit anderen Getreidesorten abgewechselt werden.

 

Für Säuglinge und Kleinkinder nicht empfohlen

Die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) empfiehlt, dass Säuglinge und Kleinkinder Reisgetränke nicht konsumieren sollen, damit die Arsenaufnahme möglichst gering ist. Ähnlich sieht das auch die britische Behörde für Ernährungssicherheit (FSA). Das österreichische Programm „Richtig Essen von Anfang an!“ empfiehlt in diesem Zusammenhang im ersten Lebensjahr auf Reisgetränke zu verzichten, da diese vom Nährstoffprofil der Muttermilch stark abweichen und zugesetzten Zucker enthalten können. Reisgetränke sind daher als Muttermilchersatz gänzlich ungeeignet.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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