Direkt zum Inhalt

Wie Phoenix aus der Asche

30.09.2004

Ankerbrot AG
Nach Aufhebung des Ausgleichsverfahrens zieht der neue Eigentümer, Peter Ostendorf, eine Zwischenbilanz über den Sanierungskurs für Österreichs größtes Backwarenunternehmen.

Ich bin den Trubel nicht gewohnt.“ Peter Ostendorf, Eigentümer und Vorstand der Ankerbrot AG war sichtlich gerührt bei der Eröffnung der ersten Anker-Lehrlingsfiliale in Wien-Floridsdorf. Die jungen Mitarbeiter strahlten, die Kunden zeigten sich begeistert und die Medien rauften sich um eine Wortspende des deutschen Unternehmers. Ostendorf schwebt derzeit auf einer Welle des Glücks. Eben Vater geworden, trägt nun auch sein Sanierungskurs für Ankerbrot Früchte.

Nach der Aufhebung des Ausgleichsverfahrens über die Wiener Großbäckerei im vergangenen März, hat das Unternehmen kürzlich Bilanz über das Sanierungsjahr 2003 vorgelegt. Laut der in der Hauptversammlung vorgelegten konsolidierten Gruppenbilanz für die Ankerbrot AG sowie die „Anker Snack & Coffee“ Gastronomiebetriebs GmbH (Filialen) ging der Umsatz zwar von 146,8 auf 128,4 Millionen Euro zurück. Der Jahresfehlbetrag konnte allerdings von 44,6 auf 9 Mio. Euro reduziert werden. Verantwortlich für den Umsatzrückgang ist nach Unternehmensangaben vor allem die Konzentration auf Ostösterreich sowie die Verringerung der Filialen von 202 auf 178. Die Personalkosten seien von 74,5 auf 61,9 Mio. Euro gesenkt worden, was eine spürbare Verbesserung der Produktivität zur Folge gehabt habe. Durchschnittlich wurden 1.965 Dienstnehmer beschäftigt, 2002 waren es noch 2.286 gewesen.

Das Geschäftsjahr 2003 stand vor allem im Zeichen des Ausgleichsverfahrens, der Übertragung von 92 Prozent der Aktien von Müller-Brot an die Salos Beteiligungsverwaltungs GmbH des deutschen Unternehmers Klaus Ostendorf sowie des Sanierungsprogramms. Nach den in der Hauptversammlung des Vorjahres beschlossenen Kapitalmaßnahmen sowie einem Rückkaufangebot an den Ankerbrot-Streubesitz sind jetzt 96,3 Prozent der Ankerbrot AG im Eigentum der Familie Ostendorf.

„Wir haben das Unternehmen mit Juli 2003 übernommen und rasch erkannt, dass das zentrale Problem für Erfolg und Misserfolg die Produktion und die Logistik waren“, erklärt Ostendorf im Gespräch mit LK-Handelszeitung. Die Produktivität der Produktion habe darunter gelitten, dass verschiedene Produktionsstätten auf 72.000 m2 verteilt waren. In Zukunft soll die Gesamtproduktion in einem Gebäude auf 30.000 m2 zusammen gefasst sein. Diese Umstellung sei bereits zu rund 70 Prozent abgeschlossen und soll möglichst bis Jahresende vollständig über die Bühne sein.
Der zweite wunde Punkt ist – oder besser war – der Fuhrpark, der völlig überaltet mit immensen Reparaturkosten verbunden war. „Wir haben daher die rund 100 Fahrzeuge augetauscht und durch neue ersetzt“, so Ostendorf.
Natürlich gibt es auch mit Blickrichtung Markt Handlungsbedarf. Ein fundamentaler Schritt war die Repositionierung von Anker. Anstatt der Müller-Mühle prangt nun wieder die altbekannte Ähre auf dem Logo. „Anker ist ein österreichisches Traditionsunternehmen und muss genau so geführt werden“, ist sich Ostendorf sicher. „Deshalb bin ich auch mit meiner Familie nach Österreich gezogen. Der Österreich-Bezug ist nur vor Ort in die Tat umzusetzen.“

