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Scheibenweise Qualität

19.09.2014

Die RollAMA zeigt für 2013 einen Rückgang bei der Wurst- und Schinkenmenge in Österreich um rund 3000 Tonnen. Dem Mengenrückgang steht ein Wertzuwachs von 1,05 auf 1,07 Milliarden Euro gegenüber.

2013 betrug der Umsatz mit Wurst und Schinken 1,07 Mrd. Euro im LEH.

wolfgang friedrich

Während im Jahr 2012 laut RollAMA und keyQuest-Marktforschung in Österreich an die 113.000 Tonnen Wurst und Schinken verkauft worden sind, ist diese Menge im Vorjahr auf 110.000 Tonnen zurückgegangen. Und auch im ersten Trimester 2014 setzt sich diese Entwicklung fort. Dazu entgegengesetzt entwickelt hat sich der Umsatz, der von 1,052 im Jahr 2012 auf 1,070 Mrd. € 2013 angestiegen ist (LEH mit Hofer/Lidl). Im ersten Trimester 2014 konnte diese Entwicklung stabil gehalten werden.

Die Lieblingssorten der Österreicher sind Schinken allgemein (rund 11.000 Tonnen) vor Extrawurst (9360 t), Frankfurter (8556 t) und Knackwurst (7141 t). In der Segmentanalyse zugelegt haben im Vorjahr bei der Menge Kochschinken und Würstel, beim Wert waren Dauer-/Rohwurst sowie Würstel die Gewinner. Die wertmäßigen Anteile blieben hingegen weitgehend stabil.

Beim größten mengenmäßigen Segment, der Brätwurst, ist die Menge von 26.750 auf 25.991 t im Jahr 2013 zurückgegangen. Beim Wert hat die Brätwurst allerdings von 179,26 auf 180,39 Mio. € zugelegt. Eine beachtliche Entwicklung haben die Würstel gezeigt: Trotz stagnierender Mengen (von 21.205 auf 21.229 t) wurde hier ein Wertzuwachs von 150,25 auf 155,5 Mio. € erzielt.
Kochschinken, das weiterhin aufstrebende Segment, hat im Vorjahr zwar mengenmäßig leicht verloren (von 15.732 auf 15.421 t), beim Wert jedoch von 191,05 auf 192,99 Mio. € zugelegt.

Im Vergleich Bedienung zu Selbstbedienung behauptet sich SB-Stückware mit noch knapp über 50 % bei der Menge. Allerdings haben geslicete SB-Produkte stark aufgeholt. Die klassische Feinkost-Bedienung setzt ihren Abwärtstrend fort, obwohl hier immer noch die größten Wertanteile erzielt werden (40,7 % gegenüber SB ge-
slicet mit 22,1 % und SB-Stück mit 37,2 %).
Die Bio-Anteile bei Wurst und Schinken scheinen im Lebensmittelhandel laut RollAMA nicht vom Fleck zu kommen. Doch im ersten Trimester 2014 zeichnet sich eine – wenn auf geringfügige – Bewegung nach oben ab.

Menge durch Qualität wettmachen
Angesichts der stagnierenden Mengen beim Wurst- und Schinkenverzehr setzt Berger auf Qualitätswachstum. „Ein mengenmäßiges Wachstum des Gesamtmarktes ist eine Utopie – wir haben den Zenit erreicht, und es wird in der Zukunft darum gehen, wer die besseren Qualitäten und Konzepte vorzuweisen hat. Über 45 verschiedene Variationen an qualitativ hochwertigen und handgelegten Kochschinkenspezialitäten sowie das bereits bestens bekannte, kulinarische Konzept der Saison-Schinken heben uns eindeutig vom Mitbewerb ab“, betont Marketinglady Gaby Kritsch. Zusätzlich punktet Berger mit seinen Wurstspezialitäten und Frischfleisch-Produkten des regional.optimal.-Sortiments.

Firmenchef Franz Radatz, Radatz/Stastnik, hat vorgesorgt: „Schon in den letzten Jahren wurden die größten Investitionen nicht in Kapazitätserweiterung, sondern in Optimierung von Produktqualität und -sicherheit getätigt. Gleichzeitig ist es uns gelungen, unser Marktumfeld zu erweitern und unseren Anteil an Export und Eigenvertrieb zu erhöhen. In unseren Eigenfilialen verlagert sich der Schwerpunkt hingegen zusehends in Richtung Imbiss und Außer-Haus-Verzehr.“
Cindy Luisser, Marketing & Unternehmenskommunikation bei Messner, sagt dazu: „Für Qualität ist immer Platz. Das Problem ist, dass der Handel preisorientiert arbeitet und Qualität nicht immer an erster Stelle steht. Wir gehen hier aber keine Kompromisse ein. Der Messner-Kunde kann auf gleichbleibende Qualität vertrauen.“
„Wir haben am österreichischen Markt noch sehr viel Platz. Unsere Top-Artikel (Schwarze Pute, Kasmugler, Glockner, Scharfe Feger, Feger und Pepphäuser) und die Neuigkeiten (Chiliput, Luzifetzer und Hexenkas) mit sehr hohem Qualitätsniveau finden beim Konsumenten immer mehr Zuspruch. Der Kunde weiß, wenn er Moser Wurst kauft, dann bekommt er ein genussvolles Produkt mit einem eigenständigen USP, auf das Verlass ist“, hat Klaus Moser, Verkaufsleiter bei Moserwurst, keine Zukunftsängste.

Landhof wiederum hat einen völlig anderen Weg eingeschlagen. Wenn die Österreicher weniger Fleisch essen, warum nicht eine fleischlose Wurst herstellen, mit dem geballten Know-how des Spezialisten, der stets eine glückliche Hand gehabt hat, wenn es darum gegangen ist, die Geschmacksvorlieben der Verbraucher mit passenden Produkten zu bedienen.

Landhof-Fleischermeister Josef Barth stellt seit über 35 Jahren mit viel Liebe Wurstspezialitäten her. Er weiß, wie gute Wurst schmecken muss, verwendet nur die besten Zutaten und bringt jahrelange Erfahrung und natürlich viel Leidenschaft zum Produkt mit ein. Ihm ist es nach langer Entwicklungsarbeit gelungen, die ersten fleischlosen Wurstspezialitäten mit vollem Geschmack zu kreieren. Die fleischlosen Produkte von Landhof, die jetzt unter der Marke „die Ohne“ zu haben sind, basieren auf Milch- und Pflanzeneiweiß, werden mit typischen Gewürzen verfeinert und mit Zutaten veredelt. Oberstes Ziel bei der Herstellung fleischloser Produkte ist, ihnen mindestens so viel Geschmack zu verleihen wie den anderen konventionellen Produkten von Landhof.
(Wolfgang Friedrich)

Eine Übersicht über die Produkte für die Warengruppe Wurst und Schinken finden Sie in der Handelszeitung Ausgabe 18-19/2014.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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