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Zwischen Bangen und Hoffen

08.11.2006

Rewe-Adeg. Die Beteiligung von Rewe Austria an Adeg ist noch nicht „gegessen“. Spar fährt schwere Geschütze auf. Die Markenartikelindustrie hält sich mitKommentaren zurück.

Die Medien waren in den vergangenen Tagen voll mit Artikeln über die Beteiligung der Rewe an Adeg. Schlagzeilen wie „Frieden spielt keine Rolle“ (Spar-Chef Dr. Gerhard Drexel über die zu erwartenden Konsequenzen der Beteiligung) oder „Schlechter Verlierer“ (Rewe-Chef Mag. Martin Lenz über Drexels Aussagen; profil Nr. 42) waren da nur die Spitze des Eisbergs.
Die Vorgeschichte: Anfang Oktober wollen Lenz und Adeg-Vorstand Andreas Poschner die Bundeswettbewerbsbehörde von der Harmlosigkeit der Beteiligung von 24,9 % der Rewe an der Adeg überzeugen – der Kaufpreis wird mit 10,5 Mio. € kolportiert. Zuvor hatte Adeg um 16 Mio. € den 37,5-Prozent-Anteil von der Edeka Südbayern an der Handelsorganisation zurückgekauft, die 2001 an die Deutschen gegangen war. Nach dem Rückkauf verlief die Suche nach einem strategischen Partner für Poschner zunächst im Sand, ehe mit Rewe Aus-tria ein mächtiger Teilhaber ins Boot geholt werden konnte.
Spar wittert hinter dieser – an und für sich kartellrechtlich unbedenklichen, da 25 % nicht übersteigenden – Beteiligung aber Böseres. „Die Rewe-Einkäufer sagen, jetzt werde der Einkauf gemeinsam erledigt. Das ist in unseren Augen ein Beschaffungskartell, weil – gemessen an den Marktanteilen – Rewe gemeinsam mit Adeg dann 47 % des Marktes beherrschen. Nimmt man die Diskonter hinzu, sind es immer noch 36,1 %. Da werden wir nicht tatenlos zuschauen“, sagt Dr. Gerhard Drexel im Gespräch mit LK-Handelszeitung. Er kündigt an, eine entsprechende Eingabe bei der Bundeswettbewerbsbehörde zu machen mit dem Ersuchen um genaueste Prüfung.
Sutterlüty frisch im Gedächtnis
Drexel erinnert an den Sutterlüty-Deal, bei dem sich Rewe ebenfalls mit 24,9 % beteiligt hat und heute „80 bis 90 Prozent“ (Drexel im profil) an Waren an den ehemaligen „Sparianer“ aus Vorarlberg liefere – ein Wert, der von Lenz postwendend nach unten revidiert wird: „Sutterlüty bezieht nach wie vor den Großteil seiner Produkte aus der Region.“
Im Gespräch mit LK-Handelszeitung versucht Lenz die Wogen zu glätten: „Unser derzeitiger Marktanteil ohne Adeg-Beteiligung liegt, wenn man die Diskonter mitberücksichtigt, bei 30 Prozent, Adeg hat um die sechs Prozent Marktanteil. Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich die Adeg Genossenschaft aufgrund des Rückzugs der Edeka Südbayern nach einem Partner umgesehen hat. Offensichtlich waren wir für Adeg die beste Wahl. Vor allem auch deshalb, weil mit dem Einstieg der Rewe Group Austria der Adeg-Marktauftritt und die Marke nachhaltig gestärkt werden und damit auch die selbstständigen Adeg-Kaufleute. Wir haben schon wiederholt angemerkt, dass die Marke Adeg, die gut eingeführt ist und besonders im ländlichen Raum für Nahversorgung steht, erhalten bleibt.“

Fortsetzung von Seite 1
Zur Vorgangsweise sagt Lenz: „Wir haben bekannt gegeben, dass wir uns mit der Adeg Österreich Genossenschaft und mit der Edeka Chiemgau auf eine Minderheitsbeteiligung von 24,9 Prozent geeinigt haben. In den nächsten Wochen wird sich in Gesprächen mit den Wettbewerbsbehörden die genaue Form der Kooperation herausstellen. Gemeinsam werden wir erarbeiten, in welchen Bereichen wir kooperieren können. Wir haben volles Vertrauen in die Kartellbehörden und werden tun, was uns gestattet wird.“
Die Markenartikelindustrie hält sich mit Kommentaren zu diesem Thema erstaunlicher Weise zurück, obwohl ihr mit „Billadeg“ in Zukunft ein noch mächtigerer Verhandlungspartner um Einkaufskonditionen gegenüber sitzen wird. Nur wenige Top-Manager wollen die Rewe-Adeg-Allianz kommentieren.
KR Karl Schmiedbauer, Geschäftsführer von Wiesbauer, nimmt es einigermaßen gelassen: „Es hätte auch schlimmer kommen können, wenn beispielsweise unbekannte Partner gekommen wären. Bei den Konditionen erwarte ich nichts Schlimmeres, als das, worunter meine Branche heute ohnedies schon leidet. Ich hoffe auf eine klare Strategie der Adeg in der Zukunft.“ Wiesbauer ist bei Adeg derzeit stärker vertreten als bei Rewe, der Weiterbestand der Adeg sei mit der Beteiligung wahrscheinlicher geworden, so Schmiedbauer.
Ähnlich die Aussage von Mag. Alfred Berger, Vorstandschef der Molkerei Nöm: „Ich glaube, dass die Rewe-Beteiligung sicher ein Rettungsanker für die gebeutelte Adeg ist. Ob die daraus entstehende Machtkonzentration noch zulässig ist, wird sich Professor Walter Barfuß (Leiter der Bundeswettbewerbsbehörde, Anm. d. Red.) sicher – hoffentlich – sehr genau anschauen. Eine Reduktion auf drei ‚Große’ – Rewe, Spar, Tengelmann ­– ist für die Verhandlungen nicht förderlich, wenn jedoch die Alternative das Zusperren vieler Adeg-Kaufleute mit der Konsequenz weiterer Arbeitloser ist, dann muss man es zumindest aus volkswirtschaftlicher Sicht zulassen.“
Mag. Günter Thumser, Präsident der Henkel CEE, sorgt sich um die Balance in der österreichischen Handelslandschaft: „Prinzipiell ist jede Initiative vorteilhaft, die dazu beiträgt, gewachsene Strukturen und insbesondere selbstständige Kaufleute in Österreich zu erhalten. Gleichzeitig muss dabei aber zum Wohle aller Beteiligten wie auch der Konsumenten sichergestellt sein, dass damit das hierzulande sehr sensible Gefüge zwischen Handel und Industrie nicht neuerlich an Balance verliert. Österreich ist ja mit seiner Handelskonzentration schon jetzt einer der Spitzenreiter in Europa.“
Laut Rewe-Chef Lenz gibt es keine Ausstiegsklausel im Vertrag.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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