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Bei der Studien-Präsentation (v. l.): Ross King, Massimo Gentilini und Rainer Will

Was bedeutet die Blockchain für den Handel?

16.04.2018

Für den Handelsverband und die Wirtschaftsauskunftei CRIF hat sich das Austrian Institute of Technology (AIT) mit der Blockchain im Zusammenhang mit dem Handel befasst, vor allem im Hinblick auf mehr Transparenz und eine bessere Rückverfolgbarkeit.

Beschaffungsprozesse verändern sich rasant und die Blockchain ist in aller Munde. Aber was ist die Blockchain überhaupt? In Kürze gesagt, ist die Blockchain, die übersetzt Block-Kette heißt, eine Datenbank. Am Anfang steht der „Schöpfungsblock“, alle weiteren Blöcke mit Informationen  (über was auch immer) werden dann chronologisch dahinter angehängt. Das Konzept stammt von einem gewissen Satoshi Nakamoto (ein Pseudonym) für die virtuelle Währung Bitcoin. Die Idee dahinter ist so etwas wie ein gemeinsames, öffentliches Kassabuch für alle Nutzer, wo nur neue Einträge hinzugefügt werden können und man ältere Einträge weder löschen noch ändern kann. Sozusagen ein webbasiertes, dezentrales, öffentliches Buchhaltungssystem aller Bitcoin-Transaktionen, das natürlich auch für andere Kryptowährungen funktioniert.

Lieferkette mit vielen Akteuren

Große IT-Konzerne haben diese Blockchain-Technologie schon längst für sich entdeckt und entwickeln derzeit verschiedene Softwaresysteme. Auch den Handel, im speziellen das Supply-Chain-Management, könnte die Blockchain-Technologie revolutionieren. In einer Lieferkette haben immerhin viele Akteure, die einander nicht unbedingt vertrauen, miteinander zu tun. Ein Team des AIT Austrian Institut of Technology, unter der Leitung von Ross King, hat daher im Auftrag von CRIF und dem Handelsverband untersucht, wie Blockchain im  Supply-Chain-Management eingesetzt werden kann.

Verzeichnis aller Transaktionen

Der grundsätzliche Mehrwert der Blockchain in der Lieferkette besteht darin, dass ein unveränderbares Verzeichnis aller Aspekte einer Transaktion geschaffen wird – von der Herkunft des Rohstoffs über die Verarbeitung bis zur Verpackungshistorie. Dieses Verzeichnis kann ein neues Fundament für Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Vertrauen schaffen. "Die Crux liegt im Detail. Natürlich kann die Blockchain das Supply-Chain-Management oder auch die Kreditwürdigkeitsbewertung verbessern. Das zentrale Problem ist jedoch die Schnittstelle zwischen der physischen und der digitalen Welt", sagt Massimo Gentilini, Blockchain-Experte der Wirtschaftsauskunftei CRIF.

Zentrale Datenbanklösung geht genauso

So muss jeder Vorgang von einem Menschen oder einer Maschine außerhalb der Blockchain protokolliert werden, erst dann kann er in der Blockchain unveränderbar und nachvollziehbar festgehalten werden. Wenn man diesen Einheiten (Menschen oder Maschinen) außerhalb der Blockchain ohnehin vertrauen kann, dann bräuchte man in vielen Fällen eigentlich gar keine Blockchain. "Oft würde eine zentrale Datenbanklösung mit gemeinsamen Lese- und Schreibrechten ausreichen. Wenn man umgekehrt den externen Einheiten nicht vertrauen kann, dann kann leider auch die Blockchain das Vertrauensproblem nicht lösen", so Gentilini.

Routineprozesse verselbstständigen

Eine Applikation der Blockchain-Technologie besteht in der potentiellen Automatisierung einzelner Prozessschritte des Wirtschaftsgeschehens. Verantwortlich dafür sind im Vorhinein programmierte Smart Contracts: So könnte das Eintreffen eines Produkts an einem bestimmten Ort automatisch weitere Verarbeitungsschritte auslösen. Routineprozesse könnten auf diese Weise selbstständig ablaufen. "Die technologischen Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig, der rechtliche Rahmen für Smart Contracts ist jedoch noch nicht geklärt. Daher ist Vorsicht geboten“, erklärt Studienautor King.

Gezielte Einschränkung der Daten

Die in der Studie untersuchten Anwendungsfälle setzen auf sogenannte "Permissioned Blockchains". Bei diesen können – im Gegensatz etwa zu Bitcoin – bewusst nur bestimmte Akteure teilnehmen, wodurch der Zugang zu den Daten gezielt eingeschränkt werden kann. Das ist laut Studie auch sinnvoll, da in manchen Fällen zu viel Transparenz Mitbewerbern Wettbewerbsvorteile verschaffen könnte. Andere Entwicklungen setzen auf offene Blockchains als "Infrastruktur", um darauf aufbauend Geschäftsprozesse abzubilden, die anonym durchgeführt werden sollen.

Veränderung, wie einst beim Internet

Was die Potenzialanalyse betrifft, ist eines ganz klar ersichtlich: Die Österreicher brauchen noch mehr und vor allem leichter verständliche Informationen, um das Potenzial der Blockchain wirklich einschätzen zu können (42%). Bereits mehr als ein Drittel ist aber überzeugt davon, dass die Blockchain innerhalb der nächsten 10 Jahre die heimische Wirtschaft ähnlich stark verändern wird, wie einst das Internet. "Jede Entwicklung braucht mutige Pioniere, die auch mal bereit sind, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Obwohl die Blockchain-Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es bereits viele spannende Use Cases und Anwendungen – auch in Österreich, wie beispielsweise der Handel mit Bio-Garnelen bei Hofer. Jetzt ist die Zeit, innovative Pilotprojekte zu starten, um in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil zu haben", appelliert Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will an die heimischen Handelsunternehmen, sich intensiv mit der Blockchain-Technologie zu beschäftigen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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