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Paul Polman, CEO von Unilever

Unilever lässt Kraft Heinz abblitzen

20.02.2017

Das Übernahmeangebot des US-Konzerns ist Unilever zu niedrig. Aber auch aus strategischen Gründen hat der britisch-niederländische Lebensmittelproduzent das Angebot von Kraft Heinz zurückgewiesen. Nun hat der US-Ketchup-Hersteller das 143 Mrd. Dollar-Angebot zurückgezogen.

Eine Fusion beider Firmen mit Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Weight Watchers, Knorr, Lipton oder Dove wäre eine der größten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte gewesen. Entstanden wäre ein Konzern mit einem Umsatz von gut 82 Mrd. Dollar, der nahe am Schweizer Weltmarktführer Nestle mit 89 Mrd. Dollar herangerückt wäre.

Der britisch-niederländische Konsumgüterhersteller Unilever hat die Übernahmeofferte des US-Konzerns Kraft Heinz aber zurückgewiesen. Die 143 Mrd. US-Dollar (134,25 Mrd. Euro) waren zu wenig. Mit dem Angebot werde der Wert von Unilever deutlich zu niedrig eingeschätzt, teilte der Anbieter von Marken wie Knorr, Rama und Coral am Freitag mit. Das Angebot wurde aber auch aus strategischen Gründen abgelehnt. Für weitere Gespräche gebe es keine Grundlage. Nach Angaben von Unilever entspricht die angebotene Summe einem Aufpreis von 18 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs der Aktie vom Donnerstag.

Kraft wollte mit Unilever fusionieren, um einen auch auf lange Sicht wachsenden Konzern zu schaffen. Das US-Unternehmen war 2015 aus der Fusion des Nahrungsmittelherstellers Kraft und des Ketchup-Anbieters H.J. Heinz entstanden. Ein Zusammenschluss der Branchenschwergewichte hätte riesige Ausmaße. Unilever hatte zuletzt einen Börsenwert von etwa 112 Mrd. Britischen Pfund (131,59 Mrd. Euro), Kraft Heinz brachte es auf rund 85 Milliarden Pfund. Bei Anlegern sorgte die Nachricht für starke Reaktionen. Unilever-Aktien legten etwa an der Börse in Amsterdam zeitweise um fast zehn Prozent zu, während die von Kraft Heinz im vorbörslichen US-Handel um knapp fünf Prozent stiegen. Die Papiere von Konkurrenten wie etwa Mondelez gerieten hingegen unter Druck.

Kraft Heinz wird von der brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital kontrolliert, die mit dem Philadelphia- und Capri-Sonne-Hersteller und der Ketchup-Ikone 2015 zwei US-Traditionsmarken zusammengeführt hatte. Die Fusion hatte auch der Starinvestor und Multimilliardär Warren Buffett mit seiner Firma Berkshire Hathaway maßgeblich mit eingefädelt. Zuletzt war an den Finanzmärkten verstärkt über weitere gemeinsame Deals spekuliert worden. Im Dezember hatten bereits Gerüchte über eine Wiedervereinigung von Kraft Heinz mit dem Oreo- und Milka-Hersteller Mondelez kurzzeitig für Aufregung an der Börse gesorgt. 2012 hatte sich der damalige Kraft-Konzern unter dem Druck von Investoren aufgespalten. Das Snack- und Süßwarengeschäft sowie das Lebensmittel-Geschäft außerhalb Nordamerikas waren zu Mondelez ausgelagert worden. (apa/wf/ar)

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