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Schlacht um den Fleischpreis

19.02.2019

WWF und Bauernvertreter fordern ein Rabattverbot für Fleisch, der Handel hält mit nachvollziehbaren  Argumenten dagegen.

Die Ernährungsexpertin der Tierschutzorganisation WWF (World Wildlife Fund), Helene Glatter-Götz, kritisiert Preise wie: ein ganzes Huhn um zwei Euro, ein Kilo Schweinefleisch um weniger als fünf Euro oder ein Kilo Spareribs um weniger als vier Euro. „Ein umwelt- und tierfreundlicher Betrieb ist mit derart niedrigen Preisen nicht aufrechtzuerhalten; die typisch kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft ist so nicht wirtschaftlich überlebensfähig.“

Verzicht auf oder Verbot von Rabatten?

Wie der WWF beim Einholen von Fleischpreisen bemerkte, sind einzelne Produkte wie etwa Schweinsschnitzel oder gemischtes Faschiertes fast dauerhaft stark – um bis zu 50 Prozent – rabattiert. Glatter-Götz fordert deshalb einen Verzicht auf Rabattaktionen für Billigfleisch – dieser könnte im Fairnesskatalog des Lebensmitteleinzelhandels festgeschrieben werden: „Falls es hier zu wenig Bewegung gibt, müssen Umwelt-, Gesundheits- und Wirtschaftsministerin eine abgestimmte gesetzliche Lösung erarbeiten“, betont die Ernährungsexpertin. „Politik und Handel sind gefordert, eine klima- und umweltfreundliche Ernährung stärker zu unterstützen.“ Ausnahmen soll es nur für Rabatte am Ende der Mindesthaltbarkeit geben, um ein unnötiges Wegwerfen und damit Lebensmittelverschwendung zu verhindern.

Replik des Handelsverbands

In Österreich gibt es glücklicherweise ein sehr breites Angebot an heimischem Fleisch und verarbeiteten Fleischprodukten - mit höchsten Standards und Top-Qualität dahinter. "Für hochwertige Waren muss man im österreichischen Lebensmittelhandel auch einen fairen Preis bezahlen, was aber auch vom Verbrauer nachgefragt wird. Von Preisdumping kann im Fleischbereich keine Rede sein", stellt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will klar.

Wenn aber die Preise für österreichisches Fleisch durch politische Vorgaben künstlich höher gehalten werden – etwa durch ein generelles Verbot von Rabatten und Aktionen – so würde die Preisdifferenz zu Importprodukten aus dem Ausland noch höher ausfallen und in der Folge die Absatzmenge komplett einbrechen. Der Hebel für höhere Erzeugerpreise und damit für höhere Erträge in der heimischen Landwirtschaft liegt auch nicht im Verkauf von Frischware, sondern insbesondere im Exportbereich sowie bei verarbeiteter Ware. Der wichtigste Parameter ist hier der Weltmarktpreis.

Die soziale Komponente

Die Qualität heimischer Fleischprodukte ist hervorragend und würde sich durch höhere Preise nicht automatisch verbessern. Darüber hinaus steht es jedem Verbraucher frei, zu hochpreisigem Premium-Fleisch in Bio-Qualität zu greifen. „Andererseits hat aber auch jeder Konsument mit kleinerer Geldbörse das Recht auf eine ausgewogene Ernährung, in der Fleisch inkludiert ist. Es geht um eine selbstbestimmte Konsumentscheidung", so Will. Preisaktionen und Rabatte gehören hingegen in einer freien Marktwirtschaft dazu, zumal die Lebensmittelhändler im Wettbewerb untereinander auch das Instrument der Preispositionierung nutzen.

Fleisch mit kleinem CO2-Fußabdruck

Im Vergleich zu oft per Flugzeug importiertem Obst und Gemüse liege das heimische Fleisch dank kurzer Transportwege und betonter Regionalität auch gar nicht so schlecht wie oft behauptet werde, argumentiert der Handelsverband weiter.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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