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Sehnsucht nach mehr? Bio ist die Lösung

03.03.2005

Die BioFach Nürnberg ist 2005 wieder gewachsen. Bio liegt weiter im Trend und erobert jetzt auch die Supermärkte. Österreichische Produzenten präsentieren sich hoch professionell.

Keinen Grund zu Jammern hat die Bioszene. Ganz im Gegenteil. Die Biofach 2005 ist mit 2.035 Ausstellern aus 70 Ländern, das sind um 7% mehr als 2004 (1.897), und einer Ausstellungsfläche von 33.500 m2 keine kleine Messe mehr. Für österreichische Produzenten ist die Biofach alljährlich die Plattform, sich zu präsentieren, Exportkontakte zu knüpfen. Der österreichische Naturkostmarkt wird von den Eigenmarken der Handelsorganisationen dominiert, lässt wenig Platz für den Naturkosthandel, wurde jüngst jedoch durch die Eröffnung einiger weniger Bio-Supermärkte und durch die Eröffnung von Livit in St. Pölten belebt. Wer als Produzent in der Bioszene erfolgreich sein will, setzt auf den Export. Österreich ist längst viel zu eng. 86 heimische Firmen waren vom 24.–27. Februar 05 in Nürnberg vertreten.

Rosige Zukunft
Der weltweite Bio-Umsatz wuchs 2004, nach Schätzung des Londoner Marketing- und Beratungsunternehmens Organic Monitor, um rund 6%. Geht man von 25 Mrd. US $ Umsatz 2003 aus, dann stehen 2004 etwa 26,5 Mrd. US $ zu Buche. „Die höchsten Wachstumsraten sind derzeit in Nordamerika zu beobachten, die meisten westeuropäischen Länder haben eine Zuwachsrate von rund 5% zu verzeichnen. Der europäische Markt ist mit rund 10 Mrd. Euro Umsatz vor den USA der größte Einzelmarkt. Der deutsche Naturkostmarkt kann auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2004 zurückblicken. Die Umsätze stiegen sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel um rund zehn Prozent.“ Das berichteten Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel e.V., und Klaus Braun von der Kommunikationsberatung Klaus Braun bei einer Pressekonferenz auf der BioFach.

Der Gesamtumsatz der Großhandelsunternehmen im BNN Herstellung und Handel stieg um 9,6 Prozent auf 477,3 Millionen Euro im Jahr 2004. Im umsatzstärksten letzten Quartal 2004 war sogar ein Plus von 14,9 Prozent gegenüber 2003 zu verzeichnen. „Damit wurde trotz weiterhin schwieriger Konjunktur die Zehn-Prozent-Marke fast erreicht. Der Fachmarkt für Naturkost und Naturwaren hat erneut seine Stellung als stabile und zukunftsträchtige Branche bewiesen“, kommentierte Elke Röder.
Gleichzeitig warnte sie vor unbedachten Entscheidungen in einer Phase des Aufschwungs: „Dauerhafter Markterfolg setzt sorgfältige Planung und solide Branchen- und Spezialkenntnisse voraus.“ Der Frisch-Bereich trug mit einer Umsatzsteigerung von mehr als 14 Prozent maßgeblich zum hervorragenden Jahresergebnis im Großhandel bei. Der Anteil am Gesamtumsatz stieg von 55,6 Prozent im Jahr 2003 auf 57,9 Prozent im Jahr 2004. Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Fleisch und Wurstwaren waren damit die entscheidenden Umsatz- und Zuwachsbringer.

Umsatzplus im Einzelhandel
Im Naturkost-Einzelhandel stehen die Zeichen ebenfalls auf Grün: „Die Bioläden und Bio-Supermärkte erzielten im letzten Jahr 10,8 Prozent mehr Umsatz als 2003. Davon profitierten erfreulicherweise alle Betriebstypen“, berichtete Klaus Braun. Am stärksten konnten laut Braun die Bio-Supermärkte zulegen: Hier betrug der Umsatzzuwachs 15,4 Prozent im Vergleich zu 2003. Ein ebenfalls überdurchschnittliches Wachstum verzeichneten die Hofläden mit 10,6 Prozent. Naturkostfachgeschäfte kamen auf ein Umsatzwachstum von 5,8 Prozent; kleinere Naturkostfachgeschäfte legten dagegen nur um 3,3 Prozent zu.

Das Segment der Bio-Supermärkte entwickelt sich weiter dynamisch. Rund 40 neue Läden wurden 2004 eröffnet. Derzeit gibt es in Deutschland rund 250 große Bio-Fachmärkte. Rewe plant für 2005 als erster konventioneller Lebensmittelkonzern Supermärkte mit einem „100-Prozent-Bio“-Angebot in Deutschland.

Für die klassischen Bioläden sind die Bio-Supermärkte eine Herausforderung. Aus Sicht der befragten Bio-Intensivkäufer schneidet der Bioladen vor allem bei Regionalität, Beratungsqualität und Einkaufsatmosphäre gut ab.
Ein Highlight der Messe war dieses Jahr die Weinhalle. Mit 250 Anbietern ist die BioFach die größte Bio-Weinmesse der Welt. 461 Weine wurden für den Internationalen Weinpreis eingereicht. Österreich hat hervorragend abgeschnitten: In der Kategorie Rot erhielt der Blauburger Kabinett 2003 von Weinhof zum Biofritzl Silber. Gold in der Kategorie Rot Barrique erhielten Zwerest-Cuveé-QbA 2002 von Michlits/Meinklang aus dem Burgenland sowie Cabernet Sauvignon 2003 vom Bioweingut Zillinger aus dem Weinviertel. Gild in der Kategorie Weiß erhielt der Gaisberg Pinot Blanc vom Weingut Geyerhof.

Trendreport Bio
Matthias Horx zur BioFach 2005
Wir leben in Zeiten enormer Veränderungsbeschleunigung . Künftig werden wir mehr Verantwortung für uns selbst und für die Umwelt übernehmen. Gesunde Ernährung, die ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Feizeit, ein Leben in Einklang mit der Natur - für diese heutigen Sehnsüchte der Menschen hat Bio jede Menge zu bieten: Vom prognostizierten „age of trust“ wird die Bio-Branche in den nächsten Jahren kräftig profitieren; stehen sie doch längst für Werte wie Transparenz, Verlässlichkeit oder Verbrauchernähe. Was zahlreiche Bio-Fach Aussteller bereits in idealer Weise kombiniere, wird zentrales Kaufmotiv: Gesundheit und Genuss gehören künftig untrennbar zusammen. Die klassischen Branchengrenzen werden aufgebrochen. Bio funktioniert als touristisches, gastronomisches und gesundheitsförderndes Gesamtkunstwerk.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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