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Rückeroberungsfeldzug der Sekthersteller

19.04.2005

Mit 1. April 2005 wird die Sektsteuer auf 0% gesenkt. Die heimischen Sekthersteller sehen nun die Chance auf Gleichberechtigung und Mehrumsatz.

Der Wegfall der Schaumweinsteuer schafft erstmals eine Gleichstellung für heimische Sektproduzenten gegenüber internationalen Anbietern. Der Preiskampf im Sekt- und Frizzantesegment veranlasste immer mehr Weinhändler zu „steuerfreien“ Frizzante-Weinen aus dem Ausland (vor allem von der Prosecco-Traube) auszuweichen. Durch den Wegfall der „Sektsteuer“ soll wieder mehr Sekt abgesetzt und somit die Sektgrundweinproduktion in Österreich sichergestellt werden. „Mit 1. April 2005 startet der Rückeroberungsfeldzug des Sektes in Handel und Gastronomie“, freut sich der Obmann des Fachverbandes der österreichischen Sekthersteller, Dr. Rudolf Kobatsch. „Wir nehmen an, dass die neuen Preise tendenziell im LEH und weniger in der Gastronomie weitergegeben werden“, so Kobatsch.

Starker Rückgang
Der Gesamtkonsum an Schaumwein (Sekt und Spumante) betrug im Jahr 2003 knapp 13 Mio. Liter, ein Rückgang von mehr als 21% seit 1997. Die Differenz zwischen heimischen Sekten und importierter Ware stieg in den vergangenen Jahren zu Gunsten der Importe stark an. Zusätzlich erhöhte sich im selben Zeitraum der Import von Frizzante-Produkten um mehr als 100%. Hauptgrund dieser Entwicklung ist der harte Preiskampf am heimischen Markt. Nachdem Frizzante aufgrund des geringeren Innendrucks in der Flasche nicht sektsteuerpflichtig waren, verloren heimische Sektproduzenten immer stärker Marktanteile. „Die heimischen Sekthersteller verwenden fast ausschließlich Sektgrundweine aus Österreich. Durch die Steuerbelastung wurde aber der Druck von billigen, sektsteuerfreien Frizzante-Produkten aus dem Ausland immer größer“, erklärt Josef Pleil, Präsident des österreichischen Weinbauverbandes, die zunehmende Problematik. „Die Sektsteuer wirkte sich wettbewerbsverzerrend aus, da zahlreiche Wiederverkäufer in Handel und Gastronomie sowie die Konsumenten aufgrund des Preisunterschiedes lieber zu Frizzante-Produkten wie Prosecco griffen.“ Österreichs Weinbaubetriebe produzieren jährlich ca. 25 Mio. Liter Sektgrundwein. „Wenn nun die steuerliche Zusatzbelastung wegfällt, wird österreichischer Sekt auch im Inland wieder konkurrenzfähig“, ist Rudolf Kobatsch überzeugt. „Dadurch steigt auch die Wertschöpfung für die Winzer und der Nutzen für den Konsument.“

Rückerstattung
Für jene Mengen an Schaumwein, die vor Inkrafttreten dieser Novelle in den freien Verkehr überführt wurden und für welche die Schaumweinsteuer entrichtet wurde, besteht die Möglichkeit der Erstattung oder Vergütung im Sinne des § 5 Schaumweinsteuergesetz 1995.
Das Schaumweinsteuergesetz 1995 sieht gemäß § 5 eine Steuererstattung oder Steuervergütung für Schaumwein vor, der nachweislich im Steuergebiet versteuert und in ein Steuerlager aufgenommen worden ist. Es besteht für Handelsfirmen die Möglichkeit, ihren Schaumwein in ein bestehendes Schaumweinlager zu bringen, und sich über den Inhaber des Steuerlagers die Schaumweinsteuer erstatten oder vergüten zu lassen.
Als in ein Steuerlager gelten in diesem Zusammenhang auch jene Mengen an Schaumwein verbracht, welche auf Grund der zum 31. 3. 2005 (nach Geschäftsschluss) von seinen Handelspartnern durchgeführten Bestandsaufnahmen ermittelt wurden und in Form von Inventurlisten dem Steuerlager vorgelegt werden.

Definitionen:
… gemäß Weingesetz (EU-Weinmarktordnung 1493/1999)
Sekt (Qualitätsschaumwein), Qualitätsschaumwein bA: „… der Kohlensäure-Überdruck
muss … bei 20°C mindestens 3,5 bar betragen.“
In Österreich bis 1.4. 2005 schaumweinsteuerpflichtig
Schaumwein, Spumante:
„… der Kohlensäure-Überdruck muss … bei 20°C mindestens 3,0 bar betragen.“
In Österreich bis 1.4. 2005 schaumweinsteuerpflichtig
Perlwein = Frizzante:
„… der Kohlensäure-Überdruck muss … bei 20°C mindestens 1,0 bar betragen und darf höchstens 2,5 bar betragen.“
In Österreich nicht schaumweinsteuerpflichtig
Prosecco:
Bezeichnung einer Traubenart aus Italien, aus der „Stille Weine“ und inbesondere „Moussierende Weine“ hergestellt werden, und zwar entweder in Form eines „Spumantes“
(= „Schaumwein“) … oder (viel häufiger) in Form eines „Frizzantes.
In Österreich in Form von Frizzante nicht schaumweinsteuerpflichtig
(Österreich zählte in Bezug auf Sektsteuer zu den Schlusslichtern in der Europäischen Union. Nach dem 1. 4. ist nur mehr Deutschland als weinbaubetreibendes Land mit einer Sektsteuer behaftet).

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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