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Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der WKO

"Wir sind keine Billiglohn-Branche"

31.01.2017

Branchensprecher und Chefverhandler Peter Buchmüller, Bundesspartenobmann Handel in der WKO, nutzte die Gelegenheit der jährlichen Handels-Bilanz über das vergangene Jahr, um auf das aktuelle Thema Regierungsprogramm einzugehen. Der Handel erhofft sich durch die einzelnen angestrebten Maßnahmen einige Verbesserungen.

Die Bilanzpräsentation des österreichischen Einzelhandels (exklusive Autohandel und Großhandel) bot den entsprechenden Rahmen für einen genauen Blick auf das Arbeitsprogramm der Bundesregierung 2017/2018. Denn beim Mindestlohn von 1500 Euro wurde mit den Sozialpartnern im ersten Halbjahr ein Stufenplan vereinbart. "Der Handel zahlt schon jetzt an Arbeiter 1528 euro und an Angestellte 1546 euro", berichtet Peter Buchmüller. "Wir sind also darüber und das auch noch bei einer 38,5-Stunden-Woche. Wir sind schon lange keine Billiglohn-Branche mehr", stellt der Obmann fest. Die Fakten werden weiters noch durch einen erhöhten Kündigungsschutz bei Angestellten - die häufigste Dienstnehmerform im Handel - und den bereits erwähnten Stundenunterschied zur 40-Stunden-Woche, untermauert. Für Unternehmer ist auch die Aussage, dass der Bereich Arbeitnehmerschutz und Arbeitsinspektorat aufgeschoben ist, eine gute.

Der Ansatz "Vermeidung der Gewinnverschiebung" birgt für den heimischen Handel ebenfalls Hoffnung, da sich der online-Einkauf im Ausland dadurch eindämmen lässt. Wenn ein Produkt im Ausland gekauft wird, soll dafür auch Steuer gezahlt werden - das ist das Ziel. Weitere gute Nachrichten für den Handel sind die Abschaffung der kalten Progression, der Beschäftigungsbonus (beginnt ab Juli 2017 und senkt die Lohnnebenkosten um 50% für die nächsten drei Jahre, wenn zusätzliche Vollzeitarbeitskräfte beschäftigt werden) und bei Betrieben bis zu 10 Beschäftigten sollen die Kosten für die Entgeltfortzahlung zu 75% ersetzt werden (statt bisher zu 50%). Den größten "Jubel" erntete die das Bekenntnis zur Vermeidung von "Golden Plating". "Wir müssen nicht päpstlicher sein, als der Papst", so Iris Thalbauer, Bundesgeschäftsführerin des Handels in der WKO. Das betrifft Gebiete wie Geoblocking, Scanner-Daten, Registrierkassen und Datenschutzgrundverordnung. "Wir hegen starke Hoffnung, dass die Regierung das Ruder in eine richtige Richtung reißt, unser Wunsch sind keine Mehrbelastungen für Unternehmer. Wir kritisieren vor allem den Weg der Umsetzung, wenn man ZB die Scannerkassen ansieht, nicht die Scannerkassen an sich", so Thalbauer. Jetzt liegt es an den Sozialpartnern die Pläne umzusetzen. 

Hilfestellung und Beratung für den Handel gab und gibt es in vielen Punkten schon weitgehend permanent. "Wir hatten österreichweit Schulungen in Bezug auf den Online-Handel. Dabei ging es sowohl um das Erstellen eines Online-Shops, aber auch um Retourenmanagement oder Logistik", so Thalbauer.

Der heimische Handel in Zahlen

„Eine stabile Entwicklung zeichnete den österreichischen Einzelhandel auch im abgelaufenen Jahr 2016 aus“, sagte Peter Buchmülle anlässlich der Präsentation der Einzelhandels-Bilanz 2016 . Laut Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria, durchgeführt im Auftrag der Bundesparte, betrug das nominelle Umsatzplus 0,9 Prozent. „Das ist ein annehmbares Ergebnis“, so der Branchensprecher des heimischen Handels.

„Der österreichische Internet-Einzelhandel hat sich auch 2016 deutlich dynamischer als der stationäre Einzelhandel entwickelt“, führt Iris Thalbauer aus. Die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre flacht 2016 jedoch auch hier ab: Nach einem nominellen Umsatzplus von 7 Prozent im Jahr 2015 kann 2016 ein Online-Wachstum von 4 Prozent erzielt werden. In Summe ist im Gesamtjahr 2016 der Brutto-Jahresumsatz im österreichischen Internet-Einzelhandel um rund 100 Millionen Euro auf etwa 3,4 Milliarden Euro gestiegen und erreicht damit knapp 5 Prozent des Einzelhandelsvolumens in Österreich.

