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Weltweit 155 Medikamente und 79 Impfungen gegen Covid-19 in Entwicklung

21.04.2020

Weltweit wird derzeit an insgesamt 155 Medikamenten und 79 Impfungen zur Bekämpfung von COVID-19 gearbeitet. Diese erstaunlichen Zahlen hat das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) aktuell als Teil einer neuen Produktlinie erhoben.

Es scheint, als ob die Reagenzgläser dieser Welt derzeit nur noch Corona-Viren kennen – weltweit stecken Pharma- und Biotechunternehmen, Universitätsinstitute, Forschungseinrichtungen und Kliniken enorme Ressourcen in die Forschung und Entwicklung rund um Medikamente und Impfstoffe zur Bekämpfung der Pandemie. Für Entscheidungsträger*innen aus Politik und Gesundheitswesen wird es da zunehmend schwierig, den Überblick zu bewahren – obwohl kostenintensive Entscheidungen spätestens dann notwendig werden, wenn die ersten Prophylaxen oder Therapien verfügbar werden. Daher baten das österreichische Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) und weitere Akteure*innen des Gesundheitswesens das AIHTA um die Erstellung einer Übersicht der weltweiten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich COVID-19, die bei zukünftigen Entscheidungen evidenzbasierte Unterstützung leisten kann.

Neue Horizonte

Die Bitte erreichte das AIHTA genau zu dem Zeitpunkt, als dieses eine neue Produktlinie vorstellte, die sogenannten „Policy Briefs“, die einer schnellen, aber dennoch evidenzbasierten Politikberatung dienen und für akute Entscheidungen im Gesundheitswesen solide Grundlagen bieten. „Für die Übersicht zu COVID-19-F&E-Aktivitäten haben wir dann ein Horizon Scanning System (HSS) eingerichtet“, erläutert Frau Priv. Doz. Dr. phil. Claudia Wild, Leiterin des AIHTA. „Ziel eines solchen HSS ist es, frühzeitige Information zu Interventionsmöglichkeiten bereitzustellen, die sich derzeit im F&E-Stadium befinden. In den nächsten Monaten werden deren Entwicklungen dann weiter beobachtet, Daten dazu aufbereitet und ein Einkauf durch das Gesundheitswesen evidenzbasiert unterstützt.“

Insgesamt konnte das Team um Dr. Wild anhand internationaler Quellen 155 Medikamente identifizieren, die derzeit auf ihre Wirkung gegen SARS-CoV-2/COVID-19 getestet werden. Diese basieren alle auf einem oder mehreren der folgenden, bekannten, antiviralen Wirkstoff(en): Remdesivir, Lopinavir + Ritonavir (Kaletra®), Favipirvir (Avigan®), Darunavir (Prezista®), Chloroquine Phosphate (Resochin®), Hydroxychloroquine (Plaquenil®), Camostat Mesilate (Foipan®), APN01 (rhACE2), Tocilizumab (Roactemra®), Sarilumab (Kevzara®) und Interferon beta 1a (SNG001). Zu diesen Wirkstoffen erläutert Frau Dr. Wild: „Da es sich beim Großteil dieser Wirkstoffe um Medikamente handelt, die bereits für andere Indikationen zugelassen sind, betonen internationale Regulatoren die Notwendigkeit robuster Evidenz für Zulassungsstudien.“ Um diesem Anspruch Ausdruck zu verleihen, gründete die European Medicines Agency (EMA) am 9. April auch eine eigene COVID-19 Task Force.

Impfung: bitte warten

Die 79 Impfstoffkandidaten, die das AIHTA im Rahmen des HSS identifizieren konnte, teilen sich dabei auf drei impfstoffarten auf: Lebendimpfstoffe (mit abgeschwächten Virusstämmen), Totimpfstoffe (mit Virusproteinen) oder genbasierte Impfstoffe (mit spezieller DNA oder mRNA).  Die meisten dieser Projekte sind derzeit noch im Entwicklungsstadium und haben noch keine Zulassung.

Für die in der Entwicklung besonders fortgeschrittenen Medikamente bzw. Impfstoffe oder solche, die in der Fachliteratur als besonders vielversprechend gelten, hat das AIHTA dann sogenannte Vignetten erstellt. Dabei handelt es sich um prägnante Kurzbeschreibungen, die zusätzliche Informationen bereitstellen. Insgesamt erstellte das AIHTA 11 Vignetten zu Medikamenten und 8 zu Impfstoffkandidaten.

Insgesamt stellt der Bericht des AIHTA eine ausgesprochen wertvolle Entscheidungshilfe für den Moment dar, wenn die Gesundheitssysteme aus mehreren Medikamenten oder Impfstoffen gegen COVID-19 die geeignetsten auszuwählen haben. Den Gesellschaftern des Instituts, dem BMSGPK, den Gesundheitsfonds der neun Bundesländer und dem Dachverband der Sozialversicherungsträger, kann das AIHTA mit der neuen Produktlinie „Policy Briefs“ somit in einer Gesundheitskrise bisher unbekannten Ausmaßes eine adäquate, evidenzbasierte Entscheidungshilfe anbieten.

 

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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