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Top-Management made in Austria

05.12.2007

Henkel. Der Kärntner Alois Linder ist verantwortlich für Henkels gesamte Klebstoff­Technologiesparte mit respektablen 7,3 Milliarden Euro Umsatz.

Seit 1979 ist der 60-jährige Kärtner Alois Linder bei dem Konsumgüter- und Technologiekonzern tätig. Seit heuer zeichnet er als Vorstandsmitglied für den größten Geschäftsbereich, die „Adhesives Technologies“ verantwortlich. Im Rahmen der Herbst-Pressekonferenz in München hatte LK-Handelszeitung Gelegenheit für ein Exklusiv-Interview mit dem aus Spittal an der Drau stammenden Manager.
Wie fühlt man sich, wenn man als Österreicher für einen so großen und wichtigen Bereich verantwortlich ist?
Alois Linder: Wir Österreicher sind gut prädestiniert, internationale Geschäfte betreiben zu können. Ich persönlich hatte das Gefühl, Chancen, die außerhalb meiner Heimat liegen, nützen zu müssen. Anfang der 70er Jahre gab es noch nicht diese Aufbruchsmöglichkeiten Richtung Osten. Ich selbst bin allerdings relativ früh ins Ausland gekommen, habe auch im Ausland studiert, war dann lange Zeit beruflich in Spanien. Und ich bin in meiner Heimat Kärnten im Kontakt mit slawischer, romanischer und germanischer Kultur aufgewachsen.
Ich bin nur wenige Kilometer von der italienischen Grenze und dem damaligen Jugoslawien entfernt aufgewachsen; Diese Region hat mich geprägt und dadurch ist es für mich leichter, eine derartige internationale Aufgabe wahrzunehmen.

Inwieweit lassen sich Ihre internationalen Entfernungen auf einen kleinen, weit entwickelten Markt wie den österreichischen übertragen?
Unsere Erfahrung zeigt uns, dass sich viele Geschäftsvorgänge in Zyklen abspielen. Man muss bedenken, dass auch kleine Märkte sehr dynamisch sein können. Natürlich – die Ereignisse laufen hier weniger dramatisch ab, aber auch hier empfiehlt sich eine optimistische Vorgehensweise und man sollte „das Glas stets halbvoll und nicht halbleer“ sehen. Österreich ist ein Lehrbeispiel für viele kleine Länder und das Land hat erfolgreich gezeigt, dass man sich auch aus einer Randlage, die wir lange innegehabt haben, hervorragend entwickeln kann. Wir haben sofort nach der Ostöffnung mit großem Engagement tragfähige Brücken in den Osten geschlagen. Und bereits in dieser Zeit haben die Mitarbeiter von Henkel in Wien, mit dem damaligen Generaldirektor Franz Kafka an der Spitze, ganz wesentliche Voraussetzungen für unsere jetzige Performance in CEE geschaffen.
Wie würden Sie die Kooperation mit dem österreichischen Handel beschreiben – speziell was den Consumer-Bereich betrifft?
Was den Klebstoffbereich betrifft, für den ich zuständig bin, sehen wir den österreichischen Handel als sehr effizienten Partner. Einen Partner, der zwar sehr fordernd ist, aber durchaus so mit den Marktpartnern umgeht, dass wir ein vernünftiges Miteinander praktizieren.
Das ist sehr erfreulich. Denn dort, wo das nicht der Fall ist, hat ja niemand einen Vorteil – weder der Hersteller noch der Handel.
Henkel besitzt zahlreiche angesehene Marken – ein Kapital, das durch langjährige Pflege und Kontinuität wächst. Wie verhelfen Sie ihren vielen Innovationen, zunächst neuen Produkten mit noch unbekannten Namen, möglichst rasch zu einer derartigen Markenstärke?
Innovationen erfordern nicht immer die Einführung gänzlich neuer Marken. Sehr oft geht es vielmehr um Produktverbesserungen, die in kontinuierlichen Schritten erfolgen.
Sie haben Recht: Man vertraut dem Vertrauten, man kennt unsere Produkte bzw. Marken, hat mit ihnen gute Erfahrungen gemacht.
Marken stehen für Vertrauen, und mit diesem Vertrauen gehen wir sehr sorgfältig um. Andererseits stehen wir immer wieder vor der Herausforderung, das vertraute Angebot kontinuierlich zu verbessern. Da haben wir es uns zum Ziel gesetzt, unsere Innovationstätigkeit nach oben zu schrauben, das betrifft natürlich auch sehr stark den Industriebereich.
Im handelsnahen Bereich geht man in kleineren Schritten vor. Da geht es um Markenpflege, um Relaunches, um Produktverbesserungen, etwa auch im Bereich des Handling, der Verpackung.
Wie hoch ist der Prozentanteil Ihres Umsatzes, den Sie für Forschung und Entwicklung ausgeben?
Bei Henkel sind das 2,7 Prozent des Gesamtumsatzes von 12,74 Mrd. Euro, in meinem Bereich „Klebstoffe für Konsumenten und Handwerker“ können Sie von einer Umsatzgröße von 5,5 Milliarden Euro ausgehen.
Interview: Georg Strzyzowski

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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