Direkt zum Inhalt

Weit über den Tellerrand geblickt

20.07.2005

Sie nennen sich „Orpheus“, „Levante“, „Creperie“, „ Tsing Tao“, „Zur böhmischen Kuchl“ oder „Alef-Alef“ – und das ist nur ein kleiner, nicht wirklich repräsentativer Auszug –, und sie stehen stellvertretend für Lokale der internationalen Küche.

Ganz offensichtlich decken sie alle einen nicht unwichtigen Bedarf, denn wenn die in ihren mehr oder weniger authentischen Lokalitäten wirkenden Chefs de cuisine ihre Gäste mit Fernöstlichem, Levantinischem oder Südländischem verwöhnen, dann greifen sie auf Küchengeheimnisse zurück, deren Ursprung oft in vielen Kilometern Luftlinie entfernten Kochtöpfen liegt.
Aber Vorsicht! Haben die gelegentlich von Fernreisen (oder auch nur solchen zur böhmischen Großtante) erschmeckten Feinheiten einmal Gaumen und Geschmacksknosperln echter oder eingebildeter Gourmets infiziert, sind erst olfaktorische und haptische Reize im Unterbewussten nachhaltig abgespeichert, dann hilft keine noch so patriotische Gegenreformation. Dann haben Wiener Schnitzel, Tiroler Gröstel und Linzer Torte ausgedient, dann muss Außergewöhnliches her – und das nicht nur im Haubenrestaurant oder beim Chinesen am Eck!

Wie schön, dass ein umfangreiches und von Industrie und Handel wohl gepflegtes Repertoire an Basis- und Fertiggerichten, an Gewürzen und Kochgeräten die Veranstaltung exklusiver kulinarischer Feste nun auch innerhalb der eigenen vier Wände, im Garten, auf der Terrasse oder am Balkon ermöglicht. Und das zu durchaus akzeptablen Preisen, die es einem ersparen, es Coelius Apicius gleichzutun: dieser bekannte Feinschmecker und Autor des ersten Kochbuchs der Welt musste anlässlich eines Kassensturzes feststellen, dass sein Vermögen nur noch 10 Millionen Sesterzen betrug, was immerhin dem zehnfachen Mindestvermögen eines römischen Senators entsprach. Damit war dann Schluss mit lustig, zu wenig Geld für Fraß und Völlerei – Apicius nahm Gift und verabschiedete sich aus dieser schnöden Welt.
So gesehen haben’s wir Heutigen leicht: Daher also schnell ab zum Kaufmann oder in den Supermarkt, denn dort findet sich allerlei Wohlfeiles und Fremdländisches, welches die Küche wahlweise nach Jesolo, Shanghai, Timbuktu oder Karlsbad duften lässt und was die zur Verkostung gebetenen Gäste zu euphorischen Begeisterungsstürmen animieren sollte.

Zahlen die motivieren
Exotisches liegt in der Tat gut im Trend: mengenmäßig betrachtet lag der Anteil der vom Lebensmitteleinzelhandel im vergangen Jahr umgesetzten internationalen Fertiggerichte bereits bei 38% (Quelle: RollAMA/AMA Marketing). Im Vergleich dazu brachten es traditionelle Fertiggerichte nur noch auf 20%. Wertmäßig waren immerhin 33% (traditionelle: 22%) zu verbuchen.
Wirft man einen Blick auf die von den Haushalten für internationale Fertiggerichte getätigten Ausgaben, so fällt (fast erwartungsgemäß) auf, dass hier Wien mit einem jährlichen pro Kopf Wert von 15,2 Euro in Führung liegt. Die Niederösterreicher (mit 9,1 Euro) geben sich derzeit bei Internationalem noch ein wenig zögerlich. Ethno-Food im Fertig-Format entspricht auch ganz offensichtlich maßgeschneidert den Bedürfnissen kleiner Haushalte (in Einpersonen-Haushalten werden pro Kopf erstaunliche 17,5 Euro für internationale Fertiggerichte ausgegeben) in Ballungsgebieten (15,6 Euro in Gemeinden über 50.000 Einwohner).
Dabei schmeckt Ethno den jungen Haushaltsführerinnen und Haushaltsführern offensichtlich besonders gut: die Beobachtungsgruppen der bis 49jährigen sind durchschnittlich mit jährlichen 14 Euro/Kopf mit dabei.
Auf den Punkt gebracht

Für Ethno-Produkte findet sich bereits eine vielversprechende, interessierte und wohl auch ständig größer werdende Zielgruppe. Diese Zielgruppe, deren Bedürfnisse, Vorlieben und Kaufgewohnheiten wird man weiterhin genau beachten und deren Mitglieder vor allem mit Umsicht und entsprechendem Engagement bedienen müssen.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Industrie
28.09.2020

Nach fast 20 Jahren wurde das schon etwas in die Jahre gekommene Design zeitgemäß überarbeitet und präsentiert sich mit klar strukturiertem Logo.

Markenartikel
28.09.2020

Ganz im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie von Nutricia Milupa wird ab Oktober ein Teil des Aptamil Portfolios in Bio-Qualität angeboten. Damit geht Nutricia Milupa auf den Wunsch ...

Die Wiener Tafel, mit 21 Jahren die älteste heimische Tafelorganisation, fungiert als Schnittstelle zwischen Lebensmittelspenden und bedürftigen Menschen. Darüber hinaus will man die unnötige Entsorgung genießbarer Lebensmittel in Privathaushalten durch Informationen und mehr Vertrauen in die eigenen Sinne bekämpfen.
Thema
28.09.2020

Am 29. September ist der 1. International Day of Awareness of Food Loss and Waste, den die UN ins Leben gerufen hat. Damit macht die UN verstärkt auf das Problem der Lebensmittelverschwendung ...

Das Land Oberösterreich und Spar setzen ein starkes Zeichen für ein „GewaltFREIES Leben“: Jakob Leitner, Geschäftsführer der Spar-Zentrale Marchtrenk, Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer (Mitte), sowie Natascha Wimberger (l.), Marktleitung im Eurospar Passage City Center, und ihre Stellvertretung Rebecca Reischl (r.).
Thema
28.09.2020

„GewaltFREIES Leben – auch für Sie!“. So heißt die neue Informationskampagne des Landes Oberösterreich gemeinsam mit der Spar-Zentrale Marchtrenk. In über 250 Spar- und Eurospar-Märkten werden ...

Hofer-CEO Horst Leitner und Ventocom-Geschäftsführer Michael Krammer dürfen sich über die erste Million Kunden für ihre Marke HoT freuen.
Handel
25.09.2020

Seit mehr als fünf Jahren begeistert die Hofer Mobilfunk-Exklusivmarke HoT mit maßgeschneiderten Angeboten sowie dem Versprechen, niemals teurer, sondern nur günstiger oder besser zu werden und ...

Werbung