Sortiment drastisch reduziert
 Weitere Veränderungen betreffen das Warenangebot. Ostendorf: „Anker hat ein zu breites Sortiment geführt. Daher haben wir unser Filialsortiment von 230 auf 130 reduziert und das Handelssortiment von 650 auf 320 Artikel zurück genommen. Damit bieten wir immer noch eine breite Angebotspalette, können jedoch der Kundenerwartung mit mehr Konsequenz gerecht werden, als das in der Vergangenheit der Fall war.“

Insgesamt ist Ankerbrot im Vergleich zu den Mitbewerbern sehr gut aufgestellt: 70% der Waren in den Filialen werden frisch gebacken. Am Sortiment wird auch ständig weiter gefeilt. „Ein zentraler Schwerpunkt auf der Ebene der Filialen ist dabei das Thema Brot. Mit einem großen Angebot an frisch gebackener Ware punkten wir schon jetzt. In Zukunft ist hier das Angebot von ,frisch & geschnitten‘ ein wesentlicher Erfolgsaspekt. In der Folge haben wir einen Nachhofbedarf im Bereich Konditorwaren und Kuchen. Bei Gebäck, Snacks und Kaffee sind wir schon sehr gut aufgestellt. Bei unseren Handelspartnern wollen wir sowohl mit unserem Backwarensortiment als auch im Bereich der Tiefkühlprodukte und Teiglinge eine wesentliche Rolle als Lieferant spielen“, so Ostendorf.

Insgesamt teilt sich der Umsatz von Anker derzeit zu ca. 45% auf die Filialen und zu 55% auf den Handel auf. In Zukunft ist ein Verhältnis von ca. 50:50 angestrebt. Dazu beitragen werden auch die 10 bis 15 Filialen, die im Großraum Wien neueröffnet werden sollen. Das Filialnetz soll sich allerdings auf absehbare Zeit auf den Osten Österreichs beschränken.
- 96,3% der Ankerbrot AG sind im Eigentum der Familie Ostendorf, Rest in Streubesitz
- Umsatz 2003: 128,4 Mio. E (2002: 146,8 Mio. E)
- EGT 2003: -7 Mio. E (2002: -38,4 Mio. E)
- Fehlbetrag 2003: -44,6 Mio. E (2002: -9 Mio. E)
- Mitarbeiter 2003: 1.965 (2002: 2.286)
- Filialen 2003: 178 (2002: 202)
- Umsatzaufteilung: 45% Filialen, 55% Handel
- Fuhrpark: 100 Fahrzeuge

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Werbung

Weiterführende Themen

Personalia
24.09.2020

Seit Monatsbeginn leitet Herbert Bauer (40) als General Manager die Geschäfte von Coca-Cola HBC Österreich.

Industrie
24.09.2020

Qualität und Nachhaltigkeit stehen beim Kaffee-Konsum der Österreicher:innen hoch im Kurs. Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, bietet die österreichische Kaffeemarke J. Hornig seinen Kund: ...

Im Vergleich zu den Umfrageterminen März und April mitten im Lockdown haben sich die Konsumenten an die "neue Normalität" gewöhnt. Sicherheitsmaßnahmen wie verpflichtende Nase-Mund-Masken werden begrüßt.
Thema
23.09.2020

Covid-19 hat unser Leben total verändert. So auch unser Einkaufsverhalten. Offerista Group Austria hat in einer aktuellen Erhebung das „Kaufverhalten im Wandel“ unter die Lupe genommen. Die ...

Eine gesetzliche Verpflichtung zu "Maskenpausen" brächte den Arbeitnehmern keinen Benefit, der Arbeitgeberseite alleine im Lebensmittelhandel aber Zusatzkosten von 20 Mio. Euro pro Jahr, argumentiert Handelsobmann Rainer Trefelik.
Handel
23.09.2020

Handelsobmann Trefelik ist gegen verpflichtende Maskenpausen: "Die funktionieren in der betrieblichen Praxis auch ohne gesetzliches Korsett“

PayPal-Geschäftskunden können nun mit dem Guthaben auf ihrem PayPal-Konto ihre Einkäufe an der Kassa bezahlen, ohne dieses vorher auf ihr Bankkonto überweisen zu müssen.
Handel
23.09.2020

Österreichische Händler können als Geschäftskunden mit ihrem PayPal-Guthaben jetzt direkt ihre Einkäufe an der Kassa bezahlen.

Werbung