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Marko Schuster (Mondi), Martina Hörmer (Ja! Natürlich.), Georg Dieter Fischer (Propak), Andreas Blaschke (Mayr-Melnhof Packaging)

Verpackungen aus Papier und Karton: Nachhaltig hoch drei

19.06.2019

Die Verpackungsbranche präsentierte die Wirtschaftsdaten 2018 und ihre Nachhaltigkeits-Charta.

Propak, der Fachverband von rund 100 Herstellern von Produkten aus Papier und Karton, zieht erfolgreich Bilanz: Die Mitgliedsbetriebe mit knapp 9.200 Mitarbeitern veredelten im Geschäftsjahr 2018 in Österreich 1,2 Millionen Tonnen Papier und Karton zu hochwertigen Produkten und Verpackungen mit einem Wert von 2,4 Milliarden Euro – gegenüber dem Jahr 2017 ist das ein Plus von 3,3 Prozent (in Tonnen) und wertmäßig ein Zuwachs von +3,6 Prozent.

Wichtiges Thema Verpackung

Im Vergleich der Produktgruppen stehen Verpackungen mit 49 Prozent des gesamten Produktionswerts an erster Stelle. Dazu zählen Wellpappe/-Verpackungen, Faltschachteln, flexible und sonstige Verpackungen im Wert von 1,15 Mrd. Euro. Die weiteren Produktgruppen sind Papierwaren für Hygiene und Haushalt, Büro- und Organisationsmittel und sonstige Papierwaren, wie Etiketten, Bücher, Spielwaren, Tipping Paper und Rollen/Hülsen. Sie erzielen einen Produktionswert von € 1,2 Mrd. 

Stark im Export

„Die Exportquote der Propak liegt bei 74 Prozent und ist damit die tragende Säule des Wachstums unserer Branche“, sagt Propak-Obmann Georg Dieter Fischer. Das bedeutet, dass 3 von 4 Euro von Propak Unternehmen im Ausland erwirtschaftet werden.

Öko-Musterschüler

Der Einsatz nachwachsenden, biologisch abbaubaren Rohmaterials, die breite Verwendung von Recyclingmaterial und die emissionsarme Produktion machen Propak zur Kreislaufindustrie par excellence. So beträgt etwa die Recyclingquote von Verpackungen aus Papier und Karton in Österreich knapp 90 Prozent und liegt damit schon heute klar über dem EU-Ziel von 75 Prozent für das Jahr 2025. Ein weiterer Grund, der für nachhaltige Produkte aus Papier und Karton spricht: Papierfasern sind wertvoller Sekundärrohstoff und können heute mehr als 25 Mal recycelt werden. 

Verpackungsbewusste Konsumenten

Drei Viertel aller Konsumenten greifen zu Produkten, die ökologisch verpackt sind. „Gefragt sind heute neue Verpackungen, die etwa Lebensmitteln Schutz und Stabilität bieten und sich zugleich einwandfrei recyceln lassen,“ berichtet Andreas Blaschke, Obmann-Stellvertreter Propak und Vorstand Mayr-Melnhof Packaging International.

Ja! Natürlich: Green Packaging

Eine starke Marke, die seit vielen Jahren Verpackungen schrittweise auf nachhaltigere Alternativen umstellt, ist Ja! Natürlich. Geschäftsführerin Martina Hörmer bestätigt: „Die Verbrauchereinstellung gegenüber Nachhaltigkeit im Lebensmittelhandel hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert und die Verpackung ist derzeit im Fokus unserer Kunden. An uns als Bio-Marke sind die diesbezüglichen Konsumenten-Erwartungen besonders hoch. Daher arbeiten wir bereits seit 2011 an Green Packaging Lösungen und haben uns beispielsweise für den Bereich Obst und Gemüse das ambitionierte Ziel gesetzt, uns bis zum Ende des Jahres von zuletzt mehr als 75 Prozent auf 100 Prozent lose oder umweltfreundlicher verpackte Produkte zu steigern. Und auch in anderen Produktkategorien bringen wir laufend Verpackungsalternativen: So haben wir kürzlich die Ja! Natürlich-Käseverpackung in der Feinkost auf Papiertassen umgestellt. Damit konnte der CO2-Fußabdruck im Vergleich zur bisher verwendeten Plastiktasse um rund zwei Drittel reduziert werden. Für das naturbraune Papier wird heimisches Holz verwendet und auch die Fertigung der Verpackung erfolgt zur Gänze in Österreich. So können Transportwege minimal und die Wertschöpfung in Österreich gehalten werden.“

Medienthema Verpackung

Vieles ist heute durch EU-Verordnungen reglementiert – die Verpackungen sind es nicht. Grundsätzlich hält sich die Branche an das Prinzip „So wenig Verpackung wie möglich, so viel wie notwendig“. Wo Plastikverpackungen problemlos auf Karton umgestellt werden können wird dies auch getan; derartige quick wins lassen sich überall dort realisieren, wo Ware händisch verpackt wird.

Ganz ohne das „böse“ Plastik geht es aber nicht, wenn Barrierefunktionen – zum Beispiel gegenüber Flüssigkeiten, Fett, aber auch Sauerstoff – gefragt sind. So benötigt auch die Ja! Natürlich-Käseverpackung eine Folie auf dem Karton. „Die kann man aber besonders dünn halten.“ ergänzt Marko Schuster, Director Technical Films beim Folienspezialisten Mondi. „Zusätzlich kann man die Haftung der Folie auf dem Karton oder Papier derartig minimieren, dass die Gesamtverpackung leicht recyclebar ist.“

Wenig Verpackung ist aber auch kein isoliertes Einzelziel: Macht man den Karton einer Zahnpasta dünner, so muss die Kunststofftube im Inneren stabiler sein – hier gilt es immer abzuwägen, ob es um das Gesamtgewicht der Verpackung oder besondere Einzelziele wie Schutz des Inhaltes geht.

Attraktive, stabile Arbeitgeber

Erfreulich ist, dass die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2018 um knapp ein Prozent auf 9.185 angestiegen ist. Und die Branche hat weiterhin einen hohen Bedarf an Fachkräften und jungen Talenten, die sie zu einem großen Teil selbst ausbilden muss, da der Arbeitsmarkt nur wenige Bewerber mit fachspezifischen Kenntnissen anbietet. Aktuell werden 233 Lehrlinge in 25 Berufen ausgebildet.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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