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Trefelik: "Gleiches Recht im e-Commerce!"

17.06.2019

WKW-Trefelik zu Berichten über Amazon: "Die Regeln sind einzuhalten!" Und an die Konsumenten: Jeder Klick kann zu Steuervermeidung und fragwürdigen Arbeitsbedingungen führen

127 Mio EUR pro Tag verdient Amazon-Chef Jeff Bezos, glaubt man Medienberichten. Der Profit entsteht unter anderem dadurch, dass Amazon aggressive Steuerplanung betreibt und in den meisten Ländern so gut wie keine Steuern auf seine Gewinne zahlt. Dies geschieht auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die – wie Berichte der letzten Tage zeigen – schwierigen und äußerst stressigen Arbeitsbedingungen zu bescheidenen Löhnen ausgesetzt sind.

Der Wiener Handelschef Rainer Trefelik, fordert Amazon daher auf, "sich an bestehende Regeln zu halten, so wie wir alle in Österreich. Darüber hinaus ist die Politik nach wie vor gefordert, endlich dafür zu sorgen, dass die amerikanischen Online-Multis die gleichen Steuern zahlen wie österreichische Unternehmen." Die Kombination aus aggressiver Steuerplanung und Lohndumping führe zu einem signifikanten Wettbewerbsnachteil der heimischen Unternehmen, so Trefelik.

55% Kaufkraftabfluss

Rund 4 Millarden Euro – das sind 55 % aller österreichischen Online-Ausgaben – fließen pro Jahr in die Taschen ausländischer Online-Händler. Laut Schätzungen der EU-Kommission versteuern internationale Online-Konzerne ihre Gewinne am Ende des Tages dabei im Schnitt nur mit 9,5 %, während vergleichbare heimische Unternehmen im Schnitt 23,5 % leisten.

Einheitliche Konzernbesteuerung in G20

Trefelik begrüßt daher, dass die G20-Industrienationen bei ihrem jüngsten Treffen in Japan angekündigt haben, ein internationales Abkommen über die Mindestbesteuerung von Konzernen erreichen zu wollen: "Ein wichtiger erster Schritt auf internationaler Ebene. Der stationäre Handel ist extrem unter Druck. Es sind hohe Mieten zu bezahlen, unser Personal wird anständig entlohnt, und wir zahlen unsere Steuern und Abgaben. Wir sollten dabei auch nicht vergessen: Nicht nur die Politik bestimmt, sondern als Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden wir alle mit. Jeder Klick bei Amazon und Co. kann zu Steuervermeidung und fragwürdigen Arbeitsbedingungen führen. Es gibt auch genügend österreichische Unternehmen, die bequemes Online-Shopping anbieten."

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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