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Der Wegfall der Gastronomie sorgte für verstärkte Einkäufe der Privathaushalte.

RollAMA: Corona verändert das Einkaufsverhalten

13.05.2020

Seit wenigen Tagen liegen die RollAMA-Marktdaten für das erste Quartal 2020 vor. 2.800 Haushalte zeichnen dafür ihre Einkäufe auf. Wie erwartet legte der Lebensmitteleinzelhandel im März kräftig zu.

Während der Aktionsanteil sank hielt sich der Bioanteil auch in der Krise stabil.
Alternative Vertriebsquellen wie der Ab-Hof-Kauf profitierten besonders.

Produkte mit langer Haltbarkeit haben von Corona besonders profitiert. Zutaten, die klassischer Weise zum Kochen verwendet werden, haben ebenfalls kräftig zugelegt, etwa Eier, Kartoffeln, Frischgemüse oder Butter. Weniger nachgefragte Lebensmittel wie Kraut und Kohl erfahren nun eine Renaissance. Der Aktionsanteil geht zurück, der Bio-Anteil bleibt stabil. Alternative Einkaufsquellen abseits des LEH konnten im ersten Quartal ebenfalls punkten. Der Einkauf beim Bauern hat um mehr als zwanzig Prozent zugelegt, auch Bauernmärkte und Fleischhauer profitieren vom neuen Einkaufsverhalten.

30 Prozent Plus vor Ankündigung des Lockdowns

Der Monat März lief für den Lebensmitteleinzelhandel besonders gut. Heruntergebrochen auf die einzelnen Wochen startet der Zuwachs bereits mit Märzbeginn. Mit dem ersten Gefühl der Unsicherheit füllten viele Haushalte ihre Grundvorräte auf. In der Woche 11, also mit der Ankündigung der Ausgangsbeschränkungen, haben die Menschen richtige Großeinkäufe getätigt. Hier gab es rund 30 Prozent mehr Einkaufsmenge und Umsatz.

So viele Fertiggerichte wie noch nie

Fertiggerichte waren absolute Top-Seller im ersten Quartal, sie verzeichnen ein Mengenplus von zwanzig Prozent. In den letzten Wochen feierten Trockensuppen, Dosenravioli und Co ein echtes Revival. Diese Produkte wurden eingelagert bzw. von Menschen gekauft, die nicht mit frischen Zutaten kochen können oder möchten.

Aktionsanteil sinkt, Bio bleibt konstant

Der Anteil jener Lebensmittel, die in Aktion gekauft wurden, ist nach dem Lockdown leicht rückläufig. Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, erklärt das damit, dass es den Menschen in Zeiten der Hamsterkäufe weniger um Preis und Aktionen, sondern um Versorgungssicherheit geht. Trotz der vielfach angespannten Situation blieben die Bio-Anteile auf konstantem Niveau. Nur bei Eiern gab es einen nennenswerten Rückgang. Das liegt möglicherweise daran, dass in den Wochen 11 und 12 kaum Bio-Eier in den Supermärkten verfügbar waren.

Gastro fehlt als Abnehmer

Trotz aller erfreulichen Zuwächse im Lebensmitteleinzelhandel fehlte die Gastronomie als Abnehmer. Knapp ein Viertel der Umsätze bzw. Wareneinsätze entfallen auf die Gastronomie und Hotellerie. Besonders betroffen war Frischfleisch, denn knapp die Hälfte des Fleisches wird außer Haus konsumiert. Auch für die Eierproduzenten sind Wirte und Hotels wichtige Kunden, sie nahmen in den letzten Wochen keine Ware ab. „Mit der Gastronomie fiel ein bedeutender Absatzkanal für die Bauern und Verarbeiter weg, was zu heftigen Marktverwerfungen führte. Besonders in der Krise, aber auch danach, brauchen wir faire Partnerschaften über alle Beteiligten der gesamten Produktions- und Wertschöpfungskette bis hin zum Tourismus, damit landwirtschaftliche Strukturen und die Stärke der Verarbeiter langfristig für den Standort Österreich abgesichert werden kann. Autarkie bekommt einen neuen Stellenwert und eine große Chance, wenn alle Partner ihren Beitrag leisten“, fordert Blass gegenseitige Wertschätzung und Partnerschaft ein.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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