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Aufgrund der Inflationsrate von 3,4 Prozent bei Lebensmitteln und Getränken konnten die Händler 2013 im vierten Jahr in Folge kein reales Wachstum verbuchen.

Was es wiegt, das hat’s

22.07.2014

Die Handelszeitung recherchierte die Nielsen-Kennzahlen für den Lebensmittel- und Drogeriefachhandel. Teilweise überraschen die Ergebnisse, teilweise sind sie lückenhaft.

Jedes Jahr auf’s Neue erhebt das Marktforschungsins­titut Nielsen die Kennzahlen des heimischen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) sowie des Drogeriefachhandels (DFH). Und gibt danach nur einen Teil davon bekannt. Kommen wir zu den offiziellen Zahlen: Während im LEH (inklusive Diskonter) die Anzahl der Geschäfte von 5626 (2012) um 0,5% auf 5598 (2013) zurückging, stieg der Gesamtumsatz um 3,1% auf insgesamt 18,69 Mrd. €.
Aufgrund der Inflationsrate von 3,4% bei Lebensmitteln und Getränken konnten die Händler 2013 im vierten Jahr in Folge kein reales Wachstum verbuchen.

Wachstumstreiber waren insbesondere die Supermärkte (Verkaufsfläche 400 bis 999 Quadratmeter), die mit einem Umsatzplus von 3,5% rund 43,5% des LEH-Gesamtumsatzes generierten und damit das wichtigste Shop-Format für die Österreicher bleiben. Daneben legten auch die Verbrauchermärkte (Verkaufsfläche ab 1000 Quadratmeter) mit 3,3% überproportional zu. Diese beiden Vertriebsschienen zeigten auch die größte Expansionsbereitschaft: Die Supermärkte eröffneten im letzten Jahr 44 und die Verbrauchermärkte zwölf neue Geschäfte. Zuzüglich der sechs neuen Standorte der Harddiskonter, wuchs die Gesamtverkaufsfläche im Lebensmittel­einzelhandel um 1,2% auf insgesamt 3,2 Mio. Quadratmeter.

Anteile der Handelsorganisationen
Über die Marktanteile der Handelsorganisationen macht Nielsen keine Angaben. Wir haben sie trotzdem: Rewe International konnte mit den Vertriebsschienen Billa, Merkur, Penny und Adeg den Gesamtmarktanteil im Vorjahr mit 35,1% stabil halten. Spar (inkl. Eurospar, Interspar und Maximarkt) knackte erstmals die 30-Prozent-Marke und verbesserte sich von 29,9 auf 30,1% Marktanteil. Diskonter Hofer konnte ebenfalls leicht zulegen, und zwar von 18,7 auf 18,9% und bleibt damit – heruntergebrochen auf die einzelnen Vertriebsmarken – die Nummer 1 im österreichischen LEH vor Billa mit ca. 18% Marktanteil. Das ist umso bemerkenswerter, als Hofer (444) nicht einmal halb so viele Filialen wie Billa (1010) betreibt. Der Marktanteil von Markant (Nah&Frisch, Unimarkt, Zielpunkt) fiel von 7,9 auf 7,4%. Diese 7,4% Markant-Marktanteil werden wiederum hauptsächlich von Pfeiffer (3,3%) und der zu Pfeiffer gehörenden Supermarktkette Zielpunkt (2,9%) generiert – und beide Bereich sind leicht rückläufig. Lidl legte von 4 auf 4,1% zu, und der übrige LEH blieb mit 4,4% Marktanteil unverändert.

In den von Nielsen regelmäßig erhobenen Warengruppen wuchs der Lebensmittelbereich auch im Jahr 2013 weiter (plus 1,9%). Dabei erfreuten sich vor allem die Eigenmarken der Händler zunehmender Beliebtheit: Ihr Anteil wurde um 0,9 Prozentpunkte auf 18,4% (ohne Hofer/Lidl) ausgebaut. Umsatzstärkster Sortimentsbereich bei den Lebensmitteln waren 2013 die Molkereiprodukte mit knapp zwei Milliarden Euro. Zum allgemeinen Wachstum trugen insbesondere Reformprodukte und Gesundheitsmittel mit plus 8% und Babynahrung mit plus 7,6% bei. Im Gegensatz dazu stagnierte der Drogeriewaren-Bereich: Das Umsatzplus bei Heimtierprodukten, Mundpflege und Gesundheit konnte die Verluste bei Körperpflege- und Hygienepapierprodukten kaum ausgleichen. Letztere bleiben trotz des Minus die umsatzstärksten Sortimentsgruppen. Der Anteil der Eigenmarken blieb bei den Drogerieartikeln nahezu unverändert. Allerdings setzten Hersteller und Händler insgesamt über alle Warengruppen hinweg stärker auf Promotion-Aktionen: Die Umsätze, die aufgrund von Promotion-Aktionen generiert wurden, stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte auf nun 31,9% an.


Drogeriefachhandel im Umbruch
Kein Stein auf dem anderen blieb im Drogeriefachhandel (DFH): Durch die Schließungen der dayli-Filialen halbierte sich die Anzahl auf 992 Standorte. Davon entfallen aktuell 612 auf Bipa und 380 auf dm. Müller wird erst ab dem Jahr 2015 in die Nielsen-Erhebung miteinfließen, daher ist das aktuelle Bild verzerrt: Die 1,6 Mrd. € Umsatz (-?3,3%), die für das Jahr 2013 von Nielsen ausgewiesen werden, sowie die 992 Standorte stellen nicht den kompletten DFH dar. Müller hat nach eigenen Angaben in Österreich 66 Standorte und erwirtschaftete im Vorjahr einen Umsatz von 349 Mio. €.
Neben Bipa und dm hat mit Sicherheit auch Müller von der dayli-Pleite profitiert, innerhalb eines Jahres hat sich fast der komplette ehemalige dayli-Umsatz auf die drei verteilt.

MAX POHL

m.pohl@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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