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Vertrauen in die Wirtschaft auf Rekord-Tief

30.05.2008

Finanzkrisen und globaler Preisanstieg hinterlassen deutliche Spuren: Erstmals seit Durchführung der Studie "Nielsen Global Online Consumer Confidence" ist der weltweite Indexwert für das Vertrauen der Verbraucher in die Wirtschaft um sechs Punkte gesunken. Das ergab die aktuelle Welle der Studie, bei der Nielsen mehr als 26.000 Internet-User aus 51 Ländern befragt hat.

Das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaft befindet sich weiter im Sinkflug. Ist der Wert von Mai bis November 2007 bereits um drei Punkte gesunken, so hat sich der Index von November 2007 bis Mai 2008 um nochmals sechs Punkte verschlechtert. Auch Österreich folgt diesem Trend mit einem Rückgang von 92 auf 87 Punkte und liegt damit knapp unter dem weltweiten (88), aber spürbar über dem europäischen Schnitt (83). Generell ist dieser starke Abstieg in Österreich die Fortsetzung eines Trends, der seit dem zweiten Halbjahr 2006 stetig nach unten zeigt.

Starke regionale Unterschiede
Regional betrachtet fiel das Konsumentenvertrauen in Nordamerika USA-bedingt mit einem Minus von 16 Punkten erwartungsgemäß sehr stark, während in Europa der Wert um 6 Punkte auf 83 zurückging. Mit 3 bzw. 2 Punkten fielen die Rückgänge für Asien und die neuen Märkte sowie Lateinamerika deutlich geringer aus.

Der negative Trend der letzten sechs Monate war in 39 der insgesamt 51 untersuchten Länder spürbar, am stärksten jedoch in Neuseeland (Minus 18), den USA und Litauen (jeweils Minus 17). Insgesamt war der Rückgang in 15 Ländern im zweistelligen Bereich. "Selbst wenn das Land selbst sich offiziell nicht in einer Rezession befindet, gibt es einen Schneeballeffekt rund um die Finanzkrise in den USA sowie die Preissteigerungen. Die Konsumenten nehmen internationale Krisen aufgrund der starken globalen Verflechtung auch als Krise im eigenen Land wahr", erläutert Martin Prantl, Geschäftsführer Nielsen Österreich, den Stimmungsumschwung näher.

In Westeuropa fiel der Indexwert am stärksten in Spanien (Minus 16), wo auch die lokale Immobilienkrise ihren Einfluss hatte, ebenso in Großbritannien (Minus 15).

Konsumenten befürchten globale Rezession
Weltweit denkt mehr als die Hälfte der Konsumenten, ihr Land befinde sich in einer Rezession. In Österreich glauben 41 %, dass die lokale Wirtschaft nicht wächst. Österreich befindet sich damit im europäischen Mittelfeld. Bei unserem Nachbar Italien und Ungarn, aber auch in Spanien, Portugal und in Frankreich ist die Einschätzung deutlich pessimistischer, in diesen Ländern glauben 80 % der Befragten und mehr an eine lokale Rezession. Die nordischen Länder und die Schweiz hingegen sind deutlich optimistischer als wir. "Die internationalen Berichte über die Subprime Krise und Preiserhöhungen heizen die Rezessionsängste unabhängig von der Wirtschaftslage des eigenen Landes an, dennoch sind die Ängste lokal äußerst unterschiedlich.", analysiert Martin Prantl die divergierenden Ergebnisse.

Gute Job-Aussichten
Auch wenn das Vertrauen in die Wirtschaft nachlässt, schätzen die Österreicher ihre persönlichen Aussichten recht positiv ein. Knapp zwei Drittel glauben, dass sich ihre Job-Chancen in den nächsten zwölf Monaten gut bis exzellent entwickeln werden. Hier gibt es keine spürbare Veränderung zum Herbst 2007. Im weltweiten Vergleich liegt Österreich damit über dem Schnitt: Global glauben nur 42 % an eine gute Entwicklung. In Europa befindet sich Österreich im Mittelfeld, die am meisten optimistischen Europäer sind die Norweger (94 % positiv), gefolgt von den Dänen (84 %) und Schweizern (70 %). Unsere deutschen Nachbarn schätzen ihre Job-Aussichten wenig positiv ein (40 %). Die größten Pessimisten in Europa sind die Portugiesen (93 % denken, sie haben schlechte oder nicht so gute Job-Chancen) und die Ungarn (85 % mit negativen Job-Chancen).

Finanzielle Lage verschlechtert sich
Auch bei der persönlichen finanziellen Lage überwiegt zwar nach wie vor die positive Einschätzung, die Stimmung hat sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings deutlich verschlechtert. Damals haben noch 56 % der Österreicher ihre persönlichen Finanzen in den nächsten zwölf Monaten rosig gesehen, heuer sind es nur mehr 49 %. 39 % gehen mittlerweile davon aus, dass die persönlichen Finanzen in den nächsten Monaten nicht so gut sein werden (Nov. 07: 35 %). 12 % denken, dass sich ihre Lage verschlechtern wird (Nov. 07: 11 %). Dazu Martin Prantl: "Einen wesentlichen Einfluss haben die für die Konsumenten unmittelbar spürbaren Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln sowie Energie." International hat sich die Einschätzung der persönlichen finanziellen Lage weniger stark verändert. Im Herbst 2007 haben 56 % der Konsumenten weltweit ihre finanzielle Lage als gut eingeschätzt, heuer sind es 52 %. Auch bei der finanziellen Lage zählen die Skandinavier zu den europäischen Optimisten. Hier führen die Dänen (79 %) vor den Norwegern (75 %) und den Niederländern (69 %). Das negative Ranking in Europa führen auch hier die Portugiesen (76 % schätzen ihre persönlichen Finanzen schlecht ein) und die Ungarn (71 % negativ). Die weltweit größten Pessimisten sind die Japaner mit 87 % negativen Einschätzungen.

Schlechte Zeiten für persönliche Anschaffungen
Passend zur schlechteren Einschätzung der finanziellen Lage denken 76 % der Österreicher, die nächsten zwölf Monate seien keine so gute Zeit, sich Dinge zu kaufen, die man haben möchte oder braucht. Damit sind die Österreicher im internationalen Vergleich eher pessimistisch eingestellt. Global liegt der Wert der negativen Einschätzung bei 67 %, in Europa bei 71 %. Weltweit zählen auch in diesem Bereich die Norweger (59 % denken, die nächsten zwölf Monate seien eine gute Zeit, sich Dinge zu kaufen, die man haben möchte oder braucht) vor den Dänen (55 % positiv) und den Polen (49 %) zu den Optimisten.

Die Studie
Die Nielsen Online Consumer Confidence and Opinion Studie ist die größte halbjährliche Erhebung dieser Art. Sie erfasst das Vertrauen der Konsumenten in die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, ihr Ausgabeverhalten und beabsichtigte Anschaffungen sowie die größten Ängste und Sorgen. Im Rahmen der aktuellen Studie wurden im April und Mai 2008 über 26.000 Internet-User aus den folgenden 51 Ländern befragt: Argentinien, Australien, Ägypten, Belgien, Brasilien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Israel, Japan, Kanada, Kolumbien, Korea, Lettland, Litauen, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Pakistan, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Singapur, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Taiwan, Thailand, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn, USA, Venezuela, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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