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Steigende Lebensmittelpreise verändern Essgewohnheiten weltweit

15.06.2011

Wegen steigender Lebensmittelpreise haben einer Studie zufolge Verbraucher in aller Welt bereits ihre Essgewohnheiten geändert. Mehr als die Hälfte der rund 16.000 Befragten aus 17 Ländern hätten in den vergangenen zwei Jahren ihre Ernährungsgewohnheiten geändert, berichtete die Hilfsorganisation Oxfam aus ihrer groß angelegten Untersuchung.

39 Prozent der Betroffenen hätten die Umstellung mit einer Verteuerung bestimmter Nahrungsmittel begründet. Zwei Drittel aller Befragten weltweit gaben demnach weiter an, die steigenden Lebensmittelpreise bereiteten ihnen Sorgen. In Kenia hätten 77 Prozent der Teilnehmer angegeben, mittlerweile andere Essgewohnheiten zu haben als noch vor zwei Jahren. Unter ihnen hätten 79 Prozent die Veränderung mit zu hohen Preisen begründet, so viele wie in keinem anderen Land. Die größte Veränderung auf dem Teller gab es der Untersuchung zufolge in Südafrika, wo 87 Prozent der Befragten angaben, nicht mehr all das zu essen, was sie noch vor zwei Jahren gegessen hatten. Eine größere Rolle als der Preis - ihn nannten 37 Prozent der Befragten als Grund - spielten dort allerdings Gesundheitsaspekte (47 Prozent).

In Deutschland änderten im gleichen Zeitraum zwei Drittel der Verbraucher ihre Ernährungsgewohnheiten. Wichtigster Grund für die Deutschen waren den Zahlen zufolge gesundheitliche Aspekte (32 Prozent). Ein Viertel gab steigende Preise bestimmter Lebensmittel als Grund an. Weitere Befragte begründeten ihre Ernährungsumstellung damit, dass sie besorgt seien, wie die Produkte hergestellt würden (18 Prozent), dass ihnen bestimmtes Essen nicht mehr schmecke (16 Prozent) oder ein Nahrungsmittel nicht mehr so gut zu erhalten sei (zehn Prozent).

„Immer mehr Menschen haben Angst, dass sie sich bestimmte Nahrungsmittel in Zukunft nicht mehr leisten können“, erklärte die Oxfam-Agrarsprecherin Marita Wiggerthale. Bereits heute seien viele Menschen gezwungen, weniger nahrhafte Lebensmittel zu essen, vor allem in armen Ländern. Die G-20-Staaten müssten deshalb entschlossen gegen die Ursachen der Preissprünge bei Nahrungsmitteln vorgehen. Rohstoffmärkte müssten reguliert, die „fehlgeleitete Biosprit-Politik“ überdacht, Treibhausgase reduziert werden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der amtierende Vorsitzende der Runde der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer, hatte kürzlich vorgeschlagen, die Rohstoffmärkte zu regulieren, um Spekulationen und dadurch den Preisanstieg einzudämmen. Die Reform der Rohstoffmärkte ist ein Schwerpunktthema der französischen G-20-Präsidentschaft.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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