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Die WHO rät zu 25 Gramm Zucker pro Tag - wir nehmen rund 100 Gramm pro Tag zu uns

Zucker: Fluch und Segen

13.03.2017

Er gilt als einer der wichtigen Geschmacksträger für Nahrungsmittel und wird gleichzeitig als Geißel des 21. Jahrhunderts bezeichnet.

In vielen Liedern werden Menschen als „Sugar ­honey“ oder „Sweety“ liebevoll besungen , ein Lied von Bill Ramsey von 1961 besingt eine begehrenswerte Frau sogar als Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe. Würde man heute einer Person ein Lied solchen Inhalts widmen, könnte man eventuell seine gehörige Watschen bekommen. Denn Zucker steht am Pranger. Er ist der Buhmann der Nation und Grund dafür, dass wir alle so dick sind. Bis vor einiger Zeit waren es noch die Fette, jetzt ist es der Zucker. Oder?

Natürlich stimmt es, dass sich der Zuckerkonsum in den letzten Jahrhunderten massiv erhöht hat, genauso aber auch der Fett- und Alkoholkonsum. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, in der es Genuss-Produkte in Hülle und Fülle gibt. Auch in der Lebensmittelindustrie gilt das ungeschriebene Gesetz, dass die beiden Geschmacksträgerstoffe Zucker und Fett heißen. Reduziert man das eine, so muss man logischerweise das andere erhöhen, um einen ähnlichen Geschmack zu erwirken. Trotzdem hören die Anklagen gegen Zucker nicht auf, im Gegenteil, es wird noch schlimmer werden. Auch unser öffentlich-rechtlicher Sender ORF nutzt seinen Informationsauftrag und wird vom 18. bis 24. März in einem Schwerpunkt „Zucker“ thematisieren. Wir werden sehen, wie zuletzt Zucker aus der ganze Sache aussteigt: als gut oder böse. Dabei muss jedem klar sein, dass Zucker alleine nicht dick macht, sondern die Symbiose aus schlechter und einseitiger Ernährung und zu wenig – viel zu wenig – Bewegung. Der letzte Österreichische Ernährungsbericht von 2012 (es sollte dieser Tage ein neuer erscheinen) sagt, dass die WHO zu einer drastischen Reduzierung des Zuckerkonsums auf 25 g pro Person (75 kg) pro Tag rät. Tatsächlich nehmen wir 100 g pro Tag zu uns. Das wirkt sich sowohl auf Übergewicht bei Kindern (17%) als auch Erwachsenen (42%) aus sowie auf die Zahngesundheit. Hier stellt sich wiederum die Frage: Ist eine lineare Auswirkung zulässig?

17 Prozent der österreichischen Kinder sind übergewichtig

Die jüngste WHO-Empfehlung, Zucker in alkoholfreien Erfrischungsgetränken zu besteuern, ist der falsche Ansatz, sagt auch der Fachverband der Lebensmittelindustrie. Der Obmann des Fachverbands und Agrana-Vorstand Johann Marihart: „Lebensmittel gelten gleichermaßen als Allheilmittel und Sündenbock. Täglich schießen neue Zwänge für unsere Branche aus dem Boden – von Werbe- oder Verkaufsverboten über Zuckersteuern bis zur geforderten Reformulierung von Produkten auf EU-Ebene.“ Marihart sieht die Zeit reif für einen neuen Zugang: „Wir brauchen Wissen statt Ideologie. Nicht einzelne Lebensmittel machen krank, sondern unausgewogene Ernährung, gepaart mit weiteren Faktoren – wie wenig Bewegung, Stress oder Veranlagung.“

Die Diskussion erschwert sich auch durch die Tatsache, dass Zuckerersatzstoffe nicht immer den besten Ruf haben. Manche hat man als krebserregend eingestuft, andere wiederum aus verschiedenen Gründen als unbrauchbar. Klaus Reisenberger, CTO der Reisenberger GmbH, die auch Natusweet herstellt, fasst zusammen: „Für wichtig empfinde ich in jedem Fall eine Süßung mit natürlichen Süßungsmitteln, konkret aus natürlichem Ursprung.“ Natusweet zum Beispiel kombiniert Süßungsmittel und Zuckeraustauschstoffe natürlichen Ursprungs, wie zum Beispiel Erytthritol, das aus Maisstärke hergestellt wird und erreicht damit ein optimales Geschmackserlebnis. Es gibt demnach gute Alternativen, die einsetzbar sind. Nur ein Umdenken ist gefordert. Wenn man sich nun für den Einsatz von klassischem Industriezucker entscheidet, so könnte man zu Fairtrade-Zucker greifen. Jüngster Kandidat auf der Liste ist Vöslauer. Der Getränkehersteller hat sich seit 1. Jänner 2016 zum Fairtrade Zuckerprogramm bekannt. Mit der Umstellung der Vöslauer Balance Sorten von Fructose auf Saccharose wurde auch das Fairtrade Zuckerprogramm gestartet. Fairtrade unterstützt die demokratische Organisation kleinerer Bauernfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika. Zudem erhalten die Kleinbauernkooperativen auch eine Fair­trade-Prämie in der Höhe von 60 USD pro Tonne Zucker.

Doch wir sind erst am Anfang der Zuckerdebatte, denn mit Oktober 2017 fallen auch noch die festgesetzten Zuckerquoten, mit denen von Brüssel aus genau gesteuert wurde, wer wie viel produziert. Da mit diesem System auch ein Mindestpreis verbunden war, war es den EU-Bauern, bis auf eine kleine Ausnahme, nicht erlaubt zu exportieren. Mit dem Fall der Quote und dem Mindestpreis wird sich das ändern. Man kann sagen: Zucker, Fortsetzung folgt.

Autor:
Gabriele Jiresch
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