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Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes

Zukunftspaket für die nächste Regierung

17.10.2017

Unter dem Titel „Jetzt gemeinsam Handeln“ hat der Handelsverband, schon vor der Nationalratswahl, einen Forderungskatalog mit den sieben wichtigsten Punkten bzw. Empfehlungen für die nächste Bundesregierung zusammengestellt.

Die Nationalratswahlen sind geschlagen, das Ergebnis steht (ausgenommen der Stimmen der Wahlkarten die nicht in der eigenen Gemeinde abgegeben wurden) fest. Völlig offen ist aber noch, welchen Weg Österreich in den nächsten fünf Jahren gehen wird, auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Der Handelsverband hat hierzu als überparteilicher, unabhängiger Verband ein 7-Punkte-Zukunftspaket erarbeitet, das sich an jene politischen Entscheidungsträger richtet, die unser Land in den nächsten Jahren führen werden. „Wir wollen damit bereits vor den anstehenden Koalitionsverhandlungen offenlegen, was der Handel braucht, um auch in der nächsten Legislaturperiode zukunftsfit zu bleiben. Unsere Empfehlungen sollen sicherstellen, dass die österreichischen Handelsunternehmen auch 2020 und darüber hinaus ihre überragende Beschäftigungsfunktion mit mehr als 500.000 Arbeitnehmer sowie ihre Versorgungsfunktion mit einem engmaschigen, hochqualitativen Filialnetz ausüben können. Wir fordern die nächste Regierung auf, die Bremsen zu lösen und dem österreichischen Handel freie Fahrt in eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen“, so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Die 7 Empfehlungen des Handelsverbands:

1. MEHR FREIHEIT

Flexible Arbeitszeiten

  • weil der digitale Wandel völlig neue Arbeitswelten schafft
  • weil die Wochenöffnungszeiten und Zuschlagsregeln starr und kompliziert sind

Mehr unternehmerische Freiheit

  • weil die Steuer- und Abgabenquote in kaum einem Land der westlichen Welt so hoch ist wie in Österreich
  • weil sich die starke Besteuerung des Faktors Arbeit negativ auf die Beschäftigungszahlen auswirkt

2. MEHR GERECHTIGKEIT

Fairer Welthandel

  • weil Spielregeln für alle gelten sollten – egal ob groß oder klein
  • weil wettbewerbsverzerrende Zollfreigrenzen und Plattformkonstruktionen den Import von Billigwaren fördern

Steuergerechtigkeit

  • weil in Österreich erzielte Gewinne auch in Österreich versteuert werden sollten
  • weil legale Steuervorteile für globale Online-Händler den heimischen Handel gefährden

3. MEHR EFFIZIENZ

Bürokratieabbau

  • weil Überreglementierung der Wachstumskiller Nr. 1 und Gift für die Arbeitsplätze ist
  • weil jedes neue Gesetz neue Bürokratie für die Händler schafft und weniger oft mehr ist

Föderalismusreform

  • weil 9 unterschiedliche Landesgesetzgebungen für den Handel eine riesige Last darstellen
  • weil Themen wie Raumordnung, Flächenwidmung oder Abfallwirtschaft österreichweit harmonisiert gehören

4. MEHR INNOVATION

Infrastrukturoffensive

  • weil infrastrukturseitige State-of-the-Art-Technologien über die globale Wettbewerbsfähigkeit entscheiden
  • weil fehlende Infrastruktur am Land zu einem Brain Drain in die Städte führt

Neue Innovationskultur

  • weil disruptive Technologien (Blockchain, Machine Learning, etc) ganze Wirtschaftszweige revolutionieren
  • weil sich Unternehmergeist, Leistung und Eigeninitiative wieder lohnen sollen

5. MEHR EXZELLENZ

Lebenslanges Lernen

  • weil ein erweitertes Bildungssystem die Menschen fit für den digitalen Wandel macht
  • weil eine erstklassige Bildung die Befähigung für Freiheit, kritisches Denken und gesellschaftlichen Fortschritt liefert

Durchlässiges Schulsystem

  • weil nur eine praxisnahe Ausbildung die duale Grundlage für beruflichen Erfolg liefert
  • weil Österreich mehr Spitze und mehr Breite in der Bildungsqualität braucht – von der Elementarbildung bis zu den Hochschulen

6. MEHR SICHERHEIT

"Digitale" Sicherheit

  • weil die fortschreitende Digitalisierung Unternehmen für Cyberattacken angreifbar macht
  • weil die Sicherung kritischer Infrastrukturen oberste Priorität hat

"Analoge" Sicherheit

  • weil Bandenkriminalität, organisierte Bettelei und Ladendiebstahl zunehmen
  • weil sich die Sicherheitslage in europäischen Ballungszentren und Frequenzlagen verändert hat

7. MEHR EUROPA

Europäische Identität stärken

  • weil wir die Regulierungswut reduzieren und Verordnungen effizient aufeinander abstimmen müssen
  • weil die EU der größte gemeinsame Markt der Welt ist und damit Relevanz und Verbundeffekte (Digitaler Binnenmarkt) verstärkt werden können

EU-Perspektive auf den Mittelstand

  • weil wir eine Handelspolitik brauchen, in der auch Klein- und Mittelbetriebe überleben können
  • weil der Steuerwettlauf zwischen den Mitgliedsstaaten kontraproduktiv ist
Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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