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Die Insolvenz der Handelskette Zielpunkt könnte auch Konsequenzen für den oststeirischen Fleisch- und Wursthersteller Schirnhofer haben.

Zielpunkt-Lieferant Schirnhofer droht Pleite

01.12.2015

Die Pleite der Handelskette Zielpunkt hat auch Konsequenzen für den oststeirischen Fleisch- und Wursthersteller Schirnhofer. Laut Standard sollen bereits 70 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet sein. Am 30. November 2015 hat das Familienunternehmen ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Zur gleichen Zeit hat Zielpunkt den Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien abgegeben.

Die Zielpunkt-Insolvenz zieht weitere Kreise. Die schon seit längerem angeschlagene Fleischerei Schirnhofer ist von den Problemen rund um Zielpunkt stark betroffen. Das Familien-Unternehmen aus Kaindorf bei Hartberg (Steiermark) hat laut APA ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht für Zivilrechtssachen in Graz beantragt. Schirnhofer, mit insgesamt 287 Beschäftigen, hat bereits im Vorfeld 70 Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice (AMS) zur Kündigung angemeldet. Laut Hubert Holzapfel, dem Landesekretär der Gewerkschaft Pro-GE, sollen auch das mit 30. November fällige Novembergehalt sowie das Weihnachtsgeld noch nicht an die restlichen Mitarbeiter überwiesen worden sein.

Viele Jahre lang war Schirnhofer Fleisch- und Wurstlieferant von Zielpunkt. Ab 1997 hatte Schirnhofer eigene Filialen in den Zielpunkt-Supermärkten. Laut Gläubigerschutzverband Creditreform soll das Verfahren noch heute, am 1. Dezember 2015, eröffnet werden. „Die Antragstellerin ist im insolvenzrechtlichen Sinne zahlungsunfähig und überschuldet. Zur Vermeidung einer Ungleichbehandlung der Gläubiger wurden die Zahlungen eingestellt“, heißt es im Antrag auf Eröffnung des Sanierungsverfahrens, der der APA vorliegt.

Pfeiffer rechtfertigt Immobiliendeal

Wie angekündigt hat Zielpunkt am 30. November 2015 den Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien eingebracht. Der Kauf von 70 Zielpunkt-Immobilien von Trei Real Estate, wegen dem die Gewerkschaft GPA zu klagen überlegt, habe zum Ziel gehabt, „die Mieten für Zielpunkt um 4 Mio. Euro für die Standorte zu reduzieren“, erklärte Georg Pfeiffer, Chef der Konzernmutter. Die Objekte wurden von der Pfeiffer Handels GmbH „im Rahmen der Zielpunkt-Sanierungsmaßnahmen Anfang November erworben.“ Der Kaufpreis lag bei kolportierten 38 Mio. Euro. „Der Kauf der Immobilien war ein Teil unseres Sanierungskonzeptes und seit mehreren Monaten – eben zur Absicherung von Zielpunkt – im Laufen und wurde jetzt abgeschlossen. Dass dies zeitgleich zur Feststellung der Zahlungsunfähigkeit von Zielpunkt passiert ist, ist ein unglücklicher zeitlicher Zufall“, so Pfeiffer weiter. Man habe wegen „vereinbarter Kündigungsverzichte aus diesen Mietverträgen nicht aussteigen können. Der Immobiliendeal ist knapp vor der Ankündigung der bevorstehenden Zielpunkt-Pleite bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet worden.

Keine Gläubigerbevorzugung möglich

Das Geld aus dem auch erst kürzlich abgewickelten Verkauf der C+C-Großmärkte der Pfeiffer Gruppe an die Schweizer Firma coop könne nicht zur Zielpunkt-Sanierung eingesetzt werden, „denn es steht uns erst ab Anfang 2016 zur Verfügung“, sagte Pfeiffer laut der Tageszeitung „Österreich“ (Montagsausgabe). Der Erlös aus diesem Verkauf würde aber sehr wohl „für den Erwerb des Trei-Immobilienportfolios verwendet“. Wobei Pfeiffer, laut eigenen Angaben, als Eigner hier selbst verliert, da einige schwer vermittelbare Standorte unter den erworbenen Immobilien seien. „Ich war und bin bereit, Geld aus privaten Mitteln für einen Sozialplan zur Verfügung zu stellen“, so Pfeiffer. Nur dürfe er dies insolvenzrechtlich nicht – Stichwort: Gläubigerbevorzugung.

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