1 Prozent Umsatzplus 2016 stationär und online 2016

Iris Thalbauer erläutert weiter: „Die Dynamik im Internet-Einzelhandel verstärkt auch 2016 das konjunkturelle Wachstum im gesamten Einzelhandel, also stationär und online: Rechnet man zur nominellen Umsatzsteigerung von 0,9 Prozent im stationären Einzelhandel 2016 den Anstieg im Internet-Einzelhandel von 4 Prozent hinzu, liegt das nominelle Umsatzplus gesamt bei +1 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Umsatzwachstum im gesamten Einzelhandel von rund 700 Millionen Euro.“ Dazu beigetragen hat auch eine stabile Entwicklung im Weihnachtsgeschäft, wie Bundesspartengeschäftsführerin Iris Thalbauer ausführt: „Wie in den Jahren 2014 und 2015 steigen auch 2016 die Weihnachtsumsätze im heimischen Einzelhandel um 0,5 Prozent. Damit bestätigt sich unsere Zwischenbilanz zum Weihnachtsgeschäft bis zum vierten Advent-Einkaufssamstag 2016. Zurückzuführen ist das leichte Umsatzwachstum wie in den vergangenen Jahren auf steigende Online-Verkäufe.“ In Summe sind die Weihnachtsumsätze im heimischen Einzelhandel (stationär und online) auf rund 1,63 Milliarden Euro gewachsen, das ist ein Plus von rund 5 Millionen Euro gegenüber 2015. „Mit rund 1,53 Milliarden Euro trägt jedoch nach wie vor der stationäre Einzelhandel den Großteil zum Weihnachtsgeschäft – nämlich rund 94 Prozent - bei“, so Thalbauer. Der heimische Internet-Einzelhandel knackt mit einem Umsatzplus von 5 Prozent erstmals die 100 Millionen Euro-Marke und trägt rund 6 Prozent zum gesamten heimischen Weihnachtsgeschäft bei.

Und die Branchensieger 2016 sind …

Handelsforscher Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria erläutert im Detail: „Der Einzelhandel mit Schuhen und Lederwaren hat im Jahr 2016 – nach hohen Rückgängen im Jahr 2015 – mit 2 Prozent das höchste nominelle Umsatzplus erzielt. An zweiter Stelle folgt mit dem Lebensmitteleinzelhandel die mit Abstand umsatzstärkste Branche. Der LEH konnte mit +1,9 Prozent einmal mehr überdurchschnittlich hohe Zuwächse erwirtschaften und trägt damit wesentlich zur positiven Entwicklung des Einzelhandels insgesamt bei.“

Erfreulich ist das Jahr 2016 zudem für den Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen (+1,6 Prozent), den Einzelhandel mit Sportartikeln (+1,2 Prozent) und den Einzelhandel mit Büchern und Schreibwaren (+1 Prozent) verlaufen. Am schwächsten hat sich der Bekleidungseinzelhandel, die in Bezug auf den Umsatz zweitwichtigste Einzelhandelsbranche, entwickelt. Weitere umsatzstarke Einzelhandelsbranchen wie der Einzelhandel mit Möbeln (+0,5 Prozent) und der Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf (+0,1 Prozent) haben 2016 das Umsatzniveau des Vorjahres knapp übertreffen können.

Steigende Absatzzahlen, und: Inflation bei 0,9 Prozent, Verkaufspreissteigerung nur bei 0,3 Prozent

„Erfreulich ist, dass sich die Preissteigerungen im Handel absolut im Rahmen gehalten haben“, so Handelsobmann Buchmüller: „Die Verkaufspreise im Einzelhandel sind 2016 im Durchschnitt nur um 0,3 Prozent gestiegen. Dies bedeutet eine weitere Abschwächung gegenüber den Vorjahren und stellt die niedrigste Erhöhung der vergangenen Jahre dar. Die Inflationsrate fällt mit 0,9 Prozent weiterhin höher aus.“

Und Buchmüller hebt weiters hervor: „Die Zahlen zeigen auch, dass der Absatz von Waren im heimischen Einzelhandel gestiegen ist.“ Real – unter Berücksichtigung der Preisentwicklung im Einzelhandel – führt die nominelle Umsatzentwicklung von +1 Prozent zu einer Steigerung des Absatzvolums (stationär und online) von +0,7 Prozent.

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten im gesamten Einzelhandel ist 2016 mit +0,5 % ähnlich hoch angestiegen wie 2015 (+0,4 %). In absoluten Zahlen bedeutet der Anstieg 2016 ein Plus von +1600 Mitarbeitern im Einzelhandel. „Damit bietet der Einzelhandel im Jahresschnitt 329.100 unselbstständig Beschäftigen einen Arbeitsplatz“, zeigt sich Handelsobmann Peter Buchmüller „mehr als erfreut“. Knapp die Hälfte davon arbeitet Teilzeit. Und wenn man etwas nachforscht, so kann man feststellen, dass ein großer Teil der Neu-Beschäftigten aus dem LEH kommen.

Mit 78 Prozent erwartet der Großteil der Einzelhändlerinnen und Einzelhändler in Österreich laut KMU Forschung Austria für die nächsten Monate eine stabile Geschäftsentwicklung. 9 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage, während 13 Prozent eine Verschlechterung befürchten. "denn eines ist auch klar: Umsatz ist nicht Ertrag", so Buchmüller. Die Ertragslage im Handel ist in den letzten Jahrzehnten laufend gesunken. Sie lag laut den jüngsten aktuellen Zahlen 2014/2015 bei 2,3% (gesamter Handel), beim Einzelhandel sogar 2,1% . Und der LEH musste im Durchschnitt in diesem Zeitraum sogar einen Verlust hinnehmen.

 

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