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Verteidigung gegen den Online-Handel

28.08.2017

Der Onlinehandel setzt heimische Unternehmen unter Druck. Arbeitnehmervertreter AK und GPA, sowie WKÖ fordern mehr Weiterbildung für Handelsangestellte, faire Spielregeln für Onlinehändler, besonders was Steuern anbelangt. 

Die Umsätze des Distanzhandels, dazu zählen Internet-und Versandthandel, sowie Teleshopping machen hierzulande aktuell 6,8 Milliarden Euro aus. Mehr als die Hälfte davon fließt ins Ausland. "Legale Steuervorteile setzen den heimischen Handel extrem unter Druck. Steuerfreigrenzen, die Billigwaren in die EU schleusen, müssen auch bei uns endlich abgeschafft werden", so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Vor allem Klein und Mittelbetriebe und nachrangige Einkaufsstraßen sind davon betroffen und zum Handeln aufgefordert.

Eroberung des Onlinehandels

Rund zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze werden zur Zeit im Internet getätigt. Dieser Anteil könnte sich in den nächsten zehn Jahren auf 15 Prozent erhöhen, erklärt Christoph Klein, Direktor der Arbeiterkammer Wien. Genau deswegen müssen besonders Klein und Mittelbetriebe den Onlinehandel erobern, sind sich die Vertreter der AK und der Gewerkschaft für Privatangestellte (GPA) einig.

Damit der stationäre Handel Online Marktanteile erobern kann, braucht es Initiativen von Einzelhandelsunternehmen. Die Gründung von lokalen bzw. regionalen Online-Plattformen, wäre von den Sozialpartnern besonders gewünscht. Diese könnten sowohl für den Produkt- bzw. Händlervergleich und Verkauf, aber vor allem zur Präsenzsteigerung von KMUs genützt werden. AK und GPA wünschen sich dafür vor allem eine Unterstützung der Gemeinden, sowie einen Ausbau der IKT-Infrastruktur. Ein Beispiel für so eine Plattform wäre der Online-marktplatz „shöpping.at“, der Post.  Sie will österreichischen Händlern eine Alternative zu Amazon, Zalando, Ebay und co. bieten, läuft bis jetzt aber eher unter den Erwartungen.

Die WKÖ-Bundessparte Handel hat schon länger das Ziel heimische Unternehmen den Gang ins Internet zu erleichtern. Laut Handelsgeschäftsführerin Iris Thalbauer bietet die WKÖ zahlreiche Services zur Weiterbildung in Sachen Internethandel, wie etwa die Roadshow „Handel goes WWW“, die Händler dafür begeistern soll eine eigene Website zu gründen.

Weiterbildung ist das A und O

Die Digitalisierung des Handels hat aber nicht nur auf die Unternehmen direkte Auswirkungen. Laut einer Trendanalyse (FORBA) im Auftrag der AK besteht die Chance, dass bis 2020 einerseits 6 000 – 8 000 neue Jobs im digitalen Bereich entstehen. Die Kehrseite der Medaille: 2-4 Prozent der traditionellen Handelsjobs sind gefährdet.

Um Arbeitsplätze zu sichern fordert die Gewerkschaft deswegen mehr Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Angestellte. Erste Schritte gibt es bereits. Etwa den neuen Einzelhandels-Lehrberuf „Medienfachfrau/-mann“, oder der neue Ausbildungsschwerpunkt „Digitaler Verkauf", der Einzelhandelslehrlingen zur Wahl steht. Dennoch fehlt es an innerbetrieblichen Maßnahmen – ein leichterer Zugang zu Bildungskarenz oder Bildungsteilzeit, bezahlte Freistellungen, sowie E-Learning Tools sind dringend notwendig.

Forderungen an die Politik

Kritik an der Politik setzt es vor allem in Punkto Steuern. Durch die die unterschiedlichen Gewinnsteuern die zwischen stationären und Online-Handel anfallen entsteht eine Wettbewerbsverzerrung. Das Problem: Amazon etc. müssen keine Gewinnsteuern abführen, weil sie in Österreich keine offizielle Betriebsstätte haben, die eine Grundlage dafür bieten würde. Damit wieder „gleiche Spielregeln“ gelten, bestehen die Arbeitnehmervertreter auf die Neudefinierung des Begriffs, der die Besonderheiten des Online-Handels berücksichtigt. Ein weiterer Punkt für den die Sozialpartner einstehen, ist der Einsatz von mehr Kontrollorganen über den tatsächlichen Eingang der Umsatzsteuer von Onlinehändlern.

Neben der den steuerlichen Angelegenheiten, wäre die schon länger diskutierte Arbeitszeitflexibilisierung für AK, GPA und WKÖ selbstverständlich ein wichtiger Schritt um den Handelsbetrieben zu ermöglichen in einer digitalen Welt mitzuhalten.

Trotz viel Pessimismus steht eines fest: Der stationäre Handel wird aber auch künftig seine zentrale Bedeutung beibehalten. Denn mit den Vorteilen die ein echtes Geschäft bietet (Beratung, testen, mit eignen Augen sehen etc.) kann keine Internetseite mithalten. 

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