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Transgourmet meldet Kurzarbeit an

19.03.2020

Der Marktführer im Gastronomie-Großhandel befürchtet bis zum Sommer Umsatzeinbrüche bis 70 Prozent und meldet 1.680 seiner 1.800 Mitarbeiter für vorerst drei Monate zur Kurzarbeit an.

Transgourmet, Österreichs Marktführer im Bereich Gastronomie-Großhandel, nimmt das neue – von der Bundesregierung speziell für diese Situation angebotene – Modell zur Covid-19 Kurzarbeit für 1.680 seiner 1.800 Mitarbeiter in Anspruch. Damit soll die krisenhafte Situation durch den Wegfall der Gastronomie-Umsatze bewältigt, Arbeitsplätze langfristig gesichert und das Unternehmen wirtschaftlich stabilisiert werden. „Unsere stärksten Kundenzielgruppen Restaurants, Gasthäuser und Hotels fallen fast zur Gänze aus“, erklären die Transgourmet-Geschäftsführer Manfred Hayböck und Thomas Panholzer. „Wir haben große Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und deren Familien sowie für unser Unternehmen. Unser oberstes Ziel lautet, Arbeitsplätze zu erhalten und die Einkommenssituation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu gewährleisten“, so Hayböck und Panholzer. Aus diesem Grund sei dieser Schritt notwendig und sinnvoll. „Wir wollen und werden diese Krise gemeinsam mit unseren Mitarbeitern bewältigen.“ Transgourmet rechnet mit bis zu 70 Prozent Umsatzeinbußen – und das nicht nur kurzfristig. „Wir müssen realistisch davon ausgehen, dass sich die Situation erst im Sommer wieder entspannen wird“, so Panholzer.

Kurzarbeit im Ausmaß von 10 Prozent – Gehalt 80 bis 90 Prozent

Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurde daher beschlossen, dass beinahe alle Mitarbeiter inklusive der leitenden Angestellten ab dem 23. März für drei Monate das Covid-19 Kurzarbeitsmodell in Anspruch nehmen werden. Aufgrund rechtlicher Vorgaben sind lediglich Mitarbeiter in Altersteilzeit, karenzierte Mitarbeiter und geringfügig Beschäftigte von der Kurzarbeit ausgenommen; außerdem die Geschäftsführung und freigestellte Betriebsräte. Thomas Panholzer und Manfred Hayböck als Geschäftsführer von Transgourmet Österreich sowie Johannes Starrermayr, Geschäftsführer von Gastro Profi und die freigestellten Betriebsräte Martin Gstöttner und Ronald Freudenthaller verzichten in der Zeit der Kurzarbeit freiwillig auf 20 Prozent ihres Gehalts. „Das versteht sich von selbst – das ist ein Akt der Solidarität“, so die Geschäftsführer und Betriebsräte.

Gemeinsam beschlossene Maßnahme

Die Beschäftigten wurden bereits umfassend informiert und tragen diese Maßnahme mit. „Unser Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, so Hayböck und Panholzer. Dazu Martin Gstöttner, Zentralbetriebsratsvorsitzender bei Transgourmet und sein Kollege Ronald Freudenthaller: „Wir sind uns bewusst, dass diese Maßnahme für unsere Kolleginnen und Kollegen sehr einschneidend ist. Aber wir müssen gemeinsam alles tun, um Transgourmet wirtschaftlich zu stabilisieren und so unsere Arbeitsplätze zu erhalten.“ In Abstimmung mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft, der Wirtschaftskammer und dem AMS hat die Transgourmet-Geschäftsführung daher ein Prozedere für die aktuelle Krise erarbeitet. Mit 23. März wird die Arbeitszeit für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf bis zu 10 Prozent hinuntergefahren. In dieser Zeit erhalten sie je nach Ausgangsgehalt 80 bis 90 Prozent ihres Einkommens – die Differenz zwischen dem Gehalt für tatsächlich geleistete Arbeit und Kurzarbeits-Gehalt trägt das AMS.

Alle Standorte erfasst

Von der Kurzarbeit sind die Transgourmet Zentrale sowie alle neun heimischen Transgourmet-Standorte, außerdem die vier Transgourmet Cash&Carry Abholgroßmärkte und das Tochterunternehmen Gastro Profi erfasst. „Als Arbeitgeber wissen wir natürlich, wie schwierig diese Situation für unsere Mitarbeitenden ist. Wir tun alles, um Härtefälle zu vermeiden und sind für unsere Mitarbeiter auch abseits der Arbeitszeiten da, um sie unterstützen“, bekräftigt Panholzer. Und er betont: „Wir ziehen alle am gleichen Strang. Ich bin dankbar, dass der Betriebsrat die Geschäftsführung so maßgeblich in dieser schwierigen Zeit unterstützt.“ Transgourmet rechnet mit einem Umsatzverlust von rund 70 Prozent aufgrund der umfassenden Schließung der gesamten Gastronomie.

Öffnung für die Endkonsumenten

Aus diesem Grund hat das Unternehmen bereits gestern eine weitere Maßnahme beschlossen und ab heute, Donnerstag, seine Märkte erstmalig auch für Endkonsumenten geöffnet. Eine diesbezügliche Genehmigung ist gestern auf Ansuchen von Transgourmet erteilt worden. Transgourmet Geschäftsführer Thomas Panholzer: „Mit diesem Schritt können wir dazu beitragen, die Versorgung in Österreich sicherzustellen und unser Sortiment rund um Frischware, Grundnahrungsmittel und Getränke allen Menschen in Österreich anbieten.“ Und weiter: „Wir sind gut vorbereitet und haben ausreichend Ware vorrätig. Zusätzlich haben wir gerade eine Frische-Offensive gestartet und gewähren bis Samstag, 28.03.2020 minus 20 Prozent auf das gesamte Frischwarensortiment – Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Fleisch und Wurst[1]“, so Panholzer weiter. Zu finden sind in den Transgourmet Märkten nicht nur Großgebinde, sondern Waren in allen Verpackungsgrößen und Mengen. Die Öffnung der Märkte für Endkonsumenten bleibt jedenfalls bis zu Ende der Krise aufrecht. Außerdem werden sämtliche aufschiebbaren Investitionen aufgeschoben und Budgets eingefroren.

 

 

[1] Gültig von 19.-28.3.2020. Gilt nur in der Abholung auf Normalpreise, ausgenommen Aktionen und Sonderpreise.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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