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dm plant die Freigabe rezeptfreier Arzneimittel ein drittes Mal beim Verfassungsgerichtshof einzubringen

Verkauf rezeptfreier Arzneimittel: dm nimmt zum dritten Mal Anlauf

16.01.2018

Die Drogeriekette dm hat einen weiteren Anlauf zum Verkauf rezeptfreier Medikamente in ihren Filialen angekündigt. Die Apotheken halten dagegen, dass nur sie die Kunden wie im Gesetz vorgeschrieben beraten könnten und dank ihrer Expertise Sicherheit bei der Verwendung von Arzneimitteln gegeben ist. Sie auch davon überzeugt, dass die Preise durch die Liberalisierung kaum sinken würden.

dm drogeriemarkt ist zwei Mal aus formalen Gründen beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) mit seinem Wunsch abgeblitzt, rezeptfreie Medikamente verkaufen zu dürfen. Innerhalb der kommenden drei Monate soll ein weiterer Anlauf genommen werden. Die heimischen Apotheken stehen dem ablehnend gegenüber. Die Diskussion sei auf die wirtschaftlichen Folgen einer Liberalisierung rezeptfreier Medikamente (OTC) fokussiert, dabei seien diese klein, sagte Jürgen Rehak, Präsident des Apothekerverbands, unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS).

Keine breitere Versorgung?

Erfahrungen anderer Länder mit der Liberalisierung zeigten, dass die Freigabe des Verkaufs ausgewählter rezeptfreier Medikamente, um die es auch bei dm geht, weder zu einer breiteren Versorgung noch zu fallenden Preise führe, meint Rehak. Nur in Ballungsräumen mit vielen Menschen gebe es dann mehr Verkaufsstellen - dafür weniger am Land. Obwohl Rehak nur von geringen wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Freigabe spricht, warnt er: Sollte die Liberalisierung mit dem Verkauf besonders lukrativer rezeptfreier Medikamente kommen, dann könnten die Apotheken den Nachtdienst nicht mehr finanzieren. Dann wäre eine öffentliche Subvention dafür nötig. In Dänemark gebe es das bereits. Die Nachtdienste würden die heimischen Apotheken etwa 30 Mio. Euro im Jahr kosten.

Privatverkauf sehr gewinnbringend

Etwa zwei Drittel ihres Umsatzes (2,7 Mrd. Euro) machen die heimischen Apotheken mit kassenpflichtigen Arzneimitteln, bei denen die Krankenkassen den Preis vorgeben, ein Drittel (1,3 Mrd. Euro) mit anderen Produkten. Von diesen 1,3 Mrd. Euro entfallen 400 bis 450 Mio. Euro auf rezeptfreie Medikamente (OTC/"Over The Counter"). Der Rest reicht von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminen über Kosmetika bis zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, die billiger sind als der Selbstbehalt und deshalb von den Kunden direkt bezahlt werden. Im "Privatverkauf" wird zwar nur ein kleiner Teil des Umsatzes gemacht, aber der Löwenanteil des Gewinns. Denn die Margen bei den kassenpflichtigen Produkten sind sehr gering.

OTC-Produkte im Versand erhältlich

Was es derzeit (noch) nicht bei dm gibt, lässt sich aber schon ganz leicht online bestellen. Ein wachsendes Thema bei den Medikamenten ist mittlerweile der Versandhandel. In Deutschland entfallen darauf schon 10 bis 14 Prozent des Umsatzes, in Österreich schätzt Rehak den Anteil nur auf drei bis fünf Prozent. Tendenz aber sicherlich steigend. (apa/ar)

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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