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v.l.: Es diskutierten: Rainer Will, Handelsverband; Frank Hensel, Rewe International; Sebastian Kurz, Außenminister

Tempomacher in Politik und Wirtschaft

29.03.2017

Der Handelsverband mit Geschäftsführer Rainer Will brachte im Rahmen der Handelszone zwei bemerkenswerte Influenzer unserer Zeit zusammen: Bundesminister Sebastian Kurz und Rewe International CEO Frank Hensel. Sie diskutierten über Digitalisierung, Bildung, Beschaffung und geopoltischen Einfluss.

Politische und wirtschaftliche Krisenherde auf der ganzen Welt machen die tägliche Arbeit eines Unternehmers nicht leichter: verstärkter Protektionismus in USA, aber auch in Asien, der Ausstieg der Briten aus der EU, sowie die Wirtschaftssanktionen in Russland. „Es gab schon bessere Zeiten für Unternehmer und eigentlich könnte man besorgt sein“, so Rewe International CEO Frank Hensel im Rahmen der Veranstaltung Handelszone vom Handelsverband. Mit Bundesminister Sebastian Kurz (zuständig für Europa, Integration und Äußeres) ging er in den Dialog über Themen wie geopolitische Veränderungen, Digitalisierung, Bildung, Beschaffung und Innovation. „Als Händler würden wir uns eine grenzenlose Handelszone wünschen“ so Hensel, „aber wir sind Händler und flexibel“. Für ihn ist Fakt, dass es zur EU als Wirtschaftstreibender keine Alternativen gibt, die russischen Embargos unglücklicherweise vor allem die russische Bevölkerung betreffen, zur Zeit aber positive Konjunkturansätze vorhanden sind. Das merkt man auch daran, dass mehr Mitarbeiter aufgenommen werden, denn der Handel an sich gilt als Jobmotor der Nation. Die Forderung an die Politik ist jedoch für eine rasche Umsetzung von Aktivitäten für eine bessere Wirtschaftslage auf die passenden Rahmenbedingungen  zu schaffen. Nur so kann auch das derzeit negativ eingestellte Verbraucherklima in Österreich wieder in eine positive Stimmung gewandelt werden.

Gerade bei der Thematik rund um die Integration von Flüchtlingen in den österreichischen Arbeitsmarkt sind sich die beiden Herren einig: es muss schnell gehen. „Aus Erfahrung weiß ich, dass Arbeit und Sport Menschen eine Integration sowie eine Erlernung einer Sprache erleichtert“, so Hensel. Die Rewe in Österreich macht es allen vor: Mit einer eigens installierten Flüchtlingsklasse hat man begonnen die Jugendlichen zu integrieren und konnte die Klasse schneller wieder auflösen, als vorgesehen. Der einfache Grund: die Aufnahme in die laufenden Klassen ging rascher als gedacht.

Digitalisierung ist voll da

Die Digitalisierung ist wohl einer der größten Umbrüche in der Menschheit, sie hat unser Leben voll im Griff. Das muss nicht immer negativ sein. „Spannend ist, dass all die Daten, die seit Beginn der Menschheit bis zum Jahr 2014 gesammelt wurden, heute in 10 Minuten erzeugt werden“, beschreibt Frank Hensel die Größe des Welt-Datenvolumens. Die Rewe ist schon lange gerüstet, denn das Ziel ist es, als Händler diese Revolution an der Spitze mitzumachen. „Es wird derjenige der Gewinner in diesem Spiel sein, der seinen Kunden in der Gesamtheit bedient“, meint der CEO. Denn eines ist klar, stationären Handel wird es immer geben, im Einklang mit Online und anderen Kanälen, die wir vielleicht auch noch nicht kennen. Die Politik ist angehalten auch hier die Rahmenbedingungen anzupassen. „Auch in diesem Fall ist es wichtig, geistige Schranken abzulegen“, so Sebastian Kurz.

Bildung muss schneller werden

Für eine stabile Wirtschaft ist es wichtig, dass man die passenden Arbeitskräfte mit der richtigen Ausbildung hat. Hier gibt es noch jede Menge zu tun. Der versteckte Vorwurf an die ausübenden Ministerinnen geht in Richtung Geschwindigkeit: „Wir brauchen schnell umgesetzte neue Berufsfelder, wie etwa Bio-Fachmann, etc. zur Zeit geht das alles zu langsam“, so Hensel und er weiß wovon er spricht, wenn ein Teil der Lehrlinge in ihrer Ausbildung nicht die gewünschten Lehrinhalte vermittelt bekommen. „Dabei ist die duale Ausbildung in Österreich ein beneidenswertes Modell“, so Hensel. Man könnte viel mehr daraus machen: Schulformen müssen rascher umgesetzt werden, ein positiver Zugang zu Innovationen wird gewünscht. Durch die Digitalisierung brechen zwar Berufsmodell weg, aber viele neue kommen auch hinzu.

Abschließend widmete man sich noch den Themen Beschaffung, die sich immer mehr an den Produktionsstandort annähert und somit auch kleinen Händlern bessere Chancen gibt, sowie dem Thema Sonntagsöffnung. Hier wittert der Händler opportune Ansätze, denn es um die Öffnungen am Sonntag geht. Denn dazu gehört nicht nur die Anstellung der Mitarbeiter, dazu müssen viel mehr Rahmenbedingungen wie die Belieferung am Sonntag in der Stadt, etc. geändert werden. Das Thema gehört umfassend besprochen.

Auf die Frage zur Konkurrenz durch amazon go meint der 2018 scheidenende CEO: „Wir fürchten uns nicht vor amazon go, wir haben Respekt“. Und eines sei noch gesagt: Von Amazons Umgang mit Big Data und seinem Lernerfolg daraus kann man noch viel lernen.

Autor/in:
Gabriele Jiresch
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