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Ulrike Detmers, Mitglied der zentralen Unternehmensleitung und Sprecherin der Mestemacher-Gruppe

Ulrike Detmers: „Mestemacher ist mein Leben“

15.05.2017

Das Leben von Ulrike Detmers, Mitglied und Sprecherin der Mestemacher Unternehmensgruppe, ist vielfältig in jeder Hinsicht. Doch das zentrale Element ist die Firma. Über Höhen und Tiefen spricht sie im Interview.

Handelszeitung: Sie haben gerade Ihr Buch „Farben des Lebens“ präsentiert. Darin erzählen Sie nicht nur Ihren beruflichen und privaten Werdegang, sondern auch Ihr Lebensmotto. Würden Sie es kurz beschreiben?

Ulrike Detmers: Mein Lebensmotto lautet: „Alles fließt. Gedanken und Einfälle arbeiten Tag und Nacht in mir. Mein Steckenpferd ist: Entwicklungen vorantreiben.“ Ich möchte aber im wirtschaftlichen Sinn noch einen Schritt weiter gehen. Ich bin der Meinung, dass wir die Wertschöpfung, die wir mit Mestemacher über all die Jahre erzielt haben, weiter fortsetzen müssen. Dieser Wertezuwachs sichert die Zukunft. Und es ist auch wichtig, Kinder aus Familiengesellschaften frühzeitig an die Firma heranzuführen, und sie mitgestalten zu lassen. Der Nachwuchs darf Fehler machen, und die Authentizität der Person muss gegeben sein. Ideal sind qualifizierte Führungsteams mit Eigentümern und externen Führungskräften.

Welche Bedeutung hat für ein Unternehmen, das weltweit tätig ist, der österreichische Markt?

Ulrike Detmers: Nicht nur eine geschichtliche, sondern auch eine große wirtschaftliche Bedeutung. Mit einem eigenen Key Account Manager betreuen wir die Märkte Österreich und Schweiz. Der österreichische Markt hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg langsam entwickelt. Seit einigen Jahren greifen österreichische Verbraucher zur Abwechslung gern im Brotregal nach deutschen Brotspezialitäten. Austrias Brotkorb wird vielfältiger und abwechslungsreicher.  Mestemacher ist auch noch in Italien und Spanien stark. Aber Österreich führt das Ranking der Exportländer an. Die ersichtlichen Vorteile unserer Brote sind lange Haltbarkeit und die Hygieneverpackung. In diesem Nischenmarkt der verpackten, haltbaren und geschnittenen Brote sind wir auch Weltmarktführer. Der große Boom – auch in Österreich – kam dann im Jahr 2000, als wir unsere Firmenausrichtung auf neue Beine stellten. Die wesentlichen Säulen sind Gesundheitsorientierung, Praktikabilität und Brotspezialitäten. Mit der Umsetzung dieser Ziele machten wir einen großen Schritt in Richtung internationalem Erfolg. Unser Portfolio ist größer geworden und hat neue Märkte eröffnet. Rund 25% des Gesamtumsatzes in Höhe von 151 Mio. Euro (2015) erwirtschaftet die Mestemacher-Gruppe im Auslandsgeschäft.

Was sind die Besonderheiten am Produktportfolio?

Ulrike Detmers: Unter dem Dach „The lifestyle Bakery“ verbinden wir die Schwerpunkte. Zum einen sind das die Spezialitäten, wie zum Beispiel das Eiweißbrot, mit dem wir einen neuen Markt eröffnet haben. Oder Pita-Brot, eine internationale Spezialität, sowie unsere mit dem g. g. A.-Siegel geschützten Pumpernickel. Die Bereiche Veggie und Bio wachsen ebenfalls. Sowohl das Veggie-Vollkornbrot, als auch das gesamt Vollkorn-Portfolio sind Wachstumsbringer. Unterstützt haben uns bei Veggie und Bio die Verbrauchertrends, die zeitgleich ordentlich angezogen haben. Kritisch ist die Angebotslage bei Bio-Zutaten. Hier ist das derzeitige Angebot am Markt geringer als die Nachfrage.

Sind bei Brot auch die Rohstoffpreise ein Kostenthema?

Ulrike Detmers: Ja, auch bei den Veredlungszutaten haben wir einen preissensiblen Status. Die Prämisse von Fair Trade Prinzipien verschärft die Lage.

Wie gehen Sie bei der Entwicklung von neuen Produkten vor?

Ulrike Detmers: Die Frage ist zunächst: Wir bei Mestemacher selbst, Kunden, Lieferanten, Konsumenten? Zunächst wir selbst, denn wir haben ein interdisziplinäres Team, das stets auf der Suche nach Neuheiten ist. Außerdem arbeiten wir mit großen Backgrundstoffe-Herstellern zusammen. Aus all diesen Ideen entstehen neue Produkte, die wir schließlich schön verpacken und somit die äußere Attraktivität erhöhen. Die jüngsten Neuheiten sind das „Vita ­Power Toast-Brötchen“ und das „Vita Power Brot“. Die Portfolio-Familie wird 2017 um Knäcke-Snacks erweitert. Unsere „Vita Power Produkte“ sind eine Quelle von Vitaminen und Mineralstoffen. Kreativ dehnen wir die Eiweißbrot-Familie um wichtige Varianten mit Karotten und Walnüssen aus. Sie sehen, den Ideen sind keine Grenzen gesetzt.

Welche Maßnahmen stecken nun hinter dem Erfolg von verpacktem Brot, wenn alle doch so gerne vom frisch gebackenen Brot reden?

Ulrike Detmers: Die positiven Attribute wie Hygiene und Kleinverpackungen habe ich schon genannt, der Ideenreichtum in puncto Varianten kommt dazu. Und schließlich hat unser Brot Tradition, nicht nur in den Verzehrgewohnheiten, sondern auch in der Vermarktung. Kunst spielt dabei eine Rolle, wie Sie an den Sammler-Brotdosen sehen können.   

Das Thema Kunst zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben ebenso wie die Idee, soziale Auszeichnungen zu vergeben?

Ulrike Detmers: Sie sprechen wahrscheinlich „Managerin des Jahres“ oder „Spitzenvater des Jahres“ an. Das sind Auszeichnungen, die sich an unserem Firmenleitbild orientieren: Die Mestemacher-Gruppe orientiert unternehmerisches Tun am Gewinn und am Wohl interner und externer Menschen und wirtschaftet nachhaltig zugunsten der Gleichberechtigung der Geschlechter, der Verschiedenartigkeit der Menschen und des Schutzes der Natur. Für meine Familie und mich sind das wesentliche Ansichten eines Unternehmers.

Sie gelten im Allgemeinen als vermittelnde Person, wie auch Ihre Präsidentschaft im Verband der Deutschen Großbäckereien zeigt. Warum all diese Initiativen?

Ulrike Detmers: Für mich ist relevant, an der Innovationsfähigkeit der modernen Wettbewerbsgesellschaft mitzuwirken. Akteure der Innovationsfähigkeit sind Frauen wie Männer. Das männliche und das weibliche Geschlecht sollten - wenn es realistisch ist - paritätisch mitbestimmen. Power to the People!

Autor/in:
Gabriele Jiresch
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