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Wein, Sekt und Spirituosen

25.10.2007

Wein aus Österreich. Im internationalen Umfeld behauptet sich die Heimat sehr gut.

Bereits seit einem Jahr wird in Europa heiß diskutiert: Beim Wein werden Überschüsse produziert, denen mit gesamteuropäischen – manche meinen dirigistischen – Maßnahmen begegnet werden soll. Noch ist eine Lösung aber nicht „ausgegoren“.
Schon seit Ende 2006 im Rahmen des WTO die Bedingungen des weltweiten Weinmarktes neu definiert wurden, rauchen in den europäischen Weinbauverbänden die Köpfe, wie denn die kontinentale Weinproduktion konkurrenzfähig bleiben könne. Es wird geschätzt, dass etwa 10% der Welt-Weinproduktion Überschüsse sind, für die es kaum Verwertungsmöglichkeiten gibt. Indem nun Weine aus der „Neuen Welt“, aber auch aus anderen Ländern einen vereinfachten Zugang auf den Markt der EU erhalten haben, soll der europäische Weinmarkt neu geordnet werden.
Wein-Wellen schlagen hoch
In Frankreich drohte vor einigen Monaten eine radikale Gruppe namens CRAV (Comité régional d’action viticole) dem neuen Präsidenten gar mit Anschlägen, sollte es nicht zu einer Erhöhung der Traubenpreise kommen. Besonders im Süden des Landes scheinen viele Weinproduzenten vom Ruin bedroht. Nun ist Gewalt sicher keine Lösung, Traubenpreise von 12 Cent sind aber auch keine wirtschaftliche Basis. In diesem Zusammenhang stellt sich aber eine Grundsatzfrage der gesamten Diskussion um die neue Weinmarktordnung: Geht es um Qualität oder Quantität? Massenweine aus dem Süden, wo die Natur die Reben nur allzu üppig wachsen lässt und man von qualitätsfördernden Maßnahmen wie Ausdünnen nicht viel hält, sind oft so schlecht, dass sie nur mehr destilliert werden können, oder aber man macht bereits aus dem Most ein Konzentrat – das so genannte RTK (Rektifiziertes Traubenmostkonzentrat).
Ansichten und Ansätze
In den Weinbauzonen A und B (den mitteleuropäischen Ländern) ist der Zusatz von Zucker oder Traubendicksaft zur Vergärung des Mostes in manchen Jahren üblich, manche meinen erforderlich. Nun soll Saccharose (also Rübenzucker, von manchen Wein-Insidern „die Sonne von Tulln“ genannt) im europäischen Weinbau verboten werden. Dies soll gewissermaßen als Gegengeschäft geschehen: Während die nördlichen Länder dagegen Sturm laufen, wollen die südlichen Länder der Abschaffung der Destillation und der Förderung von Traubenmostkonzentrat – zwei weiteren Maßnahmen der geplanten Neuordnung – nur zustimmen, wenn das Aufzuckerungsverbot kommt.
Der größte Brocken ist aber zweifellos die vorgesehene Rodung von 200.000 (5% der gesamteuropäischen Weinbaufläche) Hektar, für die ein Förderungssystem entwickelt wurde.

In diesem Zusammenhang befürchten manche, dass es zu einer „Industrialisierung“ des Weinbaus kommen könne. Winzer könnten die Rodungsprämien für ihre Hanglagen kassieren (zwischen 7.714 €/ha im ersten Jahr und 2.938 €/ha im fünften Jahr) und später in einfacher zu bewirtschaftenden Lagen in der Ebene neu auspflanzen, was ebenfalls möglich sein soll, weil geplant ist, auch das System der Pflanzrechte auslaufen zu lassen. Sicher ist: Diese brisante Frage wurde beim letzten Treffen der EU-Landwirtschaftsminister wieder nicht entschieden.
Der Wein aus Österreich definiert sich heute als handwerkliches Produkt mit Ursprungscharakter – mit dieser auch international höchst erfolgreichen Positionierung werden die guten heimischen Produzenten von der neuen europäischen Weinmarktordnung nur peripher berührt werden – wenn sie denn einmal kommt. Damit sei frühestens im nächsten Jahr zu rechen, erklärt Susanne Staggl von der Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft.
2007 – Ein Jahr des Winzers
Der Witterungsverlauf im Jahr 2007 – heißer Sommer, regnerischer Septemberbeginn – macht aus dem Weinjahr 2007 ein Jahr des Winzers: Sorgfältige Weingartenarbeit und Verarbeitung der Trauben im Weinkeller sind die Schlüssel zum Erfolg.

Die außergewöhnliche Witterung des Weinjahres 2007 hat zu hohem Arbeitsaufwand in Österreichs Weingärten geführt. Die Wahl des richtigen Erntezeitpunktes in Bezug auf Zuckerreife und phenolische Entwicklung ist auch heuer wieder ausschlaggebend und strapaziert die Nerven der Winzer.
Auch wenn das Weinjahr 2007 mit erhöhtem Arbeitsaufwand speziell während der Lese verbunden ist, kommen zufriedene Rückmeldungen aus allen Ländern. In den Weinbaugebieten entlang der Donau freut man sich besonders über die zu erwartende hohe Qualität des Grünen Veltliners und Rieslings, im Weinviertel zeichnet sich ein klassischer Weinviertel-DAC-Jahrgang ab. In der Thermenregion, dem Carnuntum und Burgenland freut man sich über aromaintensive, fruchtige Rotweine mit guter Struktur, besonders viel versprechend ist der Jahrgang für den Mittelburgenland-DAC. Die Winzer aus der Steiermark melden knackig, gesunde Trauben und eine besondere Aromatik aufgrund der kühlen Morgentemperaturen. Und auch in der Bundeshauptstadt Wien freuen sich die Winzer, nach den mengenschwachen Jahren von 2005 und 2006, wieder über eine solide Ertragsmenge mit klassischer Ausprägung.

Aktuelle Schätzungen der Statistik Austria gehen von einer Erntemenge von ca. 2,5 Mio. hl aus, was einer durchschnittlichen Ernte der vergangenen fünf Jahre entspricht.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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