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Das Ende der Milchquote hat die Milchwirtschaft europaweit vor große Herausforderungen gestellt

Schwierige Zeiten für die heimische Milchwirtschaft

15.09.2016

Das erste Jahr nach dem Auslaufen der Milchquote war für die Milchwirtschaft ein äußerst schwieriges Jahr – für die gesamte EU, somit auch für Österreich. Erst durch diverse Maßnahmen konnte die Situation entschärft werden.

Das Ende der Milchmengenbegrenzung führte in vielen Mitgliedsstaaten der EU zu einer höheren Produktion, während gleichzeitig die Folgen des Russland-Embargos andauerten und konjunkturelle Einbrüche bzw. mangelnde Kaufkraft infolge niedriger Rohstoffpreise die Exportnachfrage belasten. Diese sehr schwierige Situation auf dem weltweiten Milchmarkt erfasste die gesamte EU und auch Österreich. Erst durch verschiedene Marktentlastungsmaßnahmen auf EU-Ebene (z.B. Intervention), gesteigerten Exportmengen und einer geringeren Milchanlieferung infolge von Preisrückgängen kam es zu einer Trendumkehr bei den internationalen Notierungen.

Erholung der Preise dringend nötig

„Den heimischen Molkereien ist es gelungen, die Preisrückgänge für die heimischen Landwirte abzufedern“, erklärte Helmut Petschar,  Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM). Dennoch mussten auch in Österreich die Erzeugerpreise zurückgenommen werden. Sie gingen im Vergleichszeitraum des Vorjahres um 6,7 Prozent zurück und kamen in den ersten sieben Monaten des heurigen Jahres bei 35,25 Cent je kg zu liegen (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, Durchschnitt aller Qualitäten, ab Hof, brutto; 28,64 Cent netto für konventionelle Milch, ohne Zuschläge), was eine weitere Verschärfung der Einkommenssituation auf den Höfen brachte. Umso wichtiger ist, dass durch entsprechende Maßnahmen eine baldige Erholung der Preise kommt.

Erzeugerpreise im EU-Spitzenfeld

Trotz struktureller Nachteile Österreichs im Vergleich zu vielen anderen Ländern liegt Österreich bei den Erzeugerpreisen EU-weit im Spitzenfeld, vor allem als Land mit einem deutlichen Exportbedarf an Milch. So zeigt ein Vergleich mit Deutschland für das vergangene und heurige Jahr einen deutlichen Preisabstand von mehreren Cent je kg, was einen Mehrerlös beim Milchgeld von über 100 Millionen Euro pro Jahr bedeutet. Die Preisrückgänge waren nicht nur am Heimmarkt, sondern vor allem auch auf den Exportmärkten zu verzeichnen. Trotz dieser anspruchsvollen Situation auf den Exportmärkten sind Exporte für die heimische Milchwirtschaft äußerst wichtig, schließlich werden ca. 50 % der Umsätze im Export erlöst, ebenfalls werden 30 % der Milchprodukte importiert, was den hohen internationalen Wettbewerbsdruck auf die heimische Milchwirtschaft deutlich macht.

Qualitätsstrategie zeigt Erfolge

Gerade in dieser schwierigen Zeit für die Milchwirtschaft konnte Österreich mit einer konsequenten Qualitätsstrategie deutlich punkten, der hohe Qualitätsstandard der Produkte und die erfolgten Qualitätsdifferenzierungen sind ein wichtiger Baustein der heimischen Qualitätsstrategie, sie schaffen einen Mehrwert für die heimische Milchwirtschaft und kommen den Bauern und Konsumenten zu Gute. „Die österreichische Milchwirtschaft ist überzeugt, dass nur mit hoher Qualität den Anforderungen der heimischen Konsumenten und beim Export bestmöglich entsprochen wird“, so Petschar. Um diese zu halten, braucht es aber die Unterstützung des  österreichischen Handels, der  Gastronomie und der Konsumenten.  „Nur wenn Qualität entsprechend entlohnt wird, wird es diese auch in Zukunft geben“, bekräftig Petschar.

Weitere Stabilisierung notwendig

Aber auch die bisher auf den Weg gebrachten politischen Hilfsmaßnahmen müssen weiter forciert werden. Zunächst sind die Zahlungen aus dem „7 Mio. Euro-Paket“ für die Milchbauern sehr bescheiden ausgefallen. Für die nunmehr feststellbare Trendumkehr am Milchmarkt haben die EU-Marktentlastungsmaßnahmen in Form von Intervention und privater Lagerhaltung viel größeren Effekt, über 350.000 Tonnen Magermilchpulver wurden aus dem Markt genommen. Hier ist es wichtig, dass diese Mengen nicht vorschnell auf den Markt gebracht werden und die derzeitigen Preisentwicklungen gefährden. Für eine künftige Stabilisierung des Milchmarktes ist ebenfalls wichtig, dass Marktentlastungmaßnahmen weiterhin attraktiv gestaltet werden. Das zuletzt beschlossene Maßnahmenpaket mit der EU-weit einheitlichen Milchreduktionsmaßnahme und den zusätzlichen national gestaltenden „außergewöhnlichen Anpassungsmaßnahmen“ können bei entsprechender Inanspruchnahme eine weitere Stabilisierung des Marktes unterstützen.

Schwierige Produktionsverhältnisse

Beide Maßnahmen stehen derzeit in der Antragsphase und die Landwirte werden auch von den Molkereien über die Bedingungen zur Teilnahme an diesen Maßnahmen informiert. Wichtig ist aus Sicht der Milchwirtschaft dabei, dass eine nachhaltige Verbesserung für den Milchstandort Österreich erfolgt und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Michwirtschaft verbessert wird, die heimischen Milchbauern dürfen nicht weniger erhalten als ihre Berufskollegen in anderen Mitgliedsstaaten, zumal unsere Milchbauern schon jetzt unter schwierigeren Verhältnissen produzieren müssen. Schließlich gilt es politische Signale im Absatz zu setzen, eine breite politische Initiative zur Beendigung des Russland-Embargos, Maßnahmen zur Unterstützung einer verbesserten Exportmöglichkeit heimischer Milchprodukte in verschiedene Länder, ebenfalls Maßnahmen zur Belebung des Binnenabsatzes. Notwendig ist weiters eine Unterstützung der Qualitätsstrategie, eine Ausdehnung des Bestbieter-Prinzips auf Joghurt und Käse in der öffentlichen Beschaffung, verbesserte Fördermöglichkeiten für Investitionen im Be- und Verarbeitungsbereich und eine Entlastung bei den naturbedingten höheren Ausfuhrkosten.